Mongolische Volksrepublik

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Mongolian People's Republic.svg
Бүгд Найрамдах Монгол Ард Улс (БНМАУ)
Mongolische Volksrepublik
1924–1990
Flagge der Mongolei 1949–1992 Wappen der Mongolei 1960–1991
Flagge Wappen
Flag of Mongolia (1911-1921).svg Navigation Flag of Mongolia.svg
Amtssprache Mongolisch
Hauptstadt Ulaanbaatar
Staatsform Volksrepublik
Regierungssystem Sozialistisches Einparteiensystem
Staatsoberhaupt Staatspräsident
Regierungschef Premierminister
Fläche
– 1992

1.564.116 km²
Einwohnerzahl
– 1992

2.318.000
Währung Tögrög (1 ₮ = 100 Möngö)
Existenzzeitraum 1924–1990
Nationalhymne Nationalhymne der VRM
Zeitzone UTC+7, UTC+8
Telefonvorwahl +976
Lage der VR Mongolei auf der Erde

Die Mongolische Volksrepublik (mongolisch Бүгд Найрамдах Монгол Ард Улс (БНМАУ)) war von 1924 bis 1990 ein Satellitenstaat der Sowjetunion in Zentralasien. Das Territorium erstreckte sich weitgehend auf die Äußere Mongolei, einer ursprünglich zu China gehörenden historischen Landschaft zwischen Sibirien und der Wüste Gobi.[1] De jure stand das dünnbesiedelte Land bis 1946 unter chinesischer Souveränität. Faktisch hatte die Sowjetunion das Gebiet annektiert und hielt es mit einer Marionettenregierung besetzt. Zeit seines Bestehens war das Land sowohl politisch, militärisch als auch wirtschaftlich völlig von der Sowjetunion abhängig.[2] Ab 1969 hatte die Sowjetarmee in der Mongolischen Volksrepublik beständig 100.000 Soldaten stationiert, die erst zwischen 1987 und 1991 abgezogen wurden.[3] Mit dem Zerfall der Sowjetunion erklärte sich die Mongolei 1990 für unabhängig und vollzog einen friedlichen Übergang zu einem demokratisch-parlamentarischen Regierungssystem.[4]

Entstehungshintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Äußeren Mongolei lebten zu Beginn des 20. Jahrhunderts weniger als 700.000 Menschen auf einer Fläche von rund 1,6 Millionen Quadratkilometern viermal so groß wie die heutige Bundesrepublik Deutschland. Die größte Stadt hieß Urga, das heutige Ulaanbaatar, und hatte damals etwa 25.000 Einwohner, wovon 14.000 buddhistische Mönche waren.[5] Bis 1911 gehörte die Äußere Mongolei zum Kaiserreich China und galt als relativ friedliche, stabile und buddhistische Provinz.[6]

Nach der Entdeckung riesiger Vorkommen an Kohle, Gold, Silber, Uran, Zink und Flussspat erwarb Russland nahezu alle Lizenzen zur Erschließung und Ausbeutung der Bodenschätze. Politisch und materiell unterstützte das Russische Kaiserreich den achten Bogd Gegen, der am 30. Dezember 1911 als Bogd Khan in seinem von Zar Nikolaus II. geschenkt bekommenen Winterpalast in Urga die Unabhängigkeit der Äußeren Mongolei ausrief. China erkannte die Sezession nicht an und unterschrieb erst unter Androhung der militärischen Besetzung der Mongolei am 5. November 1913 ein russisch-chinesisches Abkommen, dessen Inhalt am 25. Juni 1915 durch eine Dreiervereinbarung zwischen Russland, China und der Äußeren Mongolei bekräftigt wurde. In diesem Vertrag erkannte Russland die Innere Mongolei als Teil des chinesischen Territoriums an, während China sich verpflichten musste, der Äußeren Mongolei weitgehende Autonomierechte einzuräumen. Nach der Oktoberrevolution nutzten die Nationalchinesen Russlands Schwäche und gliederten die Äußere Mongolei am 27. November 1919 wieder in die Republik China ein.[7]

