Mieterstrom

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Bei Mieterstrom (auch Quartierstrom genannt) handelt es sich um lokal produzierten Strom, der Wohnungs- oder Gewerbeflächen-Mietern angeboten wird.[1][2][3] Das Modell eignet sich in gleicher Weise auch für Wohnungseigentümer-Gemeinschaften.[2]

Der Mieterstrom wird in „unmittelbarer räumlicher Nähe“ zu dem Miet-Objekt produziert und muss nicht über die öffentlichen Netze geleitet werden. Deshalb entfallen Netznutzungsentgelte und die sogenannten Konzessionsabgabe.[4]

Durch die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2016 wird die EEG-Umlage ab 2017 reduziert und Mieter weitgehend gleichgestellt mit Einfamilienhaus-Besitzern.[5]

Vorteile des Mieterstroms[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die niedrigeren Nebenkosten kann ein Vermieter die Attraktivität seines Miet-Objekts steigern und gewerbliche Mieter eine bessere CO2-Bilanz ausweisen.[2] Jeder Mieter kann sich dabei frei entscheiden, ob er verfügbaren Mieterstrom beziehen will, oder einen anderen Strom-Anbieter wählt.[6][2] Da Geringverdiener in der Relation zu ihrem Einkommen überproportional viel für ihren Strombezug bezahlen, ist mit dem Mieterstrom eine soziale Komponente verbunden.[7]

EEG-Novellierung 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. Juli 2016 wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) novelliert. Das Wirtschaftsministerium wurde dadurch ermächtigt auf dem Verordnungsweg die EEG-Umlage für Mieterstrom zu reduzieren. Es wurde in Betracht gezogen, dass die EEG-Umlage für Mieterstrom-Klein-Anlagen bis 10 kW Leistung entfallen solle[8], genau wie bei Einfamilien-Häusern, und dass für größere Anlagen noch 40 % anstatt 100 % der EEG-Umlage von derzeit 6 Cent/kWh anfallen sollen.[9][10][11][12][13] Eine derartige Regelung sollte Anfang 2017 in Kraft treten.[14] Stattdessen wurden im ersten Quartal 2017 Vorbereitungen für eine Gesetzesänderung des EEG getroffen, dass nun eine direkte, antragsgebundene Förderung von Mieterstrom vorsah, der aber gleichzeitig mit der vollen EEG-Umlage belastet wäre.

Stromsteuern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bislang ist Mieterstrom von der Stromsteuer befreit.[2] Im Jahr 2016 soll jedoch ein Gesetz verabschiedet werden, das eine Änderung für Energie-Erzeugungs-Anlagen mit mehr als 20.000 kWh pro Jahr bringen könnte.[4][8] Einfamilienhäuser würden damit in der Regel unter eine Bagatellgrenze fallen, Mehrfamilien-Häusern ab ca. 6 Einheiten müssten die Stromsteuer von derzeit 2 Cent pro kWh bezahlen.[15][8]

Versorgungs-Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versorgungs-Sicherheit ist durch den Bezug von Mieterstrom nicht beeinträchtigt. Wenn zusätzlicher Strom benötigt wird, kann er über das öffentliche Netz bezogen werden. Umgekehrt kann überschüssiger Strom aus der Mieterstrom-Anlage in das öffentliche Netz zu den Konditionen des EEG eingespeist werden.[4] Alternativ zur Einspeicherung in die öffentlichen Netze können Batterie-Speicher eingesetzt werden.[16]

Betreiber-Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Regel bieten Wohnungsbau-Unternehmen bzw. deren Kooperations-Partner Mieterstrom-Modelle an. Die Anlagen können auch von Stadtwerken, von Energieversorgungs-Unternehmen (EVUs) oder von Energie-Genossenschaften betrieben werden. Es gibt Pacht- und Konzessions-Modelle. Darüber hinaus können Mieter sich zusammenschließen und eine Mieterstrom-Genossenschaft gründen.[6][15]

