Mongolische Revolutionäre Volksarmee

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Die Mongolische Revolutionäre Volksarmee (mongolisch Монголын Ардын Арми oder Монгол Ардын Хувьсгалт Цэрэг) war die Armee der Mongolischen Volksrepublik und bestand von 1921 bis 1990 als Verbündeter der sowjetischen Roten Armee.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mongolische Kavallerie in der Schlacht am Chalchin Gol (1939)
Soldaten der Mongolischen Revolutionären Volksarmee

Nachdem sich das Land im Jahr 1911 für autonom erklärt hatte, wurde die Äußere Mongolei zunächst im Jahr 1918 von chinesischen Warlords besetzt und anschließend mit japanischer Hilfe im Jahr 1920 von der russischen Weißen Armee unter Roman von Ungern-Sternberg erobert. Am 13. März 1921 wurde auf russischem Territorium von einer siebenköpfigen „revolutionär gesinnten Gruppe“ die Mongolische Volkspartei (MRVP) sowie die Mongolische Revolutionäre Volksarmee gegründet, welche sich zunächst aus zwei mongolischen Guerillaeinheiten mit insgesamt 260 Kämpfern unter der Führung von Damdiny Süchbaatar und Chorloogiin Tschoibalsan zuzüglich 140 sowjetischen Militärberatern, meist mongolisch sprechende Burjaten und Kalmücken, zusammensetzte.[1] Diese 400-Mann starke Truppe marschierte am 3. Juli 1921 nebst 10.000 sowjetischen Soldaten der Roten Armee in die Äußere Mongolei ein und besetzte das Land innerhalb kurzer Zeit. Die Sowjetunion etablierte eine Marionettenregierung unter der Leitung der MRVP, die am 13. Juli 1924 die Mongolische Volksrepublik gründete.[2]

Durch Zwangsrekrutierung wurden die Streitkräfte der Mongolischen Revolutionären Volksarmee bis 1930 auf insgesamt jährlich 10.000 Wehrpflichtige und 35.000 Reservisten erhöht. Allerdings entzog sich die überwiegend buddhustische und nomadische Bevölkerung nicht selten der Wehrpflicht durch Flucht nach Xinjiang, Tibet oder Mandschukuo. So gingen die sowjetischen Militärberater 1929 bei einer landesweiten Mobilisierungsübung von 30.000 teilnehmenden Reservisten aus, wovon tatsächlich nur 2.000 erschienen. Dieses Ergebnis führte zu einer Verschärfung der Rekrutierungsmethoden und einer Erhöhung der sowjetischen Militärpräsenz.[3][4]

Bis dahin war die Mongolische Revolutionäre Volksarmee fast ausschließlich eine Reiterarmee, die an eigener Ausrüstung sieben Panzerwagen, 20 leichte T-18 Panzer, 30 Feldkanonen, 50 Haubitzen und 200 schwere Maschinengewehren besaß. Regierungs- und höheren Armeeangehörigen stand seit 1925 eine Junkers F 13 zur Verfügung. Im März 1931 schenkte Stalin der Mongolischen Revolutionären Volksarmee drei Polikarpow R-1, wobei die sich im Gegenzug verpflichten musste, weitere drei R-1 der Roten Armee abzukaufen. Noch 1932 bestand die Grundeinheit aus einem 8.000 Mann starken Kavallerieregiment, aufgegliedert in drei Schwadrone mit mehreren Kavallerieeinheiten von etwa 70 bis 90 Soldaten. Bei den großen Entfernungen in der Mongolei lag der Vorteil der kleinen Stoßtrupps in der Mobilität: Diese Gruppen konnten in 24 Stunden mehr als 160 Kilometer zurücklegen. Die Uniformen der Mongolischen Revolutionären Volksarmee unterschieden sich nur geringfügig von denen der Sowjetarmee.[5]

Ab 1932 brachen in der Mongolei aufgrund der Zwangskollektivierung landesweit große Unruhen aus, an deren Niederschlagung sowohl sowjetische als auch mongolische Flugzeuge Bomben auf Klöster und Aufständige abwarfen. Gleichfalls leisteten die Flieger Aufklärung für die Bodentruppen; bis Anfang 1940 wurden in der Mongolei über 30.000 „Klassenfeinde“ wie Bildungsbürger, geistliche Würdenträger, Mönche, aber auch Nomaden und Bauern umgebracht.[6][7]

Ihren größten Einsatz hatte die Mongolische Revolutionäre Volksarmee bei der Schlacht am Chalchin Gol. Während des Zweiten Weltkriegs wurde zum einen die mongolische Volkswirtschaft vollständig auf die Unterstützung der sowjetischen Kriegsanstrengungen ausgerichtet. Zum anderen kämpfte an der Seite der Roten Armee eine mongolische Panzerbrigade, die sich 1945 an der Schlacht um Berlin beteiligte.[8] Erneut trafen sowjetisch-mongolische und japanisch-mandschurische Verbände während der Operation Auguststurm aufeinander. Für dieses Unternehmen nutzte die UdSSR ihren mongolischen Satellitenstaat ebenso wie den Fernen Osten Sowjetrußlands als Ausgangsbasis für sowjetische Soldaten nebst der Konzentration großer Mengen an Ausrüstung und Material. Im Rahmen der Operation Auguststurm rückte im August 1945 eine sowjetisch-mongolische mechanisierte Kavallerie-Gruppe unter Rodion Jakowlewitsch Malinowski und Tschoibalsan als Teil der Transbaikalfront von der Wüste Gobi durch die Innere Mongolei und die Mandschurei bis auf Stellungen vor, von denen aus Peking bedroht werden konnte.[9][10]

