Naturhorn

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Naturhorn
Naturhorn aus einem Rinderhorn mit Holzmundstück

Naturhorn ist eine allgemeine Bezeichnung für waldhornförmige Blechblasinstrumente oder ähnliche Blasinstrumente, die nach dem Prinzip der Polsterpfeife angeblasen werden und weder Grifflöcher noch Klappen, Ventile oder einen Teleskopzug wie die Posaune haben. Auf einem Naturhorn können ausschließlich Naturtöne geblasen werden (zu Ausnahmen dazu siehe unten bei: Spielweise).

Bauform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörner werden traditionell aus unterschiedlichen Materialien gefertigt. Ursprünglich ist die Hornsubstanz oder Holzröhren, auch typische Blechblasinstrumente aus Messing oder andere Kupferlegierungen sind zu finden. Hornsubstanz kann durch Erwärmen etwas biegsam gemacht werden, dadurch kann in gewissen Grenzen auch ihre Form verändert werden.

Hölzerne Naturtrompeten werden mit verschiedenen Techniken ausgehöhlt. Die äußere Grundform bleibt in der Regel erhalten.

Das Horn als typisch kreisrund gewundenes Blechblasinstrument entstand aus dem Bedürfnis, die benötigte Rohrlänge praxisgerechter und transportierfähig zu gestalten. Das ist sehr gut bei den aus Metall gefertigten Instrumenten zu sehen.

Spielweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kadenzschluss aus dem „Concertino“ für (Natur)-Horn und Orchester von Carl Maria von Weber

Die Naturtöne werden durch den Ansatz mit den Lippen erzeugt (siehe Blechblasinstrument). Um auch die dazwischen liegende Töne spielen zu können, wird die Hand mehr oder weniger weit in den Schalltrichter eingeführt, siehe Stopfen. Dadurch entsteht eine recht unterschiedliche Klangfarbe, die mit dem moderneren Ventilhorn vermieden wird.

Eine Besonderheit bei Blasinstrumenten allgemein ist die gleichzeitige Erzeugung von zwei oder mehr Tönen. Dabei wird ein Ton normal mit den Lippen erzeugt, der zweite Ton wird gleichzeitig dazugesungen. Abhängig von deren Intervallabstand erklingen zwei bis vier Töne. Dabei treten Phänomene der akustischen Täuschung wie Kombinationston oder Residualton auf. Praktisch angewendet wird es in einer Kadenz zu einem Hornkonzert von Carl Maria von Weber oder bei dem Posaunenspiel von dem Jazzposaunisten Konrad Bauer.

Heutige Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genau wie die Naturtrompete auch, wurde ebenso das Naturhorn ab der Mitte des 19. Jahrhunderts von der weiterentwickelten Ventilversion abgelöst. Das Ventilhorn birgt nicht nur den Vorteil das der Tonvorat "lückenlos" ist und so ohne weiteres chromatisch gespielt werden kann, sondern auch das der (früher stets erforderliche) Wechsel zwischen den verschiedenen Stimmungen wegfällt.

Dennoch kam im Zuge der historischen Aufführungspraxis in den letzten Dekaden langsam wieder die Verwendung des Naturinstrumentes auf, da, wenn auch sie recht subtil seien mögen, leichte Klangunterschiede zwischen dem Natur- und Ventilinstrument bestehen.

Auch Maurice Ravel wusste den Klang des Naturhorns zu schätzen und schrieb z.B. seine Orchesterfassung des Stücks Pavane pour une infante défunte für zwei Naturhörner in G.[1]

Das heutzutage mit Abstand am üblichste Waldhorn, ist das Horn in F.

Verwandte Instrumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abhängig vom Anwendungssinn werden die Instrumente einzeln (solistisch), unisono oder mehrstimmig in Gruppen geblasen. Auch unterschiedliche Anwendungen ein und desselben Instrumentes sind möglich.

Typische Naturhörner sind:

Das Didgeridoo wird üblicherweise nur mit den tiefsten Naturtönen unter Anwendung einer speziellen Blastechnik gespielt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Barenreiter Notenhandel. Abgerufen am 16. April 2017.