Monostichon

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Ein Monostichon (von griech. μόνος, monos „eins“ und στίχος, stichos „Zeile“; deutsch auch Einzeiler) ist ein Gedicht, das aus einer einzigen Zeile besteht.

Ein bekanntes Beispiel aus der deutschsprachigen Literatur ist Goethes Monostichon:

„Blumen reicht die Natur, es windet die Kunst sie zum Kranze“

Goethe: Stammbucheintrag für Heinrich Beck, Weimar, 31. Januar 1791

Das bekannteste Beispiel in der französischen Lyrik ist der Chantre (Sänger) überschriebene Einzeiler von Guillaume Apollinaire:

„Et l’unique cordeau des trompettes marines.“

„Und die einzelne Saite der Marientrompeten.“

– Guillaume Apollinaire Alcools (1913)

Auch in der modernen Lyrik bleibt die Form selten. Beispiele finden sich bei Yvor Winters, A. R. Ammons, W. S. Merwin und Howard Nemerov.

Aufgrund seiner extremen Kürze wird das Monostichon ähnlich wie das Distichon vor allem für Formen verwendet, die aus Verknappung und Verdichtung ihren ästhetischen Reiz ziehen, also literarische Kleinstformen wie Gnome, Epigramm, Sinnspruch, Sprichwort, Sentenz und Ähnliches.

Siehe auch: monostichisch

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Burdorf, Christoph Fasbender, Burkhard Moennighoff (Hrsg.): Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. 3. Auflage. Metzler, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-476-01612-6, S. 512.
  • T. V. F. Brogan, R. B. Shaw, W. Bohn: Monostich. In: Roland Greene, Stephen Cushman et al. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Poetry and Poetics. 4. Auflage. Princeton University Press, Princeton 2012, ISBN 978-0-691-13334-8, S. 899 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).