Nasiräer

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Ein Nasiräer (vom hebräischen Nasir (נָזִיר), das etwa mit "Asket" zu übersetzen ist) ist im Judentum ein Mensch, der Gott gegenüber freiwillig einen besonderen Eid leistet. Bestandteile des Eides sind:

  1. auf alkoholische Getränke wie Wein und Bier völlig zu verzichten, ebenso auf Weintrauben, Rosinen und Essig,
  2. sich keiner Leiche und keinem Grab zu nähern, selbst wenn es sich um einen nahen Verwandten handeln sollte,
  3. sich nicht die Haare und den Bart zu schneiden.

Diese Bestimmungen finden sich im 4. Buch Mose im sechsten Kapitel. Haare und Bart des Nasiräers werden vor Beginn der festgesetzten Zeit abrasiert.

Im antiken Judentum brachte der Nasiräer nach Ablauf dieser Zeit zum Abschluss ein Tieropfer im Tempel dar, und Haare und Bart wurden noch einmal abgeschnitten. Wenn der Nasiräer doch in die Nähe einer Leiche kam, etwa wenn in seinem Beisein ein Mensch plötzlich verstarb, war die bisherige Eideszeit ungültig und die Zählung der Tage begann von neuem.

Gewöhnlich wurde der Eid auf Zeit geleistet, üblich waren der jüdischen Überlieferung nach zwischen 30 und 100 Tage. Es gab aber auch Nasiräer auf Lebenszeit, die bereits von ihren Eltern für diesen Lebensweg erwählt wurden. Die bekanntesten unter den letzteren waren der Richter Simson, der Prophet Samuel und Johannes der Täufer. Von dem christlichen Apostel Paulus ist bekannt, dass er diesen Eid zumindest einmal auf Zeit ablegte, und dass auch andere Judenchristen in der Jerusalemer Urgemeinde diesen Eid noch leisteten.

Im heutigen Judentum, nachdem es durch die Zerstörung des Tempels unmöglich wurde, den Eid mit dem vorgeschriebenen Opfer abzuschließen, ist dieser Brauch weniger üblich. Ein prominentes Beispiel für einen Nasirärer der Moderne ist der litauisch-israelische Rabbiner David Cohen (1887–1972), ehrenvoll Rav haNasir genannt.

Außerdem gibt es heutzutage manche Rastafari, die ebenfalls das Gelübde eines Nasiräers abgelegt haben, was die charakteristischen Dreadlocks (Haare; "Filzlocken") und die langen Bärte zur Folge hat. Rastafari ist eine heute weltweit verbreitete Bewegung, die ursprünglich aus dem Christentum entsprungen ist und daher viele alttestamentliche Bezüge aufweist.

Die Ansichten über die Bedeutung des Eides (jenseits des religiösen Gehorsams) gehen in der Forschung auseinander; manche sehen darin eine Art Therapie gegen Alkoholkrankheit und Depression, andere eine Art zweite, freiwillige Priesterschaft, wieder andere eine Art von Magie, die mit übermenschlichen Kräften assoziiert war.

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