Miguel Díaz-Canel

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Miguel Díaz-Canel (2015)

Miguel Mario Díaz-Canel Bermúdez (miˈɣel ˈdi.as kaˈnel, * 20. April 1960 in Falcón, Placetas) ist ein kubanischer Politiker und seit dem 19. April 2018 Präsident des Staats- und des Ministerrats der Republik Kuba.

Er ist Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei Kubas (PCC). Von Februar 2013 bis April 2018 war er Stellvertreter seines Vorgängers, des damaligen kubanischen Präsidenten Raúl Castro.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft, Ausbildung und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Díaz-Canel schloss sein Studium als Elektronikingenieur 1982 ab und arbeitete bis 1985 als Funk-Spezialist bei den kubanischen Streitkräften, wo er den Rang eines Oberstleutnants (Teniente Coronel) innehat.[1] Ab April 1985 unterrichtete er an der Universidad Central „Marta Abreu“ de Las Villas (UCLV) in Santa Clara. Neben seiner Lehrtätigkeit arbeitete er bis 1987 hauptamtlich für die Nachwuchsorganisation der Kommunistischen Partei, die Unión de Jóvenes Comunistas (UJC).

In den 1980er Jahren trug er seine damals noch blonden Haare lang, hörte Rockmusik und unterstützte den Erhalt eines Nachtklubs für Künstler, Rocker, Bohemiens und Transvestiten, was in Kuba als verdächtig galt.[2]

Er diente anschließend in Nicaragua als UJC-Sekretär der dorthin zum Auslandseinsatz entsandten Kubaner und war insofern mitverantwortlich dafür, dass die Kubaner in Nicaragua nicht von der in der Heimat geltenden ideologischen Linie abwichen. Nach seiner Rückkehr nach Kuba wurde er 1989 zunächst Zweiter Sekretär des Provinzkomitees der UJC in seiner Heimatprovinz Villa Clara. Von 1990 bis 1992 war er dann als Erster Sekretär oberster Repräsentant der UJC für Villa Clara. Gleichzeitig gehörte er dem nationalen Vorstand der UJC an, mit Zuständigkeit zunächst für junge Arbeitnehmer und Angehörige der Streitkräfte, später für Ideologie. 1993 wurde er zum Zweiten Sekretär der UJC bestimmt.

Politische Karriere bis zur Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1993 wurde er Mitglied des Provinzkomitees der PCC in Villa Clara und 1994 zu dessen Erstem Sekretär gewählt, dem höchsten öffentlichen Amt auf regionaler Ebene. Unter seiner Führung wurde in der Provinz Villa Clara ein für kubanische Verhältnisse besonders tolerantes Kulturleben ermöglicht. Im Unterschied zu anderen Provinzfunktionären trug er damals oft T-Shirts und fuhr zudem lange mit dem Fahrrad zur Arbeit, bis ihm die Partei dies aus Sicherheitsgründen untersagte.[3][4] 2003 wechselte er von Villa Clara in die Provinz Holguín, wo er ebenfalls den Posten des Ersten Parteisekretärs und damit den Regierungsvorsitz übernahm. Noch im selben Jahr wurde er auf Vorschlag Raúl Castros mit 43 Jahren als bisher jüngster Politiker ins Politbüro gewählt, das höchste Gremium der Partei, das aktuell 14 Mitglieder umfasst.[4] Im Mai 2009 wurde er Minister für Hochschulbildung. Am 22. März 2012 gab er diesen Posten auf, um seine neue Position als Vizepräsident des Ministerrats aufnehmen zu können.

In der kubanischen Staatsführung waren seit 1959 maßgeblich dieselben, überwiegend in den 1920er Jahren geborenen ehemaligen Guerillakämpfer vertreten. Während der Präsidentschaft Raúl Castros gelangten weitere Angehörige des Militärs in hohe politische Ämter. Demgegenüber gehörte Díaz-Canel neben Marino Murillo zur jüngeren Generation erfolgreicher Parteikader. Wie die übrigen jüngeren Kader stand er innerhalb der streng hierarchisch organisierten politischen Ordnung für absolute Treue zur Staats- und Parteiführung. Díaz-Canels Aufstieg verlief schrittweise und stetig, wohingegen die politischen Karrieren mehrerer seiner früheren Vorstandskollegen des kommunistischen Jugendverbands nach zwischenzeitlicher Prominenz unrühmlich endeten, darunter die von Roberto Robaina, Otto Rivero, Carlos Valenciaga und Felipe Pérez Roque.[5][6] Laut Berichten ausländischer Medien gehörte Díaz-Canel 2002 zu den Belastungszeugen gegen den in Ungnade gefallenen Außenminister Robaina und trat neben weiteren ehemaligen Mitarbeitern in einer rund zweistündigen Videodokumentation auf, die von der Parteiführung ausschließlich Parteikadern zum Beleg der Verfehlungen des entlassenen Funktionärs vorgeführt wurde.[7][8] Im folgenden Jahr erfolgte dann seine Berufung ins Politbüro.

