Pavane pour une infante défunte

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Maurice Ravel, 1907

Pavane pour une infante défunte (Pavane für eine tote Prinzessin) ist ein gut sechsminütiges impressionistisches Klavierstück des französischen Komponisten Maurice Ravel. Die Komposition entstand 1899 während seines Studiums unter Gabriel Fauré am Conservatoire de Paris und ist damit eines seiner Frühwerke. Gewidmet ist das Stück seiner Mäzenin Winnaretta Singer, der „Prinzessin von Polignac“, die einen mondänen Pariser Salon führte, in dem Ravel während seiner Studienzeit häufig einkehrte. 1910, über ein Jahrzehnt später, veröffentlichte Ravel eine weitere Fassung des Stückes für Orchester.

Hintergrund und Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diego Velázquez, Las Meninas (Ausschnitt), 1656–57

Ravel selbst beschrieb das Stück als „eine Erinnerung an eine Pavane, die eine kleine Prinzessin in alter Zeit am spanischen Hof getanzt haben könnte“; sie sei „keine Trauerklage für ein totes Kind, sondern eine Vorstellung von einer Pavane, wie sie vielleicht von so einer kleinen Prinzessin in einem Gemälde von Velázquez getanzt wurde“. Später erklärte er jedoch, den Titel letztlich allein wegen der Assonanz gewählt zu haben.[1] In jedem Falle evoziert der Titel, wie einige andere Kompositionen Ravels, den spanischen Hof des 16. Jahrhunderts und ist im Zusammenhang mit der Spanien-Nostalgie des 19. Jahrhunderts zu sehen.[2]

Erstmals öffentlich aufgeführt wurde das Stück am 5. April 1902 von Ravels engem Freund Ricardo Viñes.[2] Das bis dahin recht unbeachtete Stück wurde von der zeitgenössischen Kritik sehr positiv aufgenommen und dadurch ausgesprochen populär; hatte seine Musik zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung des Stückes noch als zu „anarchistisch“ gegolten, begründete es nun seinen internationalen Erfolg als Komponist.[3] Ravel selbst schätzte es im Vergleich zu seinen anderen Stücken aufgrund des allzu großen Anklangs an die Musik Emmanuel Chabriers nach eigener Aussage eher weniger.

Aufbau und Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelbild der Erstausgabe von Pavane pour une infante défunte

Das Stück beginnt in G-Dur und folgt dem Rondo-Schema A (Takte 1–12), B (Takte 13–27), A (Takte 28–39), C (Takte 40–59), A (Takte 60–72). Das Anfangsthema lautet:

\relative g' { \key g \major \tempo "Assez doux, mais d’une sonorité large"
<< { g2\(( g8) a8 fis8 e8 d4 e8 fis8 fis8 e8 e4\) } \\ { b8\p d8 b8 d8 b8 e8 b8 e8 fis,8 b8 fis8 b8 g8 b8 g8 b8}  >>
}

Der Komponist intendierte eine ausgesprochen langsame Umsetzung des Stücks,[4] die die Würde und Bedächtigkeit der Komposition unterstreichen sollte und die er so auch, zum Missfallen von Kritikern wie Émile Vuillermoz, in seinen eigenen Aufführungen umsetzte.[5] Die vordergründig eingängige Melodie des Werkes steht im Kontrast zu der neuartigen und handwerklich vollendeten Harmonik, deren Akkordpalette vom Drei- bis zum Siebenklang reicht. Die Komposition steht daher exemplarisch für das, was Stuckenschmidt als die „gelehrte Naivität“, als die „differenzierte und raffinierte Kinderstube“ Ravels bezeichnet hatte.[6]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich des Jazz wurde Pavane pour une infante défunte von Musikern wie Hubert Laws/Buddy Collette, Larry Coryell/Ralph Towner, Willem Breuker, Regina Carter und den L. A. Four interpretiert.[7]

In Wes Andersons Kurzfilm Hotel Chevalier spielt der französische Pianist Pascal Rogé (* 1951) die Pavane.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Simpson: Pavane pour une infante défunte. Study Score. Kalmus, Boca Raton, 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Noel Goodwin: Programmnotizen zu einer Aufführung des Stücks durch das London Symphony Orchestra, 2010, S. 8.
  2. a b Gerald Larner: Maurice Ravel. Phaidon, London, 1996, S. 59f.
  3. M. D. Calvocoressi: Maurice Ravel. In: The Musical Times 54/850, 1. Dezember 1913, S. 785–787.
  4. Benjamin Ivry: Maurice Ravel – A Life. Welcome Rain, New York, 2000, S. 23.
  5. Arbie Orenstein: A Ravel Reader. Dover, Mineola, 2003, S. 312.
  6. Hans Heinz Stuckenschmidt: Maurice Ravel. Variationen über Person und Werk. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1984.
  7. Tom Lord: The Jazz Discography (online, abgerufen 3. Januar 2014)