Zwischen 1920 und 1921 besetzte ein Teil der Weißen Armee unter Führung von Roman von Ungern-Sternberg den größten Teil der Mongolei und versuchte von hier aus mit Vorstößen auf das russische Territorium die Rote Armee zu bekämpfen. Damit wurde das Land in den Russischen Bürgerkrieg hineingezogen. Am 13. März 1921 rief Ungern-Sternberg in der Äußeren Mongolei eine unabhängige Monarchie aus und setzte nominell Bogd Khan als Staatsoberhaupt ein.[8] Die Bolschewiki förderten ihrerseits eine „revolutionär gesinnte Gruppe“ unter der Führung von Chorloogiin Tschoibalsan, der mit Damdiny Süchbaatar am gleichen Tag eine „mongolisch-revolutionäre Gegenregierung“ nebst der Mongolischen Revolutionären Volkspartei (MRVP) und eine Armee gründete. Dieser Vorgang erfolgte auf russischem Territorium und wurde in der Historiographie der MRVP als „Mongolische Revolution“ dargestellt.[9] Tatsächlich bestand der Kreis, der die spätere Staatspartei gegründet hatte, aus lediglich sieben Personen.[10]

Am 3. Juli 1921 marschierte eine 400-Mann starke Mongolische Revolutionäre Volksarmee mit 10.000 sowjetischen Soldaten der Roten Armee in die Äußere Mongolei ein und besetzte innerhalb kurzer Zeit Urga. Am 21. August 1921 wurde Ungern-Sternberg von eigenen Leuten an die Russen ausgeliefert, gegen Zahlung eines Lösegelds.[11] Die Sowjetunion etablierte daraufhin ihre Marionettenregierung, beließ es jedoch vorübergehend bei einer konstitutionellen Monarchie mit stark eingeschränkten Rechten Bogd Khans. Noch fehlte der Bolschewiki die Unterstützung breiter Bevölkerungsteile und damit der Handlungsspielraum die herausragende Stellung des Bogd Gegen auszuschalten.[12] Im April 1924 starb das geistliche Oberhaupt. Damit war der Weg für grundlegende Umgestaltungen frei. Eine Reinkarnation des Jebtsundamba Khutuktu erlaubte der Kreml nicht. Am 13. Juli 1924 wurde die Äußere Mongolei als erstes sowjetisches Satellitenregime dieser Art zur „Volksrepublik“ erklärt. Am 26. November 1924 erhielt das Land eine Verfassung, die als Ziel eine „sozialistische Transformation unter Umgehung des Kapitalismus“ festschrieb.[13]

Genauso wenig wie die nationalchinesische Regierung, erkannten die chinesischen Kommunisten die Mongolische Volksrepublik an und betrachteten die Äußere Mongolei weiterhin als unabtrennbaren Teil Chinas. Auch die internationale Staatengemeinschaft verurteilte das Vorgehen als De-facto-Annexion, was jedoch ohne Konsequenzen blieb, da die Sowjetunion selbst als Staat bis Mitte der 1930er von wenigen Ländern diplomatisch anerkannt war.[14][15]

Konsolidierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flagge der Mongolischen Volksrepublik von 1924 bis 1940

Praktisch verfügten die Bolschewisten über keine breite Unterstützung im Volk, denn dieses nahm von den Vorgängen bis 1928 kaum Notiz. Bis dahin bestand die Wirtschaft der Mongolei fast ausschließlich aus nomadischen Viehzüchtern sowie einigen Bauern, die untereinander Güter tauschten und häufig freundschaftliche Kontakte unterhielten. Besonders die Nomaden galten den stalinistischen Machthabern als suspekt. Aufgrund ihrer mobilen Lebensweise waren sie schwer zu kontrollieren, wechselten immer wieder über Grenzen und entzogen sich damit jeglichem Einfluss. Industrie gab es überhaupt keine, und die Reichtümer des Landes waren noch nicht vollständig von sowjetischen Landesvermessern geologisch kartiert. Zudem besaß die eingesetzte Regierung weder Organisationsstrukturen noch die notwendigen Erfahrungen zur Staatsführung.[16]

