Nationaler Pandemieplan

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Der Nationale Pandemieplan für Deutschland wurde 2005 im Rahmen des globalen Aufrufs der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Pandemie-Vorsorge im Jahr 2004 (Pandemic Preparedness Project) erstellt und im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Er ist damit Teil der Nationalen Katastrophenvorsorgeplanung. Für den Fall einer Influenza-Pandemie, bei der zahlreiche Menschen stationär in Krankenhäusern behandelt werden müssen, sollen Bund und Länder im Pandemieplan ihre Zusammenarbeit regeln.

Pandemiepläne der Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gesundheitssystem der Bundesrepublik ist jedoch überwiegend Ländersache, so dass die Bundesländer eigene Pandemiepläne erstellt haben.[1] Die Ausführung erfolgt durch die Gesundheitsämter auf Stadt- und Landkreisebene. Dagegen sind Katastrophenpläne ein Aufgabengebiet der Innenministerien.

Pandemiepläne auf kommunaler Ebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunale Pandemiepläne legen meistens eine Influenzapandemie zu Grunde, können aber grundsätzlich auch als Vorbereitung für andere Pandemien dienen. Zur kommunalen Pandemievorsorge gehören:

  • die Aufklärung über Seuchen und allgemeine Hygienemaßnahmen zu intensivieren,
  • die Impfquote deutlich zu erhöhen (eine hohe Impfquote hilft der pharmazeutischen Industrie Kapazitäten aufrechtzuerhalten, die im Ernstfall ein höheres Impfstoffaufkommen produzieren können),
  • mit einer engagierten Beteiligung am Meldesystem frühzeitig Auffälligkeiten zu erkennen und zu ihrer Erforschung beizutragen,
  • in der Krise durch verschiedene Maßnahmen daran mitzuwirken, Infektionsketten zu unterbrechen, zum Beispiel durch
    • Schließung vom Gemeinschaftseinrichtungen
    • Verbot von Menschenansammlungen
    • Quarantäne
    • Durchsetzung von Impfpflichten
    • Desinfektionen
    • gesicherte Wasserver- und Abwasserentsorgung[2]

Beispiele für Kommunale Pandemiepläne sind: der Pandemieplan der Stadt Frankfurt am Main[3] und der Influenzapandemieplan der Landeshauptstadt Schwerin.

Je schneller Infektionsketten durch die Maßnahmen der Pandemiepläne unterbrochen werden, umso geringer kann die Wahrscheinlichkeit sein, dass noch gefährlichere Mutationen der Erreger entstehen.[4]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker der gegenwärtigen Umsetzung, u. a. Gerry Kley, ein Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz, fordert mehr Engagement von Bund und Ländern, die Einrichtung eines Expertengremiums auf Bundesebene und die Aufnahme einer Ressourcenübersicht von Beatmungsgeräten und Antibiotika in das Informationssystem DeNIS des Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Ferner wird in der rechtswissenschaftlichen Diskussion bereits die Verbindlichkeit des Nationalen Pandemieplans kritisch hinterfragt und vor diesem Hintergrund auch die Verschiedenheit des Nationalen Pandemieplans von den Landespandemieplänen, die sich untereinander wiederum unterscheiden, gerügt.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harro Albrecht: Im Notfall ohne Plan. In: Die Zeit, Nr. 7/2006, S. 31–32.
  • R. Fock, H. Bergmann u. a. (Mitarb. von Robert Koch-Institut,Berlin; versch. Institute des Sanitätsdienstes der Bundeswehr; Ministerium für Arbeit,Soziales und Gesundheit,Mainz; div. Gesundheitsamtern; Hessisches Sozialministerium, Wiesbaden): Management und Kontrolle einer Influenzapandemie. Konzeptionelle Überlegungen für einen deutschen Influenzapandemieplan. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz. 2001, 44, S. 969–980 (Springer-Verlag, Berlin)
  • Tobias Witte: Recht und Gerechtigkeit im Pandemiefall – Bevorratung, Verteilung und Kosten knapper Arzneimittel im Falle eines Seuchenausbruchs. Nomos 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beispiel hierfür ist der hessische Pandemieplan 2007 (PDF)
  2. Influenzapandemieplan der Landeshauptstadt Schwerin, September 2009, Vorwort
  3. Pandemieplan der Stadt Frankfurt am Main.
  4. R. Bull, J. Eden, W. Rawlinson, P. White: Rapid Evolution of Pandemic Novoviruses of the GII4 Lineage. Plos Pathogens, 6 (3), 2010, doi:10.1371/journal.ppat.1000831
  5. Tobias Witte: Recht und Gerechtigkeit im Pandemiefall – Bevorratung, Verteilung und Kosten knapper Arzneimittel im Falle eines Seuchenausbruchs. Nomos 2013, S. 138 ff.