Museumspark Rüdersdorf

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Blick auf den Museumspark Rüdersdorf

Der Museumspark Rüdersdorf ist ein großes Freilicht-Industriemuseum in Rüdersdorf bei Berlin. Es dokumentiert die Gewinnung und Verarbeitung von Kalkstein aus dem Rüdersdorfer Kalkberg. Nur an wenigen Stellen tritt in der norddeutschen Tiefebene Kalkstein an die Erdoberfläche. Der Rüdersdorfer Kalkberg ist das größte Kalksteinvorkommen in Norddeutschland. Der Rüdersdorfer Kalkstein, als Werkstein und als Branntkalk oder zu Zement verarbeitet, war neben den Ziegeln aus der Mark Brandenburg der wichtigste Baustoff für die Metropole Berlin.

Museumseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Ausstellungshalle informiert umfassend über Kalksteinvorkommen und -nutzung, die Geologie, Mineralogie und Fossilienkunde von Rüdersdorf und die Geschichte des Kalksteinabbaus in Rüdersdorf.

Kalkscheune[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kalkscheune, ein ehemaliges Lager für den gebrannten Kalk mit Grundmauern aus dem Jahre 1665, ist zur Museumsgastronomie umgestaltet worden. Das Dachgeschoss, es beherbergte ehemals die Wohnung des Kalkbrennmeisters, wird über das Rüdersdorfer Standesamt als romantischer Eheschließungsraum genutzt.

Kammer- und Rumfordöfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt am Museumseingang stehen die Kammer- und Rumfordöfen, letztere wurden bis 1874 zur Branntkalkherstellung genutzt. Die Ofenanlage war während der Saison auch der Wohnplatz der dort tätigen, unverheirateten Arbeiter. Die Lebensbedingungen dieser Arbeiter sind hier nachempfindbar. Eine zeitgenössische Wohnanlage gehört zu diesem Komplex.

Kanalbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portal des Bülowkanals

Die Steinbrüche wurden über mehrere Kanalbauten mit dem Wasserstraßennetz Spree-Havel verbunden. Tunnelbauten stellten die Verbindung in die Steinbrüche her. Ein Beispiel ist der erhaltene Tunnel des Bülowkanals, dessen an die Revolutionsarchitektur angelehntes Portal Johann Gottlieb Schlaetzer schuf. Weiterhin existiert noch der Heinitzkanal als Vorgänger des Bülowkanals. Er beherbergt heute die Vereinsräume des Rüdersdorfer Bergbauvereines. Über den Rüdersdorfer Kalkgraben konnte durch den Redentunnel ein dritter Wasserweg in die Steinbrüche eröffnet werden. Dieses Bauwerk ist zurzeit noch mittels eingebrachter Erdmassen gesichert. Die vierte Variante war der Krienkanal, der den Alvenslebenbruch mit dem Mühlenfließ unter Nutzung des Langerhanskanals verband. Im Tagebau führte man systematisch die Kanäle dem fortschreitenden Abbau nach und verkürzte so den Landtransport. Die Wasserwege innerhalb der Brüche verloren ab 1905 ihre Funktion, da der Tagebau seine Erweiterung unter das Niveau der Oberflächengewässer (ca. 33 m ü NN) betrieb. Der Bülowtunnel konnte noch mindestens bis in die 1960er Jahre mit Schiffen befahren werden. Heute steht er, wie die meisten anderen Bauten im Museumspark Rüdersdorf auch, unter Denkmalschutz.

Seilscheibenpfeiler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Restaurierter Seilscheibenpfeiler im Museumspark Rüdersdorf

1872 wurde der Heinitzbruch mit den Gleisen der Ostbahn verbunden. Im Steinbruch wurde ein Schrägaufzug angelegt, über den normalspurige Eisenbahnwagen und spezielle Werkswagen in den Bruch gebracht und beladen wieder hinaufgezogen wurden. Der Antrieb der Seilwinden erfolgte durch eine Dampfmaschine von 130 PS Leistung. Mit der Flutung des Heinitzbruches 1914 endete der Betrieb dieser Anlage. Der Seilscheibenpfeiler dieses Aufzugs ist noch erhalten. Er bietet die Gelegenheit zu einem Rundblick über das Steinbruchgelände.

Neben diesem Bauwerk steht noch das Gerüst einer Folgeanlage, einer umlaufenden Seilbahn, erbaut in den 1950er Jahren.

Schachtofenanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schachtofenbatterie 2
Die Kathedrale des Kalks

Imponierend ist die Schachtofenanlage, die von 1874 bis 1967 für die Branntkalkherstellung genutzt wurde. Die Ofenhalle, auch als Kathedrale des Kalks bezeichnet, ist Ausstellungsobjekt und Veranstaltungsraum. Auch als Filmkulisse ist dieser Museumsteil beliebt.

Ursprünglich bestand die Anlage aus 18 Brennöfen des Rumfordschen Bautyps, von denen sechs in einer Reihe und zwölf in Doppelreihe angeordnet sind. Beschickung der Öfen und Abtransport des Branntkalkes erfolgten über Schienenwege. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wurden mehrere Umbauten vorgenommen, was sich zum Beispiel in den unterschiedlichen Höhen der Schornsteine widerspiegelt. Außerdem trug man die Öfen 5 und 15 vollständig ab und ersetzte sie durch Schachtöfen mit mechanischem Aufzug.