Innerhalb des Marionettenregimes gab es in den ersten vier Jahren wesentliche Richtungskonflikte zwischen pro-sowjetischen und unabhängig gesinnten Fraktionen. Dabei war die Mehrzahl der Kader bis 1928 keineswegs anti-religiös eingestellt. Zunächst behielten die buddhistischen Klöster ihren Einfluss. Der größte Teil der Bevölkerung war sehr religiös. Unverändert war es Sitte, dass zumindest ein Sohn in ein Kloster eintrat. Dort kümmerten sich die Mönche nach wie vor um das Armen-, Bildungs- und Gesundheitswesen. Einige Teile des Landes unterlagen weiterhin der direkten Verwaltung von Klöstern. Insgesamt gab es noch 750 Klöster mit rund 113.000 Mönchen. Auch wenn davon eine große Zahl außerhalb der Klöster lebte, entsprach dies einem Drittel der männlichen Bevölkerung.[17] Daraus ergaben sich beständige Spannungen zwischen den sowjetischen „Beratern“ einerseits, die das Tempo des „sozialistischen Aufbaus“ analog der Sowjetunion erhöhen wollten, und den Führern der mongolischen Staatspartei anderseits, die sich auf behutsame Reformen sowie auf ein langsames Vorgehen beschränken wollten.[18]

Zum ersten Präsidenten wurde am 28. November 1924 Nawaandordschiin Dschadambaa ernannt, den der Kreml wegen seiner offenen lamaistischen Grundeinstellung gleich am nächsten Tag absetzen ließ. Ihm folgte bis Ende 1927 Peldschidiin Genden, der gegen die Abriegelung der Landesgrenzen und Stationierung weiterer sowjetischer Truppen opponierte. Während eines späteren Treffens mit Josef Stalin bezeichnete er die Haltung der UdSSR gegenüber der Mongolei als „roten Imperialismus“.[19] Als dann sogar die Wiedergeburt des Jebtsundamba Khutuktus offen diskutiert wurde und es von 1926 bis 1928 so aussah, dass die Befürworter eines kapitalistischen Weges die Oberhand gewinnen könnten, setzte Stalin dem allen ein Ende.[20] Er forderte ausdrücklich die Liquidierung der Mönche, erhöhte die Militärpräsenz und schloss die Äußere Mongolei vollständig in die Zwangskollektivierungpläne der Sowjetunion ein.[21][22]

Erste Terrorwelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mongolische Jurten zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Typisches Jurten-Quartier nach der Kollektivierung

Anfang 1928 setzte Moskau als neuen Präsidenten der Mongolischen Volksrepublik Dschamtsangiin Damdinsüren ein und befahl den „direkten Übergang zur Politik der Zerstörung der feudalen Wirtschaft inklusiv der gründlichen Beseitigung der entsprechenden Klasse“.[23] Unter seiner Ägide erfolgte vom 11. Dezember 1928 bis 30. Juni 1932 die „beschleunigte Kollektivierung“ verbunden mit der ersten politischen Säuberung: Land, Weiden, Wasser, Bodenschätze sowie Transport und Handel wurden vollständig verstaatlicht, Klöster geschlossen, Kircheneigentum eingezogen, rund 700 Mönche ermordet. Gleichzeitig begann der Bau industrieller Anlagen in den Bergbauregionen nebst dazugehörenden Siedlungen. Die stalinistische Politik zwang Mönche in Fabriken oder in die Armee; Klöster wurden zerstört, Statuen aus Gold und Silber in die Sowjetunion verbracht und dort eingeschmolzen.[24]