Bei allen In- und Auslandseinsätzen spielte die Mongolische Revolutionäre Volksarmee jedoch zeit ihres Bestehens eine untergeordnete Rolle. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stiegen die Verteitigungsausgaben der Mongolischen Volksrepublik von 2,9 auf 44,4 Prozent; fortan musste das Land für die Stationierung der sowjetischen Streitkräfte vollständig aufkommen. Konkrete Angaben zur Gesamtstärke der Armee während des Kalten Kriegs liegen nicht vor. Laut Schätzungen chinesischer Militärhistoriker standen von 1964 bis 1970 rund 15.000 mongolische Soldaten unter Waffen, ab 1972 regelmäßig 47.000, wovon 28.000 konkret den Landstreitkräften und 1000 der Luftwaffe zugeordnet wurden.[11] Die Ausrüstung entsprach zu keiner Zeit dem jeweiligen Stand der Technik. Grundsätzlich wurde ausgedientes Material der Sowjetarmee verwendet, welches die Mongolische Volksrepublik der Sowjetunion teuer abkaufen musste. Dagegen hatte die Sowjetarmee in der Mongolei an der Grenze zu China stets modernste Waffen stationiert, an denen auch mongolische Soldaten ausgebildet wurden. Dazu zählten ab den 1960er Jahren unter anderem mobile ballistische Mittelstreckenraketen mit nuklearen Sprengköpfen.[12]

Ab 1969 hatte die Sowjetarmee beständig 100.000 Soldaten in der Mongolei stationiert, die erst zwischen 1987 und 1991 abgezogen wurden.[13] Die Mongolische Volksrepublik gehörte aufgrund ihrer geografischen Lage formal nicht zu den Warschauer Paktstaaten.[14] Mit dem Zerfall der Sowjetunion erklärte sich die Mongolei für unabhängig und vollzog einen friedlichen Übergang zu einem demokratisch-parlamentarischen Regierungssystem.[15] In diesem Zuge wurde die Mongolische Revolutionäre Volksarmee aufgelöst. 1991 verließen die letzten sowjetischen Truppen das Land. Teile ihrer Ausrüstung wurden von den neuen Mongolischen Streitkräften übernommen.[16][17][18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christopher P. Atwood: Encyclopedia of Mongolia and the Mongolian empire. Facts On File New York, 2004.
  • Timothy Michael May: Culture and customs of Mongolia. Greenwood Press, 2009.
  • Jennifer L. Hanson: Mongolia. Nations in transition. Facts On File New York, 2004.
  • Olaf Schubert: Mongolei. Kahl Verlag Dresden 2011.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amélie Schenk: Mongolei. Geschichte und Politik. C.H.Beck, 2003, S. 65.
  2. Eva-Maria Stolberg: Stalin und die chinesischen Kommunisten. Eine Studie zur Entstehungsgeschichte der sowjetisch-chinesischen Allianz vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Franz Steiner Verlag, 1997, S. 113.
  3. Andrew D. W. Forbes: Warlords and Muslims in Chinese Central Asia: a political history of Republican Sinkiang 1911-1949. Cambridge, 1986, S. 214.
  4. iao Gaillon: Enzyklopädie des Sozialismus. Daily Press, 1993, S. 11 f.
  5. A.J. Walg: Wings Over the Steppes. Aerial warfare in Mongolia 1930–1945. Pilot Press, 1978, S. 7 f.
  6. A.J. Walg: Wings Over the Steppes. Aerial warfare in Mongolia 1930–1945. Pilot Press, 1978, S. 7 f.
  7. Sunjid Dugar: Der Gleichheitsgrundsatz in Bezug auf das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz im deutschen und mongolischen Recht. Herbert Utz Verlag, 2009, S. 49.
  8. Christian Koller: Kollektivierte Nomaden: Die Gründung der Volksrepublik Mongolei vor 85 Jahren, in: Rote Revue – Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur 86/3 (2009). S. 31.online
  9. John Keegan (Hrsg.): The Times Atlas Zweiter Weltkrieg, Seiten 35 und 198f. Bechtermünz Verlag 1999.
  10. A. M. Samsonow, Alfred Anderle: Geschichte der UdSSR 1917–1977, Band 2 (1941–1977), Seite 514. Akademie-Verlag Berlin 1977.
  11. Liao Gaillon: Enzyklopädie des Sozialismus. Daily Press, 1993, S. 22.
  12. ebenda
  13. Timothy Snyder: Bloodlands: Europa zwischen Hitler und Stalin. C.H. Beck, 2011. S.101.
  14. Hermann Wentker: Außenpolitik in engen Grenzen: Die DDR im internationalen System 1949-1989. Veröffentlichungen zur SBZ-/DDR-Forschung im Institut für Zeitgeschichte. Walter de Gruyter, 2007, S. 428.
  15. Kay Möller: Lehrbuch. Die Außenpolitik der Volksrepublik China 1949 – 2004. Eine Einführung. Springer-Verlag, 2005, S. 159.
  16. Timothy Snyder: Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin. C.H. Beck, 2011. S.101.
  17. Achitsaikhan Battushig: Wirtschaftliche Transformation in der Mongolei. Herbert Utz Verlag, 2000, S. 13.
  18. Marion Wisotzki, Ernst von Waldenfels, Erna Käppeli: Mongolei. Unterwegs im Land der Nomaden. Mongolische Volksrepublik. Trescher Verlag, 2014, S. 65.