Bischöfliches Hilfswerk Misereor

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Das Bischöfliche Hilfswerk Misereor e. V. (lat. misereor, ich erbarme mich) ist eines der größten Hilfswerke der römisch-katholischen Kirche in Deutschland und hat seinen Sitz in Aachen.

Aufgrund von Initiativen verschiedener kirchlicher Gruppierungen seit 1954 wurde auf der Fuldaer Bischofskonferenz 1958 durch eine Rede des Kölner Erzbischofs Joseph Kardinal Frings über das Schriftwort Misereor super turbam („ich habe Mitleid mit diesen Menschen“, Mk 8,2 EU) der Grund für das Hilfswerk gelegt. Die erste Fastenspendenaktion startete 1959.

Nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe unterstützte Misereor seit seiner Gründung im Jahr 1958 ca. 100.000 Projekte in Asien, Afrika, Ozeanien und Lateinamerika. Das Ziel Misereors ist es, den Ärmsten der Armen zu helfen und gemeinsam mit einheimischen Partnern Menschen jedes Glaubens, jeder Kultur und jeder Hautfarbe zu unterstützen.[1] Jedes Jahr erreichen Misereor etwa 6000 Projektanfragen. In der Geschäftsstelle Aachen arbeiten ca. 300 römisch-katholische und evangelische Christen. Die jährliche Aktion in der Fastenzeit soll den römisch-katholischen Pfarrgemeinden die Lebenswelt von Menschen nahebringen, die unter Armut und Ungerechtigkeit leiden.

Geschichte des Hilfswerkes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hilfswerk Misereor wurde 1958 auf Initiative des Kölner Erzbischofs Joseph Kardinal Frings und katholischer Verbände von den deutschen Bischöfen unter dem Namen Misereor super turbam (Mk 8,2 EU) gegründet. In der Fastenzeit 1959 wurde die erste Fastenaktion durchgeführt.[2] Ein Jahr später zog Misereor in die Aachener Mozartstraße Nr. 9 ein, wo sie in direkter Nachbarschaft zur Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen einen Großteil des Gebäudetraktes von dem dort seit 1932 ansässigen Priesterseminar Aachen übernahm.

Arbeitsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Projektarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Misereor arbeitet mit den Menschen, die unter Krankheit, Armut oder einer anderen menschlichen Not leiden, um dadurch Gerechtigkeit, Freiheit, Versöhnung und Frieden in der Welt zu fördern. Zentrale Themen in der Projektarbeit sind der Kampf für Menschenrechte, für jeden Menschen zugängliches Trinkwasser, der Kampf gegen AIDS, Klimawandel, die Armut in Städten oder Genderproblematiken. Schlüsselbereiche der Förderung sind ländliche Entwicklung, das Gesundheitswesen, die Berufs- und Erwachsenenbildung, die Kleingewerbeförderung, Selbsthilfewohnbau, Projekte der Sozialarbeit, Frauenförderung, Menschenrechtsarbeit sowie die Schulung örtlicher Führungskräfte.

Misereor arbeitet mit ortsansässigen Partnerorganisationen. Projektpartner vor Ort leben mit den Armen und wissen, unter welchen Bedingungen diese leben. Misereor-Partner kommen aus Ortskirchen, Selbsthilfeinitiativen, Kooperativen, Menschenrechtsgruppen und anderen nichtstaatlichen Organisationen. Während der Projektbegleitung bilden der Erfahrungsaustausch und die Auswertung von durchgeführten Maßnahmen einen stetigen Entwicklungsprozess. Des Weiteren will Misereor einen Süd-Süd-Dialog als Grundlage für eine zukunftsfähige Entwicklung verstärken.[3]

Öffentlichkeitsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Misereor führt Untersuchungen zu den Ursachen von Verarmung, Unterdrückung und Zerstörung durch und informiert darüber. Um der Entwicklungszusammenarbeit in der Politik und öffentlich den Rücken zu stärken betreibt Misereor Lobbyarbeit. Dies bedeutet auch die Beteiligung an internationalen Diskussionen über Entwicklungspolitik und Einflussnahme auf den Willensbildungsprozess in der Gesellschaft. Tausende Menschen unterstützen die Entwicklungsarbeit von Misereor mit ihrem ganz persönlichen Beitrag. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der jährlichen Fastenaktion zu.[4]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einkünfte des Bischöflichen Hilfswerks Misereor

Infolge nachlassender Spenden und Kirchenmittel nahmen die Gesamteinnahmen in den Jahren 2005 bis 2007 trotz erheblicher Erhöhung der staatlichen Zuschüsse ab. Der Jahresbericht 2007 verzeichnete Einnahmen in der Höhe von insgesamt 149,4 Millionen Euro, davon waren (in Mio EUR): Staatliche Steuermittel 87,6, Spenden und Kollekten 49,7, kirchliche Haushaltsmittel 8,9, Zinsen 3,2.[5] Im Jahr 2005 verbuchte Misereor Einnahmen in Höhe von insgesamt 156,6 Mio. Euro.[6] Der Jahresbericht 2009 weist Einnahmen für das Jahr 2008 von 161,3 Mio. Euro und für das Jahr 2009 in Höhe von 161,6 Mio Euro aus.[7] Im Jahr 2013 nahm Misereor insgesamt 179,3 Millionen Euro ein. Neben 56,2 Millionen Euro aus Kollekten und Spenden wurden Misereor 115,1 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie acht Millionen Euro aus kirchlichen Haushaltsmitteln zur Verfügung gestellt. [8]

Misereor-Fastenaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktions-Jahr Thema[9]
1989 Solidarisch in der Einen Welt – Gerechtigkeit und Erbarmen (30 Jahre Misereor)
1990 Gemeinsam handeln – Solidarisch in der Einen Welt
1991 Die Würde des Menschen ist unantastbar
1992 1492–1992 – 500 Jahre Lateinamerika
1993 Die Schöpfung bewahren – …damit alle leben können
1994 Flüchtlinge – Prüfstein weltweiter Solidarität
1995 Zeit für Versöhnung
1996 Jeder Tropfen zählt
1997 Brich mit den Hungrigen dein Brot
1998 Die Armen zuerst (40 Jahre Misereor)
1999 Ich will Kind sein
2000 Jetzt ist die Zeit – gemeinsam anders handeln
2001 Teilen mit Gewinn
2002 Schritte zum Frieden
2003 Wem gehört die Welt?
2004 Unser tägliches Brot gib uns. Heute.
2005 Teilen verbindet – gemeinsam gegen Krankheit in der Welt
2006 Die Fülle des Lebens teilen
2007 Entdecke, was zählt!
2008 Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen
2009 Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können
2010 Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können
2011 Menschenwürdig leben. Überall!
2012 Menschenwürdig leben. Kindern Zukunft geben
2013 Wir haben den Hunger satt!
2014 Mut ist zu geben, wenn alle nehmen.
2015 Neu denken! Veränderung wagen.[10]
2016 Das Recht ströme wie Wasser (Am 5,24 EU)[11]

Misereor-Hungertücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Misereror-Hungertuch im Chorraum der Pfarrkirche Mariabrunn in Eriskirch, Bodenseekreis, Februar 2010

Über den Zeitraum von meist jeweils zwei Jahren steht den Kirchengemeinden in der Fastenzeit ein Hungertuch zur Verfügung, das zur Meditation und zur Auseinandersetzung mit Themen der Entwicklungsarbeit einlädt. Das Hungertuch für 2015/2016 wurde von dem chinesischen Künstler Dao Zi gestaltet und steht unter dem Titel Gott und Gold – wieviel ist genug?[12]

Die Themen bisheriger Hungertücher waren:[13]