Mit der Kollektivierung der Landwirtschaft war untrennbar die Sesshaftmachung der Nomaden verbunden. Dieses gigantische Projekt, das gleichermaßen eine chaotische Gewalteruption, ein staatlich organisierter Raubzug bäuerlichen Vermögens und ein radikaler Angriff auf die traditionellen Lebensformen von Bauern und Nomaden war, vernichtete nicht nur die chinesisch-mongolische Kultur, sondern zugleich die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung der Kollektivierung. Die stalinistische „Kulturrevolution“ zielte primär darauf ab, der Landbevölkerung ihre Ressourcen zu entziehen und sie von staatlichen Verteilungs- und Produktionsmechanismen abhängig zu machen. Bauern und Nomaden wurden mittellos. Was aus Sicht der Bauern eine Tragödie war, bedeutete für die Nomaden eine Katastrophe: Der Verlust ihrer Viehherden war gleichbedeutend mit dem Verlust ihrer ökonomischen und kulturellen Existenzgrundlagen. Ohne Vieh konnten die Mongolen keine Nomaden mehr sein, sie wurden zu Bettlern.[25]

Die Sesshaftmachung stellte für viele Nomaden nichts anderes dar als den Raub ihrer Tiere durch sowjetische Repräsentanten. Damit war das Desaster der Zwangskollektivierung vorgezeichnet. Bis 1932 wurden in der Mongolei mehr als 55.000 nomadische Großfamilien zu 752 Kolchosen vereinigt.[26] Die Ergebnisse der Enteignungs- und Zerstörungswelle erwiesen sich als katastrophal. Nachdem die russischen Besatzer massenhaft Vieh in die Sowjetunion abtransportierten, schlachteten viele Nomaden im Glauben der Wiedergeburt ihre Tiere selbst ab. Der Viehbestand ging von 23,7 Millionen Stück (1930) auf 16 Millionen (1932) zurück. Davon ging der größte Teil ebenfalls in die Sowjetunion. In der Folge kam es 1931/32 zu einer landesweit extremen Hungersnot.[27] Die Reaktion auf die rigorose Kollektivierungspolitik waren Volksaufstände in allen Teilen des Landes, die von den sowjetischen Truppen brutal niedergeschlagen wurden. Etwa 30.000 Viehzüchter flohen in diesen Jahren mit ihren Familien und ihrem Vieh in die Innere Mongolei, viele Mönche gingen nach Xinjiang oder Tibet.[28][29]

Situation in Zentralasien Mitte der 1930er Jahre (Einflussbereich Japan rot und grün markiert)

Ende Juni 1932 ließ Stalin den Terror abrupt stoppen und reaktivierte überraschend Peldschidiin Genden als Premierminister. Der Grund des Kurswechsels war das Vorrücken der Kwantung-Armee in Nordchina. Genauso wie die Sowjetunion die Äußere Mongolei annektiert und die Mongolische Volksrepublik als Marionettenstaat installiert hatte, ging nun Japan in der Inneren Mongolei mit der Gründung von Mandschukuo vor. Diese Entwicklung brachte es mit sich, dass die sowjetische Einflusssphäre im ursprünglich chinesischen Norden fast vollständig vernichtet wurde.[30]

Stalins geopolitische Pläne beinhalteten stets eine Expansion der Sowjetunion in der Inneren Mongolei und Mandschurei. Neben den Bodenschätzen war vor allem Port Arthur von großem Wert. Diese Hafenstadt beabsichtigte bereits die Kaiserlich Russische Marine zu ihrem Hauptstützpunkt am Pazifik auszubauen. Von zentraler Bedeutung war hierfür die Ostchinesische Eisenbahn, weshalb sich Stalin nicht mit dem Einfluss auf die Äußere Mongolei zufriedengegeben konnte. Unumwunden machte er auch später offen und beständig ein strategisches Interesse geltend und sagte: „Wenn eine militärische Macht durch die Mongolei hindurch angreifen und die Transsibirische Eisenbahn, die Versorgungsader zwischen dem europäischen Russland und Sibirien, unterbrechen würde, dann wäre es aus mit der Sowjetunion.“[31][32]