Auf dem VI. Parteitag der PCC im April 2011 stellte Díaz-Canel dem Plenum den Beschlussentwurf zum zuvor von Staats- und Parteichef Raúl Castro vorgetragenen Hauptbericht vor.[9] Diese prominente Rolle wurde als ein Zeichen seines Aufstiegs in der Parteihierarchie gewertet.[10] Neben seiner exekutiven Position und seinen Parteiämtern vertritt Díaz-Canel den Wahlbezirk Holguín als Abgeordneter im nationalen Parlament, der Asamblea Nacional del Poder Popular.

Am 24. Februar 2013 wurde Díaz-Canel als Nachfolger des 82-jährigen José Ramón Machado Ventura zum Ersten Vizepräsidenten des Staatsrates und damit zu Kubas „Nummer Zwei“ nach Raúl Castro ernannt.[11]

Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Díaz-Canel wurde erwartungsgemäß als einziger Kandidat für die Nachfolge Raúl Castros als kubanischer Staatspräsident nominiert und am 19. April 2018 mit 99,83 % der Stimmen (von 603 der 604 anwesenden Abgeordneten) des nationalen Parlamentes zum neuen Staatspräsidenten Kubas gewählt.[12] Er ist damit erster nach der Revolution geborener Präsident Kubas. Jedoch wird er zumindest vorerst nicht die Machtfülle der Castro-Brüder haben: Raúl bleibt Chef der Kommunistischen Partei, der laut Verfassung die Führungsrolle im Staat zukommt.[13]

Nach seiner Wahl zum Präsidenten erklärte er in seiner ersten Rede vor der Nationalversammlung: „Ich übernehme die Verantwortung, für die ich gewählt wurde, mit der Überzeugung, dass alle Kubaner dem Erbe des Oberbefehlshabers Fidel Castro treu bleiben werden“, und betonte, den sozialistischen Weg verteidigen und perfektionieren zu wollen.[14]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Miguel Díaz-Canel ist in zweiter Ehe mit der Kulturwissenschaftlerin und Tourismus-Funktionärin Liz Cuesta Peraza verheiratet. Aus erster Ehe mit der Zahnärztin Marta Villanueva hat er zwei erwachsene Kinder.[15][16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Miguel Díaz-Canel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Emilio Ichikawa: Teniente Coronel Miguel Díaz-Canel: Dos lecturas, 8. Dezember 2013.
  2. Von Castros Gnaden – Miguel Díaz-Canel übernimmt in Kuba. In: Spiegel Online, abgerufen am 19. April 2018.
  3. Cuba Shows Its Next President. In: Havana Times, 25. Februar 2013.
  4. a b Juan Tamayo: Miguel Diaz-Canel, Cuba’s new No. 2, respected as smart and personable. In: Miami Herald vom 24. Februar 2013, abgerufen am 27. Februar 2013 (englisch).
  5. Andrea Rodriguez: Miguel Diaz-Canel, Raul Castro’s likely heir-apparent, seen as a serious-minded party loyalist. In: Fox News vom 24. Februar 2013, abgerufen am 22. Januar 2014 (englisch).
  6. Paul Haven: Miguel Diaz-Canel, First Vice President Of Cuba’s Communist Party, Rose Gradually To Castro’s No. 2. In: Huffington Post vom 25. Februar 2013, abgerufen am 22. Januar 2014 (englisch).
  7. Expulsan del Partido Comunista de Cuba a ex canciller Roberto Robaina. In: La Red 21 vom 1. August 2002, abgerufen am 27. Februar 2013 (spanisch).
  8. El ex canciller cubano Roberto Robaina es expulsado del PCC y cesado como diputado. In: Diario de Avisos vom 3. August 2002, abgerufen am 27. Februar 2013 (spanisch).
  9. Resolución sobre el Informe Central. In: Granma vom 19. April 2011, abgerufen am 31. März 2012 (spanisch).
  10. Gerardo Arreola: Aprobado, el plan de reforma de Raúl Castro; eligen al Comité Central. In: La Jornada vom 19. April 2011, abgerufen am 31. März 2012 (spanisch).
  11. http://www.cubadebate.cu/noticias/2013/02/24/ratificado-raul-como-presidente-del-consejo-de-estado/
  12. Miguel Díaz-Canel zum neuen Präsidenten Kubas gewählt. Abgerufen am 21. April 2018.
  13. Andreas Ross: Das Ende der Ära Castro: Ein Kind der Revolution. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 18. April 2018, abgerufen am 18. April 2018.
  14. Kein Emporkömmling – keine Notlösung: Castro-Nachfolger Diaz-Canel. Abgerufen am 19. April 2018.
  15. Mimi Whitefield und Nora Gámez Torres: ¿Quién es Miguel Díaz-Canel, el nuevo gobernante de Cuba? In: El Nuevo Herald. 19. April 2018, abgerufen am 21. April 2018 (spanisch).
  16. Sandra Weiss: Miguel Díaz-Canel beerbt Raúl Castro als Präsident Kubas. In: Augsburger Allgemeine. 19. April 2018, abgerufen am 21. April 2018.