Neoklassik (Musik)

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Neoklassik ist eine Ende der 2000er Jahre entstandene Musikrichtung, die Elemente der Neuen Musik, insbesondere der Minimal Music oder der Neuen Einfachheit, und der elektronischen Musik, insbesondere des Ambient, sowie teils aber auch des Post-Rocks, miteinander verbindet.[1] Sie ist nicht zu verwechseln mit einer ebenfalls Neoklassik benannten Musikrichtung, die sich aus dem Dark Wave entwickelt hat, oder dem musikalischen Neoklassizismus des mittleren und späten 20. Jahrhunderts. Es bestehen Berührungspunkte zur Populären Klassik ebenso wie zum Easy Listening.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Begriffe „Neo-Klassik“ und „Neoklassik“ werden für zeitgenössische Musik seit den 2000er Jahren verwendet.[2][3][4] Christoph Dallach schrieb 2013 auf Spiegel Online im Zusammenhang mit einem Album von Ólafur Arnalds:

„Seit Jahren quälen sich große Plattenfirmen mit allerlei PR-Bohei, um ein junges Publikum für klassische Musik zu begeistern. Aber die DJs, die in Clubs Klassik auflegten oder Mozart & Co. remixten, wurden eher belächelt. Trotzdem hat sich eine Menge bewegt. Jenseits aller Trends und Kampagnen wurden einige junge Künstler mit einer Musik erfolgreich, die Spezialisten Neo-Klassik nennen. Schöngeister wie Dustin O’Halloran, Nils Frahm, Max Richter, Ludovico Einaudi, Hauschka und Ólafur Arnalds.“[5]

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typisch für die Neoklassik ist die Verwendung akustischer Instrumente aus dem Bereich der klassischen Musik, vor allem des Klaviers und von Streichinstrumenten, in Kombination mit elektronisch erzeugten Klängen und Effekten, und repetitive Tonfolgen, wie sie aus der Minimal Music und eben auch vielen Stilrichtungen der elektronischen Musik und des Post-Rocks bekannt sind.

Die Musik ist in der Regel – wie bei klassischer Musik – vollständig in Noten fixiert; improvisatorische Elemente finden sich kaum. Sie kann daher ohne Weiteres von anderen Interpreten – oder auch Laien – nachgespielt werden, was bei Pop oder Jazz nur in begrenztem Maße möglich ist.

Bekannte Vertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Vertreter der Neoklassik sind Federico Albanese, Mia Brentano, Ludovico Einaudi, Nils Frahm, Grandbrothers, Lambert, Ólafur Arnalds und Max Richter. Auch der bereits seit den 1980er Jahren tätige George Winston wird heute zumeist der Neoklassik zugerechnet.[6][7]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein größeres Publikum wurde der Neoklassik vor allem durch ihre Verwendung als Filmmusik erschlossen (vgl. die Diskografien der genannten Künstler). Von einigen Kritikern wurde sie verschiedentlich als Kitsch kritisiert.[8][9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Schmidt: Neoklassik ist doch Quatsch. In: Die Zeit, 11. Juni 2013 (online)
  • Tobias Ruderer: Die neueste Form der Gebrauchsmusik nennt sich Neoklassik. Spur einer Regression. In: VAN. Ein Webmagazin für klassische Musik, 19. Juli 2015 (online).
  • Auf der Suche nach einem neuen Ausdruck. Vom Mysterium des Tristan-Akkords und der bildhaften Dramatik der Tondichtungen. Neo-Klassik, 1. Teil. In: KlassikAkzente, 28. Juli 2016 (online).
  • Die Wiederentdeckung des Wohlklangs. Neo-Klassik, 3. Teil. In: KlassikAkzente, 10. August 2016 (online).
  • Der Siegeszug der Neoklassik. Eine neue Strömung erobert die Musik des 21. Jahrhunderts. Neo-Klassik, 4. Teil. In: KlassikAkzente, 17. August 2016 (online).
  • Christian Kellersmann: Die „neue Klassik“. In: Martin Tröndle (Hrsg.): Das Konzert II. Beiträge zum Forschungsfeld der Concert Studies. Bielefeld 2018, S. 379–387.
  • Neoklassik als Megatrend. Ein Leben ohne diese Musik ist möglich, aber sinnlos. In: Die Welt, 16. Juni 2018 (online).
  • Marc Vetter: Neoklassik-Star. Max Richter: „Meine Stücke spiegeln die tristen Zustände unserer Zeit“. In: Rolling Stone, 6. August 2018 (online)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schmidt, Volker: Crossover-Musik: Neoklassik ist doch Quatsch. ZEIT ONLINE, 11. Juni 2013, abgerufen am 1. Februar 2020.
  2. Hammock – laut.de – Band. Abgerufen am 9. April 2021.
  3. Ox Fanzine, Solingen Deutschland: Review. Abgerufen am 9. April 2021.
  4. Bayerischer Rundfunk Philipp Laier: Poptrend Neo-Klassik: Geräuschdreck zwischen den Noten. 21. März 2012 (br.de [abgerufen am 9. April 2021]).
  5. Christoph Dallach, Im Takt der Vergangenheit. Vom Metal zur Klassik: der isländische Komponist Ólafur Arnalds, in: Spiegel Online, 29. April 2013 (online)
  6. Hartmann, Andreas: Neoklassik: Hämmer ohne Grenzen. ZEIT ONLINE, 16. Oktober 2017, abgerufen am 1. Februar 2020.
  7. Bayerischer Rundfunk: Federico Albanese im Interview: Ich schreibe keine klassische Musik | BR-Klassik. 15. November 2018, abgerufen am 12. Februar 2020.
  8. Christian Berzins: Ludovico Einaudi: Musik für den Lift in den Himmel. Abgerufen am 29. Juli 2020.
  9. Die sogenannte Neoklassik: Kitsch von atmosphärischen Dienstleistern - derStandard.at. Abgerufen am 29. Juli 2020 (österreichisches Deutsch).