Aus diesem Grund integrierte die UdSSR die Mongolische Volksrepublik ins sowjetische Transbaikal- und Fernostverteidigungssystem. Damit diente das Land nicht nur als Pufferzone, sondern als die vorderste Verteidigungslinie der Sowjetunion.[33] Als erstzunehmende „bedrohliche Macht“ betrachtete Stalin primär nicht Japan, sondern immer das bevölkerungsreiche China. Folglich hatte die Sowjetunion kein Interesse an einer Erstarkung Chinas. Vielmehr förderte Stalin die Uneinigkeit, indem er im Chinesischen Bürgerkrieg sowohl die Nationalchinesen unter der Führung von Chiang Kai-shek als auch die chinesischen Kommunisten unter der Führung von Mao Zedong finanziell, materiell und mit sowjetischen Militärberatern unterstützte. Letztlich ermöglichte die Sowjetunion erst damit eine Expansion Japans in Zentralasien.[34]

Vor diesem Hintergrund sollte nun die „nationale Verteidigung der Mongolischen Volksrepublik“ ausgebaut und eine „Neue Reformpolitik“ eingeleitet werden, die der sowjetischen NEP nachempfunden war.[35] Peldschidiin Genden galt als gemäßigter Kommunist. Er widersetzte sich der Verfolgung der buddhistischen Mönche, senkte die Steuern, verlangsamte die Kollektivierung, ließ kleine private Unternehmen wieder zu und nahm sogar Enteignungen der Klöster zurück. Tatsächlich verbesserte sich innerhalb kürzester Zeit die gesamtwirtschaftliche Situation, sodass die Aufstände abebbten.[36]

Zwischenzeitlich waren am Chalchin Gol im Grenzgebiet zu Mandschukuo riesige Gold- und Kupfervorkommen entdeckt worden, was ab 1932 wegen vermeintlich ungeklärter Grenzverläufe zu ständigen Zwischenfällen der sowjetischen Roten Armee und der japanischen Kwantung-Armee führte.[37] Lag die Anzahl der Konfrontationen dort zwischen 1932 und 1934 bei zusammen 152 Zwischenfällen, stiegen sie 1935 auf 136 und 1936 auf 203 an.[38]

Peldschidiin Genden widersprach nicht nur einer Beteiligung mongolischer Soldaten an diesen Konflikten, sondern widersetzte sich der Stationierung weiterer sowjetischer Truppen. Später wurde ihm deswegen Kollaboration mit Japan unterstellt. Wenn auch niemals genutzt, so bot sich mit der Existenz Mandschukuos einschließlich einer Annäherung an Japan durchaus für die Mongolei die einmalige Gelegenheit, sich von der Abhängigkeit sowie der Umklammerung Russlands und Chinas zu lösen. Stalin erkannte diese Gefahr sofort, und entspannte diese zuerst außenpolitisch. Am 23. März 1935 schloss die Sowjetunion mit Mandschukuo ein Abkommen über den Verkauf der Ostchinesischen Eisenbahn nebst weiterer Handelsverträge, worin zumindest eine De-facto-Anerkennung Mandschukuos zu sehen war.[39]

Zweite Terrorwelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur sowjetischen Besetzung des Landes spielte für die Nomaden die politische Unabhängigkeit der Mongolei keine Rolle. Denn bis dahin waren sie unabhängig und Grenzen für sie bedeutungslos. Nachdem Stalin außenpolitisch durch die Abkommen mit Mandschukuo sich Zeit verschaffen konnte, wurden nun diejenigen ausgeschalten, die im Wesentlichen seit 1911 eine Abtrennung von China befürwortet und eine Unabhängigkeit der Äußeren Mongolei unterstützt hatten: die Mönche. Ab 1936 kam es zu einem erneuten Kurswechsel. Mit sowjetischer Hilfe wurde 1936 Chorloogiin Tschoibalsan Parteichef und übernahm auch die Regierung. Genden wurde verhaftet und später hingerichtet, und seine Anhänger verloren ihren Einfluss. Tschoibalsan war ein radikaler Vasall Stalins und übernahm die in der Sowjetunion verwirklichte Politik vollständig für die Mongolische Volksrepublik. Der extreme Flügel der MRVP beseitigte nach und nach alle oppositionellen Elemente, und errang eine vollständige Kontrolle von Partei und Regierung.[40]

