Mordfall Frauke Liebs

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Der Mordfall Frauke Liebs ist ein ungeklärter Kriminalfall aus dem Raum Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Frauke Liebs (* 21. Februar 1985; † am oder nach dem 27. Juni 2006) wurde Opfer eines Kapitalverbrechens.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frauke Liebs stammt aus Lübbecke. Für eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in einem Paderborner Krankenhaus zog sie nach Paderborn. Sie lebte dort gemeinsam mit ihrem Ex-Freund in einer Wohnung.

Rekonstruktion der Ereignisse in der Nacht des Verschwindens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Dienstag, dem 20. Juni 2006, verschwand Frauke Liebs auf ungeklärte Weise. An diesem Tag traf sie sich am Nachmittag mit ihrer Mutter und ihrem Mitbewohner zum Essen in einem Restaurant. Währenddessen erhielt Liebs eine SMS von einer Freundin. Diese verabredete sich mit ihr in einem Irish Pub in der Paderborner Innenstadt, um dort mit weiteren Freunden ein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zu sehen. Liebs ließ sich nach dem Essen von ihrer Mutter und ihrem Mitbewohner zum Irish Pub fahren, den sie gegen 21 Uhr erreichte.

Während des Spiels Schweden gegen England schrieb Liebs mehrere SMS an einen Bekannten. Als der Akku ihres Mobiltelefons leer war, lieh sie sich einen vollen von ihrer Freundin, gab ihn aber vor Verlassen des Pubs laut Aussage der Freundin wieder zurück.

Gegen 23 Uhr verabschiedete sich Liebs von ihren Freunden und machte sich allein auf den Heimweg. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie diesen zu Fuß angetreten hat, da sie nur noch maximal fünf Euro bei sich gehabt haben soll. Welchen Weg Liebs dabei eingeschlagen hatte, konnte mangels Zeugen nicht geklärt werden. Ihre Wohnung lag vom Pub ungefähr anderthalb Kilometer entfernt. Dort kam sie laut Aussage ihres Mitbewohners jedoch nie an.

SMS und Anrufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 00:49 Uhr erhielt der Mitbewohner eine SMS von Liebs' Handy, die ihre verspätete Rückkehr ankündigte. Die Polizei ermittelte später, dass diese Nachricht aus dem Funkgebiet Nieheim-Entrup im Kreis Höxter abgesetzt worden war. Am nächsten Tag erschien Liebs nicht zur Arbeit. Nachdem sie auch in ihrer Wohnung nicht angetroffen wurde, meldete Liebs' Mutter ihre Tochter noch am selben Tag als vermisst.

In den folgenden Tagen meldete sich Frauke Liebs fünfmal telefonisch von ihrem Handy bei ihrem Mitbewohner. Die meisten der kurzen Anrufe kamen abends und enthielten kaum Erklärungen zu ihrer Situation. Anfangs deutete Liebs ihre baldige Heimkehr an, weitere Nachfragen beantwortete sie vage oder ausweichend und zum Teil auch rätselhaft oder widersinnig. Wie die Ermittlungen später ergaben, befand das Handy sich dabei in verschiedenen Paderborner Gewerbegebieten.

Das letzte Telefonat erfolgte am späten Abend des 27. Juni 2006 im Beisein von Frauke Liebs' Schwester. Bei diesem Gespräch soll Liebs auf die Frage, ob sie gegen ihren Willen festgehalten werde, zunächst mit einem leisen „Ja“ geantwortet haben, diese Aussage jedoch sofort mit zwei lauten „Nein“ revidiert haben. Nach diesem Telefonat brach der Kontakt zu Liebs ab.

Leichenfund und Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Oktober 2006 wurde die Leiche von Frauke Liebs bei Lichtenau an der L817 zwischen Asseln und Herbram-Wald im Kreis Paderborn von einem Jäger aufgefunden. Sie lag stark verwest und skelettiert in einem Waldstück, etwa 20 Meter von der Straße entfernt, in einer hinter einem Baumstamm gelegenen Mulde unter Tannendickicht (Ungefährer Fundort). Kriminaltechnische Untersuchungen legten nahe, dass der Fundort nicht der Tatort war. Es konnten keine Reifenspuren, Fingerabdrücke oder DNA-Spuren gesichert werden.

Liebs’ Leiche wurde mit der Kleidung (Blue Jeans, rotes Oberteil und weiße Turnschuhe) vom Tag ihres Verschwindens entdeckt. Ihr Mobiltelefon und ihre schwarze Handtasche sowie ihre Geldbörse und ihre Armbanduhr wurden nicht gefunden. Aufgrund der vorangeschrittenen Skelettierung des Leichnams konnten weder der genaue Todeszeitpunkt noch die Todesursache abschließend ermittelt werden.

Frauke Liebs wurde am 27. Oktober 2006 auf dem Lübbecker Friedhof beigesetzt.[1] An der Stelle ihres Fundorts wurde eine kleine inoffizielle Gedenkstätte eingerichtet, am Straßenrand erinnert ein Holzkreuz mit ihrem Vornamen an sie.

Fahndung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen einer Sonderkommission wurden über 700 Hinweise überprüft und mehr als 1.000 Personen befragt. Eine operative Fallanalyse durch das Landeskriminalamt NRW kam 2007 zu dem Schluss, dass Liebs vermutlich im Raum Nieheim festgehalten und vom wahrscheinlich ortskundigen Täter nur für die von ihm wohl überwachten Anrufe, die der Ablenkung gedient haben könnten, nach Paderborn gebracht worden war. Ein konkretes Tatmotiv konnte nicht eingegrenzt werden.

Der Fall wurde in zahlreichen Zeitungsartikeln und mehreren Fernsehsendungen thematisiert, darunter Aktenzeichen XY … ungelöst, Ungeklärte Morde – dem Täter auf der Spur, Kriminalreport (WDR) und Zeugen gesucht (SAT1).

Mitte 2016 prüfte die Kriminalpolizei nach Presseberichten eine mögliche Verbindung zum Kriminalfall Höxter, bei dem ein Paar mehrere Frauen in seinem Haus im Ortsteil Bosseborn festgehalten und misshandelt hat. Zwei Opfer kamen dabei zu Tode.[2] Später teilte die Polizei jedoch mit, dass keine möglichen Zusammenhänge gefunden werden konnten.[3]

Die zuständige Kripo Bielefeld hat den Fall beim Landeskriminalamt NRW in eine Datenbank aufnehmen lassen, mit der seit 2018 Cold-Case-Ermittlungen vorgenommen werden.[4]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Uwe Pollmeier: Mörder von Frauke Liebs auf der Spur. In: nw.de. Abgerufen am 20. Januar 2018.
  2. Spur im Mordfall Frauke Liebs führt nach Höxter, Stern, 10. Juni 2016
  3. Was geschah mit Frauke Liebs? t-online.de, 16. Dezember 2018
  4. Kripo meldet 50 ungeklärte Morde in OWL westfalen-blatt.de, 2. Dezember 2019