Steigender Baustoffbedarf und der Abriss des „Hoffmannschen Ringofens“ führte 1961 zum Bau des Schachtofens 19, ebenfalls mit mechanischer Beschickung und einem Mischbunker für Kalkstein und Koks ausgestattet.

Kranpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Teil des Museumsgelände ist eine Ausstellung von Kranen und Baumaschinen angesiedelt.

Betreut wird dieser Museumsbereich hauptsächlich vom „Förderverein Museumspark Baustoffindustrie Rüdersdorf e.V.“ sowie dem speziell für dieses museale Thema gegründeten Museums- und Förderverein „AG Kran- und Baumaschinenmuseum e.V.“.

Museumszoo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Museumszoo beherbergt landwirtschaftliche Nutztiere aus der Region, sowie einen kleinen Streichelzoo.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kalkbruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1230 wurden größere Gebiete auf dem Barnim zwischen Rüdersdorf und Strausberg dem Zisterzienserkloster in Zinna übereignet. Die Mönche förderten die Zuwanderung in dieses Gebiet und gründeten neue Ortschaften. In Rüdersdorf befand sich ein Klosterhof, der den Ordensbesitz auf dem Barnim verwaltete.

Zwischen 1220 und 1254 wurde mit dem Abbau von Kalksteinen begonnen. Die Fundamente der Berliner Kirchenbauten St. Petri und St. Nikolai wurden mit Rüdersdorfer Kalksteinen errichtet. Als sicheres Datum für den Beginn des Bergbaus in Rüdersdorf wird das Jahr 1254 genannt. Dies ist das Baujahr des Dominikanerklosters in Strausberg, das teilweise mit Rüdersdorfer Kalkstein errichtet wurde. 1376 wird der Kalkbruch im Landbuch Kaiser Karls IV. erwähnt.

Der Kalkbruch war eine wichtige Einnahmequelle des Klosters Zinna. 1547 wurde das Kloster aufgehoben, und Rüdersdorf fiel an den Markgrafen von Brandenburg.

Die Kalkverarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Frühzeit wurde vor allem Werkstein gebrochen. Erst im 17. Jahrhundert wird mit der Herstellung von Branntkalk neben dem Kalkbruch begonnen. Zahlreiche Kalkbrennöfen entstanden, die allerdings heute nicht mehr sichtbar sind.

Der aufgeschnittene Rumfordofen

1776 entstanden zwei mit Holz befeuerte Kammersatzöfen, die heute besichtigt werden können. 1777 folgte ein mit Steinkohle beheizter Trichterofen, der kontinuierlich betrieben wurde. Dieser Ofen bewährte sich nicht und wurde bald stillgelegt.

1802 entstand ein völlig neuer Ofentyp, der Rumfordofen als temperaturgesteuerter Schachtofen, bei dem Kalk und Kohle getrennt gehalten wurden. Bis 1804 wurden vier Rumfordöfen errichtet und betrieben, 1835 folgte ein fünfter Ofen. Diese Öfen wurden von Frühjahr bis Herbst rund um die Uhr betrieben. Pro Zwölf-Stunden-Schicht lieferte jeder Ofen 9 t Branntkalk.

Die Schachtofenbatterie

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die Expansion Berlins zur Metropole und der Bedarf an Branntkalk stieg rapide an. Ab 1871 begann der Bau einer Schachtofenbatterie mit zunächst fünf Öfen. 1874 folgten fünf weitere Öfen und die Rumfordöfen wurden stillgelegt. 1877 war die Schachtofenanlage mit 18 Öfen komplett.

Die Beschickungsebene der Schachtofenbatterie

Die Feuerungsebene in der Halle ist ein besonders eindrucksvolles Bauwerk im Museumspark. Diese Halle wird als Kathedrale des Kalks bezeichnet. Diese Halle wird als Filmkulisse und Eventraum für Musikveranstaltungen genutzt.

Ab 1905 wurde die Schachtofenbatterie durch einen Ringofen ergänzt, der bis 1959 in Betrieb war. Diese Ofenanlage wurde 1959 stillgelegt und später abgebrochen. Am Ringofen wurde 1936 die Zentralkaue erbaut. Diese wird heute als Ausstellungsraum genutzt.

1959 ergänzte ein neuer vollmechanisierter Schachtofen Nr. 19 die Anlagen. Die Ringofenanlage wurde anschließend stillgelegt. Die alte Schachtofenbatterie und der Ofen 19 waren bis 1967 in Betrieb und ist nun ein Kern des Museumsparks Rüdersdorf. Ein neues Zement- und Kalkwerk bei Herzfelde löste die betagte Anlage ab.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Bachstein, Peter Homann: Kalksteintagebau Rüdersdorf, Sutton Verlag, Erfurt 2003, ISBN 3-89702-530-2
  • Rüdersdorfer Zement GmbH (Hg.): 750 Jahre Kalksteinbergbau in Rüdersdorf, Rüdersdorf 2004
  • Hans-Joachim Streichan: Der Muschelkalk von Rüdersdorf - Geologisches Kleinod und Rohstoffquelle vor den Toren Berlins, in: Fundgrube 23(1987)4, S. 117–122

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Museumspark Rüdersdorf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 28′ 35″ N, 13° 46′ 49″ O