Minna Specht

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Minna Specht (* 22. Dezember 1879 im Schloss Reinbek; † 3. Februar 1961 in Bremen) war eine deutsche Pädagogin und Sozialistin.

Leben[Bearbeiten]

Minna Specht war das siebte Kind des Ehepaares Wilhelm Specht († 1882) und Mathilde Specht. Die Familie bewohnte das Schloss Reinbek, das sie 1874 aus dem Erlös des Jagdschlosses Friedrichsruh erworben hatte und zu einem Hotel umbauen ließ. Nach ihrer Seminarausbildung zur Lehrerin von 1896 bis 1899, war Minna Specht von 1902 bis 1906 als Lehrerin an einer Höheren Töchterschule in Hamburg tätig. Von 1906 bis 1909 studierte sie Geographie, Geschichte, Geologie und Philosophie an den Universitäten in Göttingen und München. Danach war sie von 1909 bis 1914 als Lehrerin an derselben Schule in Hamburg tätig.

Im Jahr 1914 begann Minna Specht ein Mathematikstudium in Göttingen und lernte hier 1915 den Philosophen Leonard Nelson kennen, mit dem sie eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft einging. Gemeinsam gründeten Nelson und Specht 1917 mit Max Hodann und seiner Ehefrau Maria Hodann den Internationalen Jugendbund (IJB).

1918 arbeitete sie kurze Zeit als Mathematiklehrerin im Landerziehungsheim Haubinda in Thüringen, übernahm 1922 die Leitung des von Nelson gegründeten Landerziehungsheims Walkemühle in Adelshausen bei Melsungen in Nordhessen bis zu dessen Besetzung und Auflösung durch die Nationalsozialisten im Mai 1933 und nach Nelsons Tod im Jahre 1927 mit Willi Eichler auch die Leitung des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK), der aus dem IJB hervorgegangen war. 1932 unterzeichnete sie neben bekannten Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern den Dringenden Appell des ISK zur Bildung einer Einheitsfront von Kommunisten und Sozialisten im Kampf gegen den Nationalsozialismus.

Mit einem Teil der Schüler der Walkemühle floh Minna Specht 1933 nach Dänemark und errichtete dort eine Schule für Kinder deutscher Emigranten.[1] Im November 1938 emigrierte sie nach Wales und wurde auf der Isle of Man zwischen 1940 und 1941 als feindliche Ausländerin interniert. Nach ihrer Freilassung leistete sie bildungspolitische Arbeit im German Educational Reconstruction Committee.

Nach Kriegsende kehrte sie nach Deutschland zurück und übernahm von 1946 bis 1951 die Leitung der Odenwaldschule. Sie war Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission und Mitarbeiterin des pädagogischen Instituts der UNESCO in Hamburg. Weiterhin war sie Inspektorin der Landerziehungsheime in Hessen.

Nachlass[Bearbeiten]

Der Nachlass von Minna Specht befindet sich im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn. Er umfasst umfangreiche Korrespondenz, enthält Akten und Aufzeichnungen zur Geschichte der Walkemühle, den Schulen in Dänemark und England, Manuskripte und Publikationen Minna Spechts zu pädagogischen und politischen Fragen sowie Fotoalben.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Jakob Friedrich Fries. Der Begründer unserer politischen Weltansicht. Reden. Verlag Öffentliches Leben, Stuttgart 1927.
  • Vom Sinn der Jugendweihe. Rede. Verlag Öffentliches Leben, Göttingen 1930.
  • Education in Post-War Germany. International Publishing Company, London 1944.
  • Kindernöte. Herausgegeben gemeinsam mit Martha Friedländer. Verlag Öffentliches Leben, Frankfurt am Main 1950.
  • Leonard Nelson. Zum Gedächtnis. Verlag Öffentliches Leben, Frankfurt am Main 1953.
  • Minna Specht. Gesinnungswandel. Beiträge zur Pädagogik im Exil und zur Erneuerung von Erziehung und Bildung im Nachkriegsdeutschland. Herausgegeben und eingeleitet von Inge Hansen-Schaberg unter Mitarbeit von Sigrid Rathgens. Frankfurt 2005 (Schriften des Exils zur Bildungsgeschichte und Bildungspolitik, 2).

Literatur[Bearbeiten]

  • Hellmut Becker, Willi Eichler und Gustav Heckmann (Hrsg.): Erziehung und Politik. Minna Specht zu ihrem 80. Geburtstag. Frankfurt 1960.
  • Inge Hansen-Schaberg: Minna Specht - Eine Sozialistin in der Landerziehungsheimbewegung (1918 bis 1951). Untersuchung zur pädagogischen Biographie einer Reformpädagogin. Studien zur Bildungsreform, 22. Frankfurt 1992.
  • Inge Hansen-Schaberg: Specht, Minna. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 635–637 (Digitalisat).
  • Birgit S. Nielsen: Erziehung zum Selbstvertrauen. Ein sozialistischer Schulversuch im dänischen Exil 1933-1938. Mit einem Vorwort von Hellmut Becker. Wuppertal 1985. - 2. Aufl.: Mit einem Vorwort von Hellmut Becker und einem Vorwort zur 2. Aufl. von Hermann Röhrs. Weinheim 1999.
  • Hugo Maier (Hrsg:) Who is who der Sozialen Arbeit, Freiburg im Breisgau : Lambertus 1998 ISBN 3-7841-1036-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Minna Specht arbeitete in dieser Zeit eng mit Mary Saran zusammen; vgl. Mary Saran, Never give up. Memoirs. Preface: W. Arthur Lewis. Oswald Wolff Ltd., London 1976; deutsche Übersetzung von Susanne Miller: Gib niemals auf. Erinnerungen. Privatdruck, Bonn 1979, sowie Mary Sarans Beitrag Pause vor dem Neuanfang, in: Hellmut Becker, Willi Eichler und Gustav Heckmann (Hrsg.): Erziehung und Politik. Minna Specht zu ihrem 80. Geburtstag. Frankfurt 1960, S. 327-329. Eine weitere Schilderung der Tätigkeit in Dänemark enthält der Buch von Birgit S. Nielsen, Erziehung zum Selbstvertrauen. Ein sozialistischer Schulversuch im dänischen Exil 1933-1938. Wuppertal: Peter Hammer Verlag 1985, passim.