Neo-Konventionalismus

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Der Neo-Konventionalismus (altgriechisch neo: „neu“, „frisch“, „jung“, aber auch „revolutionär“ und lateinisch convetio: „übereinkommen“) beschreibt innerhalb der Soziologie und Sozialpsychologie das neuzeitliche Phänomen des Nichtabgrenzens einer Jugendkohorte von ihren Elterngenerationen.[1] Der Begriff wurde von Marc Calmbach und Kollegen stark geprägt.[2]

Schubart et al. sehen den Neo-Konventionalismus auch als eine Art Wertepragmatismus.[3] Zwar sind Traditionen und politisches wie ökologisches Engagement bedeutender geworden, jedoch wollen die Jugendlichen nicht mehr zwischen Idealismus und Materialismus unterscheiden.

Generation Z und Neo-Konventionalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Neo-Konventionalismus ist ein prägendes Element der Generation Z. Sie grenzen sich immer weniger gegenüber ihren Eltern bzw. Erwachsenen ab. Von ihnen wird keine Gegenkultur oder Gegenbewegung angestrebt.[4] Ganz im Gegenteil, die Wertestruktur ähnelt sehr stark der Elterngeneration. In Koexistenz von verschiedenen Interessen und Lebensstilen in unserer Gesellschaft orientieren sich Jugendliche der Generation Z an dem Lebensstil der Eltern. Abgrenzungstendenzen zum Mainstream sind gering.[5] Es geht den Jugendlichen somit nicht darum, der Mainstream-Kultur der Erwachsenen eine eigene „Subkultur“ entgegen zu setzen.[6] In der regelmäßig veröffentlichten Shell-Studie sprechen die Autoren ab 2002 von einer „pragmatischen Generation“.

Verhaltensgrundlagen des Neo-Konventionalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein zentrales Ergebnis der Sinus-Jugendstudie „Wie ticken Jugendliche 2016“[7] war, dass die Jugendlichen am liebsten so sein möchten wie alle anderen. Die Bezeichnung Neo-Konventionalismus wurde ab 2016 vermehrt von vielen Generationenforschern verwendet, vor allem, um das Verhalten der Generation Z zu beschreiben. Wissenschaftlich bestätigt wurde dieses Phänomen 2018 durch den Psychologen Rüdiger Maas. Maas konnte in seiner Generation-Thinking-Studie dieses Phänomen statistisch belegen.[8] Er befragte dabei über 2.000 Jugendliche der sog. Generation Z bundesweit und kam zum gleichen Ergebnis wie Calmbach et al. 2016.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NZZ
  2. Marc Calmbach, et. al: Wie ticken Jugendliche 2016? Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland. 2016 Springer S. 475
  3. Wilfried Schubarth, Christina Gruhne, Birgitta Zylla 2017: Werte machen Schule: Lernen für eine offene Gesellschaft
  4. Tichys Einblick
  5. Süddeutsche Zeitung
  6. Dirk Zuther 2019. Popmusik aneignen. Selbstbestimmter Erwerb musikalischer Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern. Transcript Verlag, Bielefeld
  7. Die ZEIT
  8. Rüdiger Maas: Generation Z für Personaler und Führungskräfte. Ergebnisse der Generation-Thinking-Studie, Hanser Fachbuch, 2019.