Mykola Lyssenko

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Mykola Lyssenko (1869)
Denkmal für Mykola Lyssenko vor dem Opernhaus in Kiew

Mykola Witalijowytsch Lyssenko (ukrainisch Микола Віталійович Лисенко, wiss. Transliteration Mykóla Vitálijovyč Lýsenko, russisch Николай Витальевич Лысенко Nikolai Witaljewitsch Lysenko; * 10. Märzjul./ 22. März 1842greg. in Grinki bei Krementschuk, Gouvernement Poltawa, Russisches Kaiserreich; † 24. Oktoberjul./ 6. November 1912greg. in Kiew, Russisches Kaiserreich) war ein ukrainischer Komponist, Pianist und Dirigent.[1]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyssenko wuchs in einer Familie auf, die zur ukrainischen Erbaristokratie gehörte. Sein Vater, Witali Romanowitsch Lyssenko, war ein Oberst des russischen kaiserlichen Kürassierregiments. Die Mutter von Mykola Lyssenko unterrichtete ihm französisch und der russische Dichter Afanassi Fet unterrichtete ihn in russisch.[2]

Lyssenko studierte an der Charkower Universität Biologie, gleichzeitig nahm er privaten Musikunterricht. Das Biologiestudium setzte er an der Kiewer Universität fort und beendete es 1865. Ab dieser Zeit begann Mykola ukrainische Volkslieder zu sammeln und zu harmonisieren. Als Stipendiat der russischen Musikgesellschaft studierte er 1867 bis 1869 Musik am Konservatorium Leipzig.

Mitte der 1870er-Jahre kam Lyssenko nach Sankt Petersburg, um bei Nikolai Rimski-Korsakow zu studieren. Seine offen deklarierte Anhänglichkeit zur ukrainischen Kultur brachte ihm oft Schikanen. Er unterstützte die Russische Revolution von 1905 und kam 1907 ins Gefängnis. 1904 gründete Lyssenko in Kiew seine eigene Schule (seit 1913 – Lyssenko-Schule).[2] 1908 wurde er zum Vorsitzenden des Ukrainischen Klubs in Kiew gewählt. Er starb 1912 in Kiew und wurde dort auf dem Baikowe-Friedhof beerdigt.[3]

Die Oper Taras Bulba nach Nikolai Gogol mit ukrainischem Libretto von Mychajlo Staryzkyj gefiel Peter Tschaikowski, weshalb er sie in Moskau aufführen wollte. Lyssenko stellte jedoch die Bedingung, dass die Aufführung in ukrainischer Sprache erfolgen solle.

Seine Oper Natalka-Poltavka entstand als Vertonung der Erzählung von Iwan Kotljarewskyj[4]. Insgesamt komponierte Lyssenko neun Opern und drei Kinderopern (alle drei Libretti von Dniprowa Tschajka) und viele Lieder zu den Texten von Heinrich Heine in ukrainischen Übersetzungen sowie ukrainischer Dichter. Die Vertonung von Gedichten Taras Schewtschenkos nahm einen besonderen Platz in seinen Werken ein. Insbesondere Schewtschenkos Gedichtsammlung Kobsar faszinierte ihn, sodass er zu insgesamt 82 Texten von Schewtschenko die Musik komponierte.[1][5]

Lyssenko beschäftigte sich wissenschaftlich mit der Volksmusik von ukrainischen Wandermusikanten, wie Ostap Weressai, Pawlo Bratytsia und Opanas Slastion, sowie mit ukrainischen Musikinstrumenten.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyssenko war der Vetter und Schwager des Kulturaktivisten und Schriftstellers Mychajlo Staryzkyj. Seine beiden Nichten und eine Großnichte wurden als Vertreterinnen der „hingerichteten Wiedergeburt“ (ukr. Розстріляне відродження) Opfer des stalinistischen Terrors:

  • Ljudmyla Staryzka-Tschernjachiwska (1868–1941) Schriftstellerin, Tod während der Deportation
  • Oksana Steschenko (Окса́на Миха́йлівна Стеше́нко, 1875–1942) Schriftstellerin, Tod im Gulag.
  • Weronika Tschernjachiwska (Вероні́ка Олекса́ндрівна Черняхі́вська, 1900–1938) Dichterin, hingerichtet.
  • Sein Sohn Ostap (1885–1968) war ein Musikwissenschaftler. Schrieb u. a. "Erinnerungen an M. Lyssenko".[6]
  • Dessen Tochter Ariadna ("1921) Pianistin[7]

Weitere Linie:

  • Tochter Marjana (1887–1946) Pianistin[8]
  • Deren Sohn Witali (1941–1999?)[9] und
  • Enkel Mykola (* 1971) sind Dirigenten[10].

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Taras Filenko, Tamara Bulat: The World of Mykola Lysenko: Ethnic Identity, Music, and Politics in Nineteenth-Century Ukraine. Ukraine Millennium Foundation (Canada), 2001, ISBN 966-530-045-8.
  • Lubomyra Jarosewytsch: Lyssenko
  • Lysenko, O. M.V. Lysenko: Spohady syna (Kyiv 1959, 1966)
  • Rudnyts’kyi, A. Ukraïns’ka muzyka (Munich 1963)
  • Zahaikevych, M. (ed). Mykola Lysenko: Borets’ za narodnist’ i realizm u mystetstvi (Kyiv 1965)
  • Lysenko, O. (ed). M.V. Lysenko u spohadakh suchasnykiv (Kyiv 1968)
  • Vasylenko, Z. Fol’klorystychna diial’nist’ M.V. Lysenka (Kyiv 1972)
  • Bulat, T. M. Lysenko (Kyiv 1973)
  • Arkhimovych, L.; Hordiichuk, M. Mykola Vitaliiovych Lysenko: Zhyttia i tvorchist’, 3rd rev ed (Kyiv 1992)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mykola Lyssenko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Artikel zu Mykola Lyssenko in der Encyclopedia of Ukraine (englisch)
  2. a b Nikolay Lysenko, ukrainischer Komponist: Biographie, Kreativität.
  3. Kyiv: Enzyklopädische Referenz / Herausgegeben von A. B. Kudrytskoho. - K : Home Edition der ukrainischen Sowjetenzyklopädie, 1981.
  4. Philipp Hofeneder: Das ukrainische Volkstheater. Zwischen sprachlicher Stilisierung und Volksbildung. In: Zeitschrift für Slavische Philologie, Bd. 68, Nr. 2, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2011, S. 271–303, abgerufen am 13. Februar 2019.
  5. ЛИ́СЕНКО Микола Віталійович. Eintrag zu Mykola Witalijowytsch Lyssenko in der Enzyklopädie der modernen Ukraine. Auf ESU.com.ua (ukrainisch), abgerufen am 13. Februar 2019.
  6. http://esu.com.ua/search_articles.php?id=54892
  7. http://esu.com.ua/search_articles.php?id=54827
  8. http://esu.com.ua/search_articles.php?id=54863
  9. http://esu.com.ua/search_articles.php?id=54837
  10. http://esu.com.ua/search_articles.php?id=54865