Im Bestreben nach einer schnellen wirtschaftlich-gesellschaftlichen Umwandlung griff die Regierung zu extremen Maßnahmen. Damit attackierte sie die wichtigsten existierenden Institutionen, die buddhistischen Klöster. Bis auf vier wurden diese alle zerstört. Insgesamt fielen dem Staatsterror der späten 1930er Jahre geschätzte 30.000 Personen zum Opfer.[41]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg entstand durch den Japanisch-Sowjetischen Grenzkonflikt wieder eine Bedrohung an der mongolisch-mandschurischen Grenze. Aus diesem Grund wurde der mongolische Sozialismus angepasst, und die nationale Verteidigung ausgebaut. Die sowjetisch-mongolische Armee besiegte die japanische Armee im Sommer 1939 in der Schlacht am Chalchin-Gol. Danach wurde ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, und im Herbst eine Kommission eingesetzt, um die mandschurisch-mongolische Grenze festzulegen.

1945 nutzte die UdSSR ihren mongolischen Satellitenstaat ebenso wie den Fernen Osten Sowjetrußlands als Ausgangsbasis für die Operation Auguststurm. Die Mongolische Revolutionäre Volksarmee spielte dabei nur eine geringfügige unterstützende Rolle.

Kalter Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mongolische Delegation bei den II. Weltfestspielen in Budapest, 1949

Tschoibalsan starb 1952 in Moskau. Sein Nachfolger war Jumdschaagiin Tsedenbal, ebenfalls ein treuer sowjetischer Gefolgsmann. Im Anschluss an die Verurteilung von Stalins Politik durch Nikita Chruschtschow wählte die mongolische Regierung 1956 das gleiche Vorgehen gegenüber Tschoibalsan. Insbesondere sein Personenkult wurde verurteilt, sowie einige andere seiner radikalen politischen Standpunkte.

Im Anschluss an den Krieg verlegte sich die mongolische Regierung auf den Aufbau einer zivilen Wirtschaft. Die internationalen Beziehungen mit anderen sozialistischen Staaten wurden ausgebaut, wie z.B. mit Nordkorea und den osteuropäischen Ländern. 1949 erfolgte die gegenseitige Anerkennung zwischen der Mongolei und der Volksrepublik China, und China verzichtete auf alle Gebietsansprüche in der ehemaligen Äußeren Mongolei. China stellte sogar Arbeitskräfte zur Verfügung, um beim Aufbau der Infrastruktur in der Mongolei zu helfen. Die Mongolei beteiligte sich nun vermehrt an internationalen Organisationen, und nahm an kommunistisch orientierten internationalen Konferenzen teil. 1961 wurde sie Mitglied der Vereinten Nationen.

Im Chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis Anfang der 1960er Jahre versuchte die Mongolei zunächst, einen möglichst neutralen Kurs einzuhalten. 1966 schlug sie sich aber wieder auf die Seite der Sowjetunion, und unterzeichnete ein Abkommen, welches die massive Stationierung sowjetischer Truppen (in den 1980er Jahren: über 70.000 Mann) auf mongolischem Territorium ermöglichte. Die Beziehungen der Mongolei zu China verschlechterten sich dementsprechend. 1983 begann die Mongolei mit der systematischen Abschiebung von chinesischstämmigen Einwohnern zurück nach China. Viele davon waren schon in den 1950er Jahren zur Mithilfe bei Bauprojekten in die Mongolei gekommen.

Zusammenbruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aufstieg von Michail Gorbatschow in der UdSSR brachte dort die Politik von Perestroika und Glasnost. Die entspannte Atmosphäre in der Sowjetunion hatte eine ähnliche Lockerung in der Mongolei zur Folge. Nach Massendemonstrationen im Winter 1990 verlor die MRVP mehr und mehr die Kontrolle über das politische System. Im März trat das Politbüro zurück und im Mai wurde die Verfassung geändert. Dadurch verlor die MRVP ihren Führungsanspruch, Oppositionsparteien wurden zugelassen, und eine ständige Legislative sowie das Amt des Staatspräsidenten wurde etabliert. Am 29. Juli 1990 fanden die ersten freien Wahlen in einem Mehrparteiensystem statt. Dabei erhielt die MRVP noch 85 % der Stimmen. Erst 1996 verlor die inzwischen nach sozialdemokratischem Muster reformierte Partei das erste Mal ihre Mehrheit.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Trevor N. Dupuy (Hrsg.): Area handbook for Mongolia. 2. Auflage. Foreign Area Studies, the American University, Washington D.C. 1970
  • Robert L. Worden, Andrea Matles Savada (Hrsg.): Mongolia. A Country Study. United States Government Printing Office, Washington D.C. 1991, ISBN 978-0-16-029462-4 (online)
  • David J. Dallin: Soviet Russia and the Far East. Yale University Press, New Haven 1948
  • Georg Cleinow: Neu-Sibirien (Sib-krai). Eine Studie zum Aufmarsch der Sowjetmacht in Asien. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1928
  • Erich Thiel: Die Mongolei. Land, Volk und Wirtschaft der Mongolischen Volksrepublik. (= Veröffentlichungen des Osteuropa-Institutes München. Band 8). Isar Verlag, München 1958
  • Christian Koller: Kollektivierte Nomaden: Die Gründung der Volksrepublik Mongolei vor 85 Jahren, in: Rote Revue – Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur 86/3 (2009). S. 28-36.online

