Natriumdisulfit

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Strukturformel
Strukturformel von Natriumdisulfit
Allgemeines
Name Natriumdisulfit
Andere Namen
  • Natriummetabisulfit
  • Natriumpyrosulfit
  • E 223
Summenformel Na2S2O5
Kurzbeschreibung

weißer bis gelblicher kristalliner Feststoff mit stechendem Geruch[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 7681-57-4
EG-Nummer 231-673-0
ECHA-InfoCard 100.028.794
PubChem 656671
Wikidata Q284549
Eigenschaften
Molare Masse 190,11 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

2,36 g·cm−3 bei 20 °C[1]

Schmelzpunkt

Zersetzung ab 150 °C[1]

Löslichkeit

leicht in Wasser (ca. 650 g·l−1 bei 20 °C)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[2] ggf. erweitert[1]
05 – Ätzend 07 – Achtung

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302​‐​318
EUH: 031
P: 280​‐​305+351+338​‐​313 [1]
MAK

Schweiz: 5 mg·m−3 (gemessen als einatembarer Staub)[3]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Natriumdisulfit, (Na2S2O5) auch Natriumpyrosulfit oder Natriummetabisulfit genannt, ist ein Natriumsalz der in freier Form nicht stabilen Dischwefligen Säure.

Natriumdisulfit kann namentlich leicht mit Natriumbisulfit verwechselt werden, einem älteren aber noch gebräuchlichen Namen für Natriumhydrogensulfit.

Synthese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herstellung erfolgt durch thermische Dimerisierung (Kondensation) von Natriumhydrogensulfit unter Abspaltung von Wasser (1), oder durch Umsetzung von Schwefeldioxid und Natriumsulfit in Natronlauge (2):

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Disulfite verfügen über eine recht lange, daher wenig stabile Schwefel-Schwefel-Bindung. In Wasser erfolgt daher leicht die Hydrolyse zu Natriumhydrogensulfit:

Beim Erhitzen des Salzes erfolgt eine thermische Zersetzung unter Abspaltung von Schwefeldioxid (SO2):

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Natriumdisulfit

In der Bundesrepublik Deutschland wird Natriumdisulfit als Lebensmittelzusatzstoff (E 223) vor allem als Konservierungsmittel und Antioxidationsmittel verwendet. Es wird in Trockenfrüchten, bei Meerrettichmasse, Frucht- und Gemüsezubereitungen, Kartoffelgerichten, Fertiggerichten, Fruchtsäften und Marmeladen eingesetzt. Es wird auch in Kombination mit Sorbinsäure und Benzoesäure verwendet. Es kann zur Diagnostik beim Sichelzelltest eingesetzt werden, um dem Hämoglobin bei der Sichelzellanämie den Sauerstoff zu entziehen und eine Sichelbildung zu beschleunigen.

Natriumdisulfit wird auch als Reduktionsmittel bei der Chemiefaserherstellung, zum Entgiften chromhaltiger Abwässer der Galvanobetriebe sowie in der Fotoindustrie und Bauchemie eingesetzt.[4]

Gesundheitshinweise / Risikobewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Natriumdisulfit wird bei den meisten Menschen in den in Lebensmitteln vorhandenen Konzentrationen schnell durch ein körpereigenes Enzym abgebaut, würde aber sonst zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen führen.[5] Bei Asthmatikern kann es Sulfitasthma auslösen; außerdem sind allergische und allergieähnliche Reaktionen möglich, wenn auch selten.[5] In Lebensmitteln zerstört Natriumdisulfit Vitamin B1 (Thiamin).[6][7]

Natriumdisulfit wurde 2014 von der EU gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) im Rahmen der Stoffbewertung in den fortlaufenden Aktionsplan der Gemeinschaft (CoRAP) aufgenommen. Hierbei werden die Auswirkungen des Stoffs auf die menschliche Gesundheit bzw. die Umwelt neu bewertet und ggf. Folgemaßnahmen eingeleitet. Ursächlich für die Aufnahme von Natriumdisulfit waren die Besorgnisse bezüglich Umweltexposition, Exposition empfindlicher Bevölkerungsgruppen, hoher (aggregierter) Tonnage und weit verbreiteter Verwendung sowie der Gefahren ausgehend von einer möglichen Zuordnung zur Gruppe der CMR-Substanzen. Die Neubewertung fand ab 2014 statt und wurde von Ungarn durchgeführt. Anschließend wurde ein Abschlussbericht veröffentlicht.[8][9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Eintrag zu Natriumdisulfit in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 22. Februar 2017 (JavaScript erforderlich).
  2. Eintrag zu Disodium disulphite im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  3. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA): Grenzwerte – Aktuelle MAK- und BAT-Werte für Natriumdisulfit, abgerufen am 2. November 2015.
  4. Grillo-Werke AG | NATRIUMPYROSULFIT. (grillo.de [abgerufen am 8. November 2018]).
  5. a b Natriumdisulfit (zusatzstoffe-online.de)
  6. E 223 – Natriummetabisulfit; Natriumdisulfit (das-ist-drin.de)
  7. Eintrag zu Schwefeldioxid. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 8. Februar 2016.
  8. Europäische Chemikalienagentur (ECHA): Substance Evaluation Conclusion and Evaluation Report.
  9. Community rolling action plan (CoRAP) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA): Disodium disulphite, abgerufen am 26. März 2019.