Wohnungsbau-Unternehmen sind für ihre Mieteinnahmen von der Gewerbesteuer befreit, riskieren jedoch durch die Produktion und den Handel mit Strom dieses Steuerprivileg. Deshalb werden häufig Dienstleister mit der Abwicklung der Mieterstrom-Modelle beauftragt.[2][17]

Strom-Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Mieterstrom wird meist mit Photovoltaik-, Windkraft- und Bioenergie-Anlagen erzeugt. Es können jedoch auch kombinierte Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen eingesetzt werden.[4]

Kritik an der Mieterstrom-Regelung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Eigentümerverband Haus & Grund schlägt eine Stromkostenverordnung vor, durch die private Wohnungs-Vermieter selbsterzeugten Strom mit über die Heizkostenverordnung abrechnen könnten. Bei der Mieterstrom-Regelung müssten sie ein Gewerbe anmelden, mit den Mietern Stromlieferverträge abschließen und mit den Netzbetreibern und den Energieversorgern Rahmenverträge abschließen.[18]

Eine im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums durchgeführte Studie kommt zum Ergebnis, dass es sich trotz erheblicher Förderung in vielen Fällen nicht lohnt, das Mieterstrom-Modell zu nutzen, weil es „viele Hemmnisse“ gibt. Stattdessen wird eine direkte Förderung empfohlen.[19] Alternativ wäre auch eine Absenkung der EEG-Umlage möglich.[20]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Iris Behr, Marc Großklos (Hrsg.): Praxishandbuch Mieterstrom. Fakten, Argumente und Strategien. Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-17539-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mieterstrom, SolarServer – Das Internetportal zur Sonnenenergie
  2. a b c d e f Vom Dach in die Steckdose, von Ralph Diermann, Süddeutsche Zeitung, 17. März 2016
  3. MieterStrom – Energie direkt vom Erzeuger, Urbane Energie
  4. a b c d Mieterstrom, RP-Energie-Lexikon
  5. GdW begrüßt Änderungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz: Künftig sollen Mieterstromprojekte ermöglicht werden, GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, 6. Juli 2016
  6. a b Möglichkeiten der Wohnungswirtschaft zum Einstieg in die Erzeugung und Vermarktung elektrischer Energie, Institut Wohnen und Umwelt (IWU), 11. Dezember 2015 (PDF, 10 MB)
  7. Energiewende für Geringverdiener, World of Wildlife, 7. September 2015
  8. a b c Dem dezentralen Energiesystem fehlt ein politisches Gesamtkonzept, von Eva Augsten, Heise online, 8. Juli 2016
  9. Mieterstrom ist die neue Einspeisevergütung, enbausa, 3. Mai 2016
  10. Unter Hochspannung, von Dagmar Dehmer, Der Tagesspiegel, 7. Juli 2016
  11. Grünes Licht für Mieterstrom – DMB, GdW und vzbv begrüßen Änderungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz, 7. Juli 2016
  12. Von Ausschreibungen halte ich gar nichts, Verena Kern im Interview mit Josef Göppel, klimaretter.info, 8. Juli 2016
  13. EEG-Reform: Kleine Verbesserungen für die Bürgerenergie, energiezukunft, 8. Juli 2016
  14. EEG: Mieter sollen von neuem Ökostrom-Gesetz profitieren, Spiegel online, 5. Juli 2016
  15. a b Energiewende ohne Mieter, klimaretter.info, 26. Mai 2016
  16. Heidelberg Mieterstrom, Stadt Heidelberg
  17. Nicht nur für Eigenheimer, von Susanne Ehlerding, Der Tagesspiegel, 25. Januar 2016
  18. Die EEG-Novelle ist durch - Vorteile für Vermieter, Haufe, 8. Juli 2016
  19. Mieterstrom, Hrsg.: BMWi, 17. Januar 2017, S. 94f.
  20. Gabriel ziert sich beim Mieterstrom, Telepolis, 25. Januar 2017