Marionettenregierung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Als Marionettenregierung (oder Marionettenstaat) bezeichnet man eine Regierung, die durch eine fremde Großmacht eingesetzt wurde und durch diese unterstützt und gesteuert wird.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff bezieht sich auf die als Marionette bezeichnete Puppenform, deren Bewegungen ein Spieler mit Hilfe von Fäden kontrolliert. Dieser Begriff ist abwertend und wird daher ausschließlich von Kritikern solcher Regierungen benutzt. Ähnliche Begriffe sind Vasallen- oder Satellitenstaat. Ein Regierungschef einer Marionettenregierung wird gelegentlich als Quisling bezeichnet[1].

Der Einfluss auf die Machtergreifung und der Grad der Kontrolle durch die fremde Macht variiert. Eine klare Abgrenzung, ob ein Regime eine Marionettenregierung ist oder nur „gute Beziehungen“ mit der Hegemonialmacht unterhält, gestaltet sich oft schwierig.

Im Laufe der Geschichte haben Großmächte immer wieder Marionettenregierungen installiert, wenn es politisch opportun erschien, oft nach einer Besetzung oder Teilokkupation eines Landes. Beispiele sind die ägyptische Herrschaft über Nubien (bis ca. 1000 v. Chr.), die römische Tetrachien in Judäa und die Batavische Republik, welche von der Ersten Französischen Republik abhängig war.

Weitere Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1895 gab das Kaiserreich Japan Korea offiziell die Unabhängigkeit, um es wenig später zu annektieren
  • 1896 schuf das Britische Empire einen Marionettenstaat in Sansibar.

Frankreich 1792–1815 und 1852–1870[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frankreich schuf während der Koalitionskriege Satellitenstaaten, von denen die demokratisch regierten als Tochterrepubliken bezeichnet werden.

Frankreich und seine Satellitenstaaten um 1812
Länder unter direkter Kontrolle von Napoleon und Napoleon III.
Satellitenstaaten auf dem Gebiet des vormaligen Heiligen Römischen Reiches
Satellitenstaaten in Italien
Restliche Satellitenstaaten

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das deutsche Kaiserreich drängte die Armee des Russischen Zarenreiches während des Ersten Weltkriegs erfolgreich weit in den Osten zurück und schuf in Osteuropa zahlreiche Marionettenregierungen:

Durch die Achsenmächte eingesetzt (Zweiter Weltkrieg)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Marionettenregimes wurden von den Achsenmächten während des Zweiten Weltkriegs eingerichtet, unter anderem:

Durch die Alliierten eingesetzt (Zweiter Weltkrieg)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalter Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Kalten Krieg eingesetzt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nach der erfolgreichen Eroberung Kuwaits richtete Iraks Diktator Saddam Hussein die Republik Kuwait ein, die er nach weniger als einem Monat wieder auflöste, um Kuwait zu annektieren.
  • Die international nicht anerkannte Türkische Republik Nordzypern wird von westlichen politischen Kommentatoren als Marionettenstaat der Türkei angesehen[2][3][4]
  • Süd-Ossetien und Abchasien spalteten sich von Georgien ab und sind international nicht anerkannt. Die Staaten sind wirtschaftlich und militärisch stark von Russland abhängig.[5]
  • Transnistrien spaltet sich von Moldau ab und ist international nicht anerkannt. Der Staat ist wirtschaftlich und militärisch stark von Russland abhängig.[6]
  • Volksrepublik Donezk und Volksrepublik Lugansk spalteten sich von Ukraine ab und sind international nicht anerkannt. Die Staaten sind wirtschaftlich und militärisch stark von Russland abhängig.[7][8]
  • Republik Arzach spaltet sich von Aserbaidschan ab und ist international nicht anerkannt. Der Staat ist wirtschaftlich und militärisch stark von Armenien abhängig.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [Block, Maxine, ed. (1940). Current Biography Yearbook. New York, United States: H. W. Wilson. (engl.)]
  2. James, A. Sovereign statehood: The basis of international society. S. 142 [1]. Taylor and Francis, 1986, 288 Seiten. ISBN 0-04-320191-1.
  3. Kurtulus, E. State sovereignty: concept, phenomenon and ramifications. S. 136 [2]. Macmillan, 2005, 232 Seiten. ISBN 1-4039-6988-4.
  4. Kaczorowska, A. Public International Law. S. 190 [3]. Taylor and Francis, 2010, 944 Seiten. ISBN 0-415-56685-1.
  5. Times Online (11-Sep-2008). Abgerufen 21-Dez-2008.
  6. Dylan C. Robertson: Is Transnistria the ghost of Crimea's future?. In: The Christian Science Monitor, 5. März 2014. Abgerufen am 25. Oktober 2015. 
  7. Jones, Sam: Ukraine fighting points to Russia designs for puppet state. In: Financial Times, 27. Januar 2015. Abgerufen am 25. Oktober 2015. 
  8. Russia marches on uninhibited in eastern Ukraine. In: The Washington Post, 18. Februar 2015. Abgerufen am 25. Oktober 2015. 
  9. Chiragov and Others v. Armenia. ECHR. Abgerufen am 21. Dezember 2016.