Neuhengstett

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Koordinaten: 48° 44′ 15″ N, 8° 46′ 49″ O

Neuhengstett
Gemeinde Althengstett
Wappen der ehemaligen Gemeinde Neuhengstett
Höhe: 526–579 m ü. NHN
Fläche: 2,5 km²
Einwohner: 1786 (2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 714 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1974
Postleitzahl: 75382
Vorwahl: 07051
Evangelische Kirche

Evangelische Kirche

Neuhengstett ist ein Ortsteil der Gemeinde Althengstett im Landkreis Calw in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuhengstett bildet zusammen mit den Orten Althengstett und Ottenbronn die Gemeinde Althengstett.

Neuhengstett von Nordwesten. Im Hintergrund Althengstett

Der Ort befindet sich in einer sanften Muldenlage und das Gelände fällt nach Südwesten hin bis auf 526 m ü. NHN allmählich ab. In unmittelbarere Nähe dieses tiefsten Punkts auf Neuhengstetter Gemarkung wird der Neuhengstetter Bach, ein Zufluss des Tälesbachs, an die Oberfläche geleitet. Der Bach bildet den natürlichen Abfluss des Geländes in und um das Dorf. Er bildet sich nördlich des Ortes und wird verdolt unter Neuhengstett hindurchgeführt. Der mit 579 m ü. NHN höchste Punkt auf Neuhengstetter Gemarkung befindet sich nordöstlich des Dorfes im Bereich der Erhebung Hörnle.

Die Flächennutzung ist in Neuhengstett wie folgt gegliedert (Stand: März 2017):

  • Landwirtschaftliche Nutzflächen (hauptsächlich Felder, Wiesen und Obstanbau): 57 % (1,43 km²)
  • Siedlungs- und Verkehrsflächen: 26 % (0,65 km²)
  • Bewaldete Flächen: 17 % (0,44 km²)[2]

Neuhengstett befindet sich überwiegend auf Unterem und Mittlerem Muschelkalk. Im Süden bzw. Südwesten trifft man jedoch Oberen Buntsandstein an.[3] Dieser verleiht dem dortigen Boden eine typische rote Färbung, was dazu führte, dass eine Straße in diesem Bereich den Namen Rote Erde erhielt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldenserstein

Neuhengstett ist ein Waldenserort. Die aus Piemont und Savoyen stammenden protestantischen Glaubensflüchtlinge konnten sich auf Initiative von Herzog Eberhard Ludwig ab 1699 in Württemberg niederlassen. Am 1. September 1700 gründeten 28 Familien mit insgesamt 134 Personen den Ort, den sie zunächst Le Bourcet nannten.[4] Der Name wurde in Anlehnung an das italienische Dorf Bourcet in den Cottischen Alpen gewählt, aus dem ein Großteil der Siedler stammte. Die Siedlung wurde auf Land errichtet, das im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs und der nachfolgenden Pestepidemie nicht mehr bewirtschaftet wurde und zu Ödland verkommen war. Der größte Anteil der zugewiesenen Siedlungsfläche gehörte zuvor zu Simmozheim. Den zweitgrößten Anteil musste Möttlingen abtreten. Die restlichen Flächen kamen zu gleich großen Teilen von Hengstett (heute: Althengstett) und aus Hirsauischem Klosterbesitz.[5] Im Jahre 1711 wurde Le Bourcet amtlich in Neu-Hengstett umbenannt, woraus später die heutige Namensform ohne Bindestrich entstand. Diese Umbenennung erfolgte, da noch mehrere andere Namen für die Siedlung in Gebrauch waren (Abeldorf, Welsch-Hengstett oder Simmozheimer Colonie) und man Missverständnissen vorbeugen wollte.[5] Im Jahr 1881 wurde nördlich des Ortes zum Gedenken an die Entstehungsgeschichte Neuhengstetts und an die sich ursprünglich ansiedelnden Waldenser ein Gedenkstein errichtet, welcher von der lokalen Bevölkerung als Waldenserstein bezeichnet wird.

Im Rahmen der Gebietsreform in Baden-Württemberg wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Neuhengstett am 1. Oktober 1974 in die Gemeinde Althengstett eingegliedert.[6] Zur Gemeinde Neuhengstett gehörte lediglich das gleichnamige Dorf und die Wüstung Schlehdorn (auch Schleichdorn oder Sledorn genannt)[7], die sich im Osten des Ortes befindet[8]. Schlehdorn ist ein schon vor der Gründung von Neuhengstett aufgegebener Ort, der spätestens im Jahr 1300 bereits existierte.[9]

Bevölkerungsentwicklung von 1852 bis 1974[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1852 1871 1880 1890 1900 1910 1925 1933 1939 1950 1956 1961 1970 1974
Einwohner 393 502 448 386 396 400 414 409 411 519 561 587 792 862

Jeweils Volkszählungsergebnisse. Die Zahlen beziehen sich auf das Gemeindegebiet mit Gebietsstand vor der Eingemeindung am 1. Oktober 1974.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldensermuseum Neuhengstett

Neuhengstett besitzt mehrere öffentliche Einrichtungen und Gebäude. Neben einer Grundschule gibt es auch einen Kindergarten sowie eine Turn- und Festhalle. Im ehemaligen Rathaus des Dorfes ist die Ortsverwaltung untergebracht. Die örtliche evangelische Kirchengemeinde betreibt die im Ortskern befindliche 1769 in der heutigen Form gebaute Kirche.[10] Auch die Neuapostolische Kirche betreibt in Neuhengstett ein Gotteshaus. Am südlichen Rand des Dorfes gibt es einen Friedhof mit einer Aussegnungshalle. An der heutigen Hauptstraße (Waldenserstraße) gelegen, existiert außerdem ein aufgelassener ehemaliger Friedhof. Direkt daneben wurde in einem um 1824 erbauten Haus vom örtlichen Heimat- und Geschichtsverein ein Waldensermuseum eingerichtet.

Unmittelbar östlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 295, die von Calw nach Stuttgart führt. Im öffentlichen Personennahverkehr wird Neuhengstett von Bussen angefahren, mit denen man unter anderem Calw und die Station der S-Bahn Stuttgart in Weil der Stadt erreicht.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neuhengstett – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website der Gemeinde Althengstett: Offizielle Einwohnerzahlen (Memento vom 21. August 2014 im Internet Archive)
  2. Kartenlayer für "Verwaltungsgrenzen BW" auf dem Geodatenviewer des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg (Hinweise), abgerufen am 15. März 2017.
  3. Geologische Übersichtskarte des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau beim Regierungspräsidium Freiburg, Baden-Württemberg, abgerufen am 7. März 2017.
  4. Geschichte der Waldenser