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marie-Carin von Gumppenberg, Udo Steinbach: Zentralasien. Geschichte. Politik. Wirtschaft. C.H. Beck, 2004, S. 204.
  2. Otgontogtool Tserenchimed: Untersuchungen zur Reform der mongolischen Staatsverwaltung. Dissertation, Freie Universität Berlin, 2009, S. 66.
  3. Timothy Snyder: Bloodlands: Europa zwischen Hitler und Stalin. C.H. Beck, 2011. S.101.
  4. Kay Möller: Lehrbuch. Die Außenpolitik der Volksrepublik China 1949 – 2004. Eine Einführung. Springer-Verlag, 2005, S. 159.
  5. Christian Koller: Kollektivierte Nomaden: Die Gründung der Volksrepublik Mongolei vor 85 Jahren, in: Rote Revue – Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur 86/3 (2009). S. 31.
  6. Lothar Schulz: Osteuropa-Recht. Band 7. Deutsche Verlags-Anstalt., 1962, S. 45.
  7. Robert Arthur Rupen: Mongols oft he Twentieth Century. Indiana University, 1964, S. 276.
  8. James Palmer: Der blutige weiße Baron. Die Geschichte eines Adligen, der zum letzten Khan der Mongolei wurde. Eichborn, 2010, S. 26 f.
  9. Achitsaikhan Battushig: Wirtschaftliche Transformation in der Mongolei. Herbert Utz Verlag, 2000, S. 13.
  10. Marion Wisotzki, Ernst von Waldenfels, Erna Käppeli: Mongolei. Unterwegs im Land der Nomaden. Mongolische Volksrepublik. Trescher Verlag, 2014, S. 65.
  11. James Palmer: Der blutige weiße Baron. Die Geschichte eines Adligen, der zum letzten Khan der Mongolei wurde. Eichborn, 2010, S. 26 f.
  12. C.R. Bawden: The Modern History of Mongolia. Routledge 1968, S. 216 f.
  13. Eva-Maria Stolberg: Stalin und die chinesischen Kommunisten. Eine Studie zur Entstehungsgeschichte der sowjetisch-chinesischen Allianz vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Franz Steiner Verlag, 1997, S. 113.
  14. ebenda
  15. Jung Chang, Jon Halliday: Mao. Das Leben eines Mannes. Das Schicksal eines Volkes. Karl Blessing Verlag, 2014, S. 79 f.
  16. Bat-Erdeniin Batbayar: History of Mongolia. Monsudar Pub, 1999, S. 325 f.
  17. Anna-Katharina Plach: Mongolische Familien und die Neufindung ihrer Tradition: ausgewählte Beispiele urbaner Familien. LIT Verlag, 2012. S. 77.
  18. Michael Jerryson: Mongolian Buddhism: The Rise and Fall of the Sangha. Silkworm, 2007, S. 164.
  19. Robert L. Worden, Andrea Matles Savada (Hrsg.): Mongolia. A Country Study. United States Government Printing Office, Washington D.C., 1991, S. 45 f.
  20. Amélie Schenk: Mongolei. Geschichte und Politik. C.H.Beck, 2003, S. 68-69.
  21. Europäische Rundschau: Vierteljahreszeitschrift für Politik, Wirtschaft und Zeitgeschichte, Band 4. Verein Europäische Rundschau, 1976, S. 81.
  22. Achitsaikhan Battushig: Wirtschaftliche Transformation in der Mongolei. Herbert Utz Verlag, 2000, S. 13.
  23. Tsogtbaatar Dashnamjil: Aufarbeitung der politischen Verfolgung in der Mongolei. Referate der wissenschaftlichen Konferenz Konrad-Aenauer-Stiftung e.V., 2017, S. 31 f.
  24. Jennifer L. Hanson: Mongolia. New York, 2004, S. 25–27.
  25. Robert Kindler: Stalins Nomaden. Studien zur Gewaltgeschichte. Hamburger Edition, HIS, 2014, S. 44 f.
  26. Achitsaikhan Battushig: Wirtschaftliche Transformation in der Mongolei. Herbert Utz Verlag, 2000, S. 20.
  27. Nicole Funck, Sarah Fischer: Mongolei. Staat und Gesellschaft. Verlag Peter Rump, 2015, S. 367.
  28. Karénina Kollmar-Paulenz: Die Mongolen: Von Dschingis Khan bis heute. C.H.Beck, 2011, S. 106.
  29. Achitsaikhan Battushig: Wirtschaftliche Transformation in der Mongolei. Herbert Utz Verlag, 2000, S. 20.
  30. Sergej Slutsch, Carola Tischler: Deutschland und die Sowjetunion. Band 1. 1933/1934. Walter de Gruyter, 2014, S. 186.
  31. Achitsaikhan Battushig: Wirtschaftliche Transformation in der Mongolei. Herbert Utz Verlag, 2000, S. 14.
  32. Eva-Maria Stolberg: Stalin und die chinesischen Kommunisten. Eine Studie zur Entstehungsgeschichte der sowjetisch-chinesischen Allianz vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Franz Steiner Verlag, 1997, S. 114.
  33. ebenda
  34. Stefan Creuzberger: Stalin: Machtpolitiker und Ideologe. W. Kohlhammer Verlag, 2009, S. 258 f.
  35. Christian Koller: Kollektivierte Nomaden. Die Gründung der Volksrepublik Mongolei vor 85 Jahren. ETH-Bibliothek Zürich, Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur, Heft 3, Band 87, 2009. S. 31.
  36. Bat-Erdeniin Batbayar: History of Mongolia. Monsudar Pub, 1999, S. 325 f.
  37. Timothy Snyder: Bloodlands: Europa zwischen Hitler und Stalin. C.H.Beck, 2011, S. 52 f.
  38. Gerald Mund: Ostasien im Spiegel der deutschen Diplomatie: die privatdienstliche Korrespondenz des Diplomaten Herbert v. Dirksen von 1933 bis 1938. Franz Steiner Verlag, 2006. S.132.
  39. Stefan Talmon: Kollektive Nichtanerkennung illegaler Staaten. Grundlagen und Rechtsfolgen. Mohr Siebeck, 2006, S. 121.
  40. Christian Koller: Kollektivierte Nomaden: Die Gründung der Volksrepublik Mongolei vor 85 Jahren, in: Rote Revue – Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur 86/3 (2009). S. 28-36.online
  41. Sunjid Dugar: Der Gleichheitsgrundsatz in Bezug auf das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz im deutschen und mongolischen Recht. Herbert Utz Verlag, 2009, S. 49.