Namibisches Wildpferd

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Namibisches Wildpferd
Namibwildpferde.jpg
Wichtige Daten
Ursprung: Europa/Namibia
Hauptzuchtgebiet: Namibia
Verbreitung: südliche Namib um Garub (Aus)
Stockmaß:
Farben: vorwiegend braun
Haupteinsatzgebiet:
Wüstenpferde am Bahnhof Garub in der Nähe von Aus
Wilde Pferde der Namib an der Tränke von Garub. Im Hintergrund der Unterstand für Besucher.

Die Namibischen Wildpferde (kurz auch Namib-Pferde) bzw. einfach Wüstenpferd oder selten auch Namibs[1] leben am Rande der Namib im Südwesten von Namibia und können bei Garub etwa 20 km westlich des Ortes Aus beobachtet werden.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Herkunft der wilden Pferde wurde jahrzehntelang gerätselt. Einige verwiesen auf Pferde der deutschen Schutztruppe in der damaligen Deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, die während des Ersten Weltkrieges um 1915 beim Rückzug vor den südafrikanischen Streitkräften verloren gingen; andere hielten sie für Nachkommen freigelassener Tiere aus der Pferdezucht Duwisib des ehemaligen Schutztruppenoffiziers Hansheinrich von Wolf (etwa 250 km nordöstlich), welche sich in den Wirren des Ersten Weltkrieges mit entlaufenen südafrikanischen Truppenpferden verpaarten.[2]

Eine andere zum Teil noch immer vertretene Ansicht über ihre Herkunft ist, dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts von einem deutschen Baron Pferde ins heutige Namibia gebracht werden sollten und von dessen etwa 25 km südlich der Oranjemündung gestrandetem Schiff entliefen.[3] Trakehner, Warmblüter mit Anfang des 20. Jahrhunderts besonders hohem Vollblutanteil, wurden auch als Militär- und Kutschpferde gezüchtet.

Nach Forschungen von Mannfred Goldbeck und Walter Rusch, die Berichte und Fotos fanden, ist anzunehmen, dass es sich um Auskreuzungen zweier Gestüte handelt. Demnach züchtete auch Emil Kreplin in Kubub 30 km südlich von Aus Arbeits- oder Rennpferde, die, mehr noch wie diejenigen der Zucht in Duwisib, Ähnlichkeiten mit den verwilderten Pferden haben. Weiterhin hatte im Ersten Weltkrieg ein deutscher Pilot über dem Lager der südafrikanischen Armee bei Garub eine Bombe abgeworfen, wodurch etwa 1700 Pferde entlaufen konnten. So ist anzunehmen, dass während der Kriegswirren in der Umgebung von Aus deutsche und südafrikanische Pferde verloren gingen und sich mischten.[3]

Sicher ist jedoch: Ursprünglich hat es keine Pferde im südlichen Afrika gegeben; sie sind von den Europäern mit der Besiedlung importiert worden. Daher handelt es sich bei den wilden Pferden der Namib nicht um echte Wildpferde, sondern um verwilderte Pferde.

Bei Garub gab es ein Bohrloch, um die Dampflokomotiven der naheliegenden Bahnstrecke Lüderitz–Seeheim mit Wasser zu versorgen. Dabei fiel stets Wasser ab, so dass die Pferde genug zu trinken hatten. Schon in den 1920er Jahren wurde von den herrenlosen Tieren bei Garub berichtet. Studien der südafrikanischen Biologin Telané Greyling zufolge haben sich die Pferde in ihrem Verhalten an die trockenen und heißen Bedingungen des Gebietes am Ostrand der Namib angepasst. So zögern sie etwa den kräftezehrenden Gang zwischen Tränke und Weide so weit wie möglich hinaus.

Die Population konnte sich deshalb entwickeln, weil 1908 bei Kolmannskuppe Diamanten gefunden wurden und die deutsche Kolonialverwaltung zwei riesige Sperrgebiete einrichtete. Da niemand einen Zugang zum Sperrgebiet hatte, blieben die Tiere fast 80 Jahre lang ungestört. Über Jahrzehnte wurden sie lediglich von das Gebiet überfliegenden südafrikanischen Flugzeugen aus gesichtet. Im Jahre 1986 übergab die Minengesellschaft das Gebiet an den Naturschutz.[4]

Von der Nationalstraße B4 von Aus nach Lüderitz zweigt etwa 20 Kilometer westlich von Aus eine Schotterstraße ab. Sie führt zur 2 Kilometer nördlich gelegenen Tränke bei Garub, zu der die Pferde regelmäßig zum Trinken kommen. Von einem hölzernen Unterstand aus kann man häufig die Tiere beobachten. Im Aus Info Centre – an der Ortseinfahrt von Aus, im Juli 2006 eröffnet – informieren Schautafeln über Herkunft, Anpassung, Sozialstruktur und Zukunft der wilden Pferde.

Bestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Population war 2013 286 Tiere stark. Sie nahm bis August 2017 auf 115 Tiere (41 Stuten, 74 Hengste) ab, was vor allem der Dürre und der Zunahme an Hyänen zwischen 2012 und Ende 2017 geschuldet war. Im Januar 2018 gab es noch 84 Pferde. Der Bestand im September 2018 wurde mit 79 ausgewachsenen Tieren und einem Fohlen angegeben. Es soll weitere trächtige Stuten geben. Seit 2012 hat kein einziges Fohlen überlebt.[5]

Im März 2017 wurde das Aussterben der Tiere bis August des Jahres vorausgesagt. Das Umweltministerium und die Namibia Wild Horses Foundation der Gondwana Collection haben sich auf eine Umsiedlung der Tiere verständigt,[6] die bis September 2018 noch nicht begonnen hatte.

Literatur und Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mannfred Goldbeck and Telané Greyling: Wilde Pferde in der Namibwüste – Eine Pferde-Biografie. Friends of the Wild Horses, Namibia 2011, ISBN 978-99945-72-53-3 (Details zum Buch).
  • Sandra Uttridge und Gary Cowan: Die wilden Pferde von Namibia. Clifton Publications, Kapstadt 2006, ISBN 0620352167.
  • Dokumentation: Afrikas wilder Westen. ORF/ARTE, Frankreich 2014 ([1])

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wüstenpferde – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 100 Jahre Wilde Pferde. Namibia tourismus, Beilage der Allgemeinen Zeitung, Republikein und Namibian Sun, November 2015, S. 6.
  2. Ein Märchen ohne Happy End - Schloss Duwisib bei Maltahöhe. 4. März 2010, abgerufen am 12. September 2014.
  3. a b Die Wildpferde von Garub. Abgerufen am 5. Mai 2018.
  4. Namibia: Die tanzenden Pferde von Garub. In: Focus Online. 14. Oktober 2018, archiviert vom Original am 14. August 2012; abgerufen am 25. September 2008.
  5. Daumen halten für ein Fohlen der wilden Pferde. Namibia Wild Horses Foundation, 14. September 2018.
  6. 23. März 2017 - Nachrichten am Morgen. Hitradio Namibia, 23. März 2017.