Mirachowo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Mirachowo
Mirachowo führt kein Wappen
Mirachowo (Polen)
Mirachowo
Mirachowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Kartuzy
Gmina: Kartuzy
Geographische Lage: 54° 24′ N, 18° 2′ OKoordinaten: 54° 23′ 42″ N, 18° 1′ 40″ O
Einwohner: 913 (2005)



Mirachowo [miraˈxɔvɔ] (deutsch Mirchau, kaschubisch Mirochòwò) ist eine Ortschaft in der Stadt-und-Land-Gemeinde Kartuzy (Karthaus) im Powiat Kartuski der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in der Kaschubei im ehemaligen Westpreußen, etwa 14 Kilometer nordwestlich von Kartuzy und 40 Kilometer westlich von Danzig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnhaus im Dorf
Dorfkapelle, erbaut 1740

Wie aufgefundene Grabbeigaben aus Bronze belegen,[1] war die nähere Umgebung der Ortschaft in Pommerellen bereits in der Vorzeit besiedelt. Von 1308 bis 1466 gehörte Mirochowo oder Mirchau zum Deutschordensland Preußen und kam dann bei der Zweiteilung Preußens zum sezessionistischen westlichen Preußen, später auch als autonomes Preußen Königlichen Anteils bekannt, das sich freiwillig unter den Schutz der polnischen Krone begeben hatte. Mirchau war zu dieser Zeit Sitz eines Starosten in der 1454 gebildeten Woiwodschaft Pommerellen.[2]

Nach der ersten polnischen Teilung 1772 kam Pommerellen zum Königreich Preußen. Von 1818 bis 1920 gehörte Mirchau zum preußischen Kreis Karthaus. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wird Mirchau als ein Bauerndorf mit einem Rittergut und einer Mahl- und Schneidemühle beschrieben.[3] In der Ortschaft gab es auch eine Oberförsterei, eine Ziegelei[4] und eine Gaststätte.[5]

Im letzten Quartal des 19. Jahrhunderts waren das Dorf Mirchau und der Forstgutsbezirk Mirchau verwaltungstechnisch voneinander getrennt.[6]

Nach Ende des Ersten Weltkriegs musste der größte Teil des Kreises Karthaus, darunter auch Mirchau, aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags im Januar 1920 zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden und kam an die neue Woiwodschaft Pommerellen. Mirchau gehörte weiter zum Kreis Karthaus, nunmehr Powiat Kartuski genannt, der durch Abtretungen an den Kreis Danziger Höhe verkleinert worden war.

Als Folge des Polenfeldzugs, 1939, kam der Powiat Kartuski mit dem Dorf Mirchau als besetztes polnisches Gebiet ans Reichsgebiet und wurde nun dem besatzungsamtlichen neuen Regierungsbezirk Danzig im Reichsgau Danzig-Westpreußen, der deutsches und deutsch besetztes Danziger und polnisches Gebiet umfasste, zugeordnet. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Mirchau im Januar 1945 von der Roten Armee besetzt.

In der Folgezeit wurden unter deutscher Besatzung zugewanderte Deutsche vollzählig, wie auch angestammte deutschsprachige Polen, soweit sie nicht vorher geflohen waren, größtenteils aus dem Kreisgebiet vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1816 168 [7]
1840 411 in 57 Häusern, einschließlich des Ritterguts[3]
1864 467 am 3. Dezember, davon 277 im Gemeindebezirk und 190 im Gutsbezirk[8]
1871 500 [9]
1905 550 [10]

Kirchspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirche in Mirchau wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts vom Gustav-Adolf-Werk gestiftet.[11] Sie wurde 1860 geweiht. Zuvor waren die Evangelischen in Mirchau im Kirchspiel Rheinfeld eingepfarrt gewesen.

Die Katholiken der Ortschaft gehörten im 19. Jahrhundert zum Kirchspiel Sianowo.[4]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der juristischen Literatur ist ein Strafprozess festgehalten worden, in dem ein am Abend des 10. November 1869 in der Nähe des Dorfes Mirchau geschehener Mord an einem Bauern verhandelt wurde.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E. Förstemann:: Das nördliche Pommerellen und seine Alterthümer. In: Preußische Provinzial-Blätter. AF, Band 1, Königsberg 1852, S. 133–148, insbesondere S. 134–135.
  2. Anton Friedrich Büsching: Auszug aus einer Erdbeschreibung. Erster Theil, welcher Europa und den nordlichen Theil von Asia enthält. Hamburg 1771, S. 162–166.
  3. a b Eugen H. Th. Huhn: Topographisch-statistisch-historisches Lexikon von Deutschland. Band 4, Bibliographisches Institut, 1846, S. 413.
  4. a b Eduard Messow: Topographisch-statistisches Handbuch des preußischen Staats. 1847, S. 78.
  5. a b Archiv für Gemeines Deutsches und für Preußisches Strafrecht. Band 19, Berlin 1871, S. 600–504.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. dan_karthaus.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 3, Halle 1822, S. 204, Ziffer 1964.
  8. Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirks Danzig (5. Kreis Krathaus). Berlin 1867, S. 18, Ziffer 121–122.
  9. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 44–45, Ziffer 7.
  10. http://wiki-de.genealogy.net/GOV:MIRHAUJO94AJ@1@2Vorlage:Toter Link/wiki-de.genealogy.net (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  11. H. Oelrichs: Statistische Mittheilungen über den Regierungsbezirk Danzig. 1. Fortsetzung, Berlin 1867, S. 64.