Hungertuch Jahr Motto Künstler
1976 Christus im Lebensbaum – Hoffnung für alle Indien
1978 Ereignisse der Heilsgeschichte Alemayehu Bizuneh, Äthiopien
1980 Hungertuch aus dem Mittelalter sog. Bruder-Klaus-Meditationsbild, Schweiz (15. Jh.)
1982 Die Welt der Bibel Jacques Chéry, Haiti
1984 Leben – Wasser und Licht Jyoti Sahi, Indien
1986 Als Christinnen und Christen auf dem Weg Frauen und Männer aus Santiago de Pupuja, Peru
1988 Vaterunser-Bitten René Tchebetchou, Kamerun
1990 Biblische Frauengestalten – Wegweiser zum Reich Gottes Lucy D’Souza, Indien
1992 Ein neuer Himmel und eine neue Erde Adolfo Pérez Esquivel, Argentinien
1994 Gott begegnen im Fremden Azariah Mbatha, Südafrika
1996 Hoffnung den Ausgegrenzten Sieger Köder, Deutschland
1998 Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Altes Meditationsbild
2000 Ein Jahr, das Gott gefällt – Neubeginn und Befreiung Suryo Indratno, Java
2002 Augen-Blicke des Friedens El Loko, Togo
2004 Brot und Rosen Frauen aus Lateinamerika
2007 Selig seid ihr Li Jinyuan, China
2009 Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können Tony Nwachukwu, Nigeria
2011 Was ihr dem Geringsten tut Sokey A. Edorh, Togo
2013 Wie viele Brote habt ihr? Ejti Stih, Bolivien
2015/2016 Gott und Gold – wieviel ist genug? Dao Zi, China [14]

Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten drei Hauptgeschäftsführer waren Prälat Gottfried Dossing (1958–1976), Bischof Leo Schwarz (1976–1982) und Prälat Herkenrath (1982–1997). Von 1997 bis zum 23. März 2012 war Josef Sayer Hauptgeschäftsführer. Nachfolger ist Pirmin Spiegel. Der Geschäftsführer für die internationale Zusammenarbeit ist Martin Bröckelmann-Simon (seit 1999), Geschäftsführer Personal, Verwaltung, Finanzen seit 2006 Thomas Antkowiak.[15]

Gesellschafter, Mitgliedschaften, Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Misereor ist Gesellschafter von GEPA – The Fair Trade Company.[16]

Misereor ist Mitglied von

Misereor kooperiert

Aktionen, Kampagnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Misereor ist gemeinsam mit anderen Organisationen Träger der Demonstration Wir haben es satt!. Die Veranstaltung findet jährlich Anfang Januar in Berlin statt.[24]

Misereor unterstützt folgende Kampagnen und Aktionen:

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eigendarstellung auf www.misereor.de
  2. – Rede von Josef Kardinal Frings zur Gründung von Misereor, aufgerufen am 1. März 2011
  3. misereor.de
  4. misereor.de
  5. Misereor Jahresbericht 2007. Abgerufen am 14. Mai 2016.
  6. Misereor-Jahresbericht 2007 (PDF; 2,3 MB)
  7. Misereor Jahresbericht 2009 (Memento vom 29. April 2011 im Internet Archive) (PDF-Datei; 2,04 MB) S. 42.
  8. misereor.de
  9. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven:@1 @2 Vorlage:Toter Link/www.misereor.deÜbersicht über alle Fastenaktionen (PDF; 4,7 MB)
  10. Webseite der Misereor-Fastenaktion, abgerufen am 9. Februar 2015
  11. www.misereor.de
  12. Hungertuch 2015/16
  13. Hungertuch-Galerie
  14. Das Misereor-Hungertuch. Abgerufen am 9. Februar 2015.
  15. misereor.de
  16. gepa.de
  17. Tax Justice Network Deutschland, Blog, Liste der Mitglieder rechts am Rand
  18. Kooperationspartner und Bündnisse
  19. entwicklung-hilft.de
  20. MISEREOR-Engagement
  21. „Anstoß mit Herz“ – die Charity-Partnerschaft des 1. FC Köln mit Misereor
  22. Wise Guys bei 2-euro-helfen.de
  23. AIDA e.V.
  24. Die TrägerInnen der Demo "Wir haben es satt!" Abgerufen am 5. Dezember 2013