Mnevis

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Mer-wer in Hieroglyphen
meistens
U7
D21
G36
D21
E1

Mer-wer
Mr-wr
Griechisch Mnevis

Mnevis (altgriechisch), altägyptisch: Mer-wer, ist der altägyptische Stier von Heliopolis, als welcher er seit den Pyramidentexten des Alten Reiches belegt ist. Der Name „Mer-wer“ ist jedoch erst seit dem Neuen Reich bezeugt.

Darstellung[Bearbeiten]

In ägyptischen Darstellungen wie nach antiken Quellen erscheint Mnevis als schwarzer Stier mit starkem Nacken und überdurchschnittlich großen Hoden. Zwischen seinen Hörnern trägt er oft die Sonnenscheibe. Andere Abbildungen zeigen Mnevis auch als Mann mit Rinderkopf[1].

In der Mythologie[Bearbeiten]

Mnevis galt als Sonnenstier und stand den in Heliopolis verehrten Gottheiten nahe. Er war der Herold des Re und mit Atum verbunden, zu dem er die Wahrheit aufsteigen lässt. In manchen Texten wird er mit diesem auch identifiziert und Atum selbst als Stier von Heliopolis bezeichnet. Im Neuen Reich war die Göttin Hesat seine Mutter.

Kult und Kultorte[Bearbeiten]

In Heliopolis wurde ein lebender Stier verehrt. Starb dieser, wurde er begraben und ein anderer Stier wurde auserwählt. Daneben wurde noch ein Fetisch, in diesem Fall eine Stange mit einem Stierkopf als Mnevis verehrt. Bestattungen der Mnevis-Stiere sind seit der Regierungszeit von Ramses II. archäologisch belegt. Die Grabstätte der Mnevis-Stiere lag nördlich von Heliopolis. In griechisch-römischer Zeit fand er in Dendera Verehrung. Erwähnt wurde er ferner in sogenannten Zauberpapyri und bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. wurde sein Name in Italien in Zaubersprüchen noch genannt.

Da Mnevis dem Sonnengott Re nahestand, wurde er auch in den ersten Regierungsjahren Echnatons verehrt, der ihm in Amarna eine Grabanlage errichtete. Der Kult des Mnevis ist in vielem dem Kult des Apis in Memphis verwandt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Bonnet: Mnevis. In: Hans Bonnet: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. 3. unveränderte Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-937872-08-6, S. 468–470.
  • Martin Fitzenreiter (Hrsg.): Tierkulte im Pharaonischen Ägypten und im Kulturvergleich (= Internet-Beiträge zur Ägyptologie und Sudanarchäologie. IBAES. Bd. 4). Golden House Publications, London 2005, ISBN 0-9550256-2-1.
  • Stiere, heilige. In: Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie. 4., überarbeitete Auflage. Harrassowitz, Wiesbaden 1999 ISBN 3-447-04027-0 S. 298 f.
  • Erik Hornung: Der Eine und die Vielen. Ägyptische Gottesvorstellungen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1971, ISBN 0-3-534-05051- (formal falsche ISBN), S. 34–40, 276.
  • Mohamed Moursi: Corpus der Mnevis-Stelen und Untersuchungen zum Kult der Mnevis-Stiere in Heliopolis. In: Studien zur Altägyptischen Kultur. Bd. 10, 1983, S. 247–267.
  • Eberhard Otto: Beiträge zur Geschichte der Stierkulte in Aegypten (= Untersuchungen zur Geschichte und Altertumskunde Ägyptens. Bd. 13, ZDB-ID 502520-5). Hinrichs Verlag, Leipzig 1938, S. 34–40 (Zugleich: Göttingen, Universität, Dissertation, 1937).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Bonnet: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. 2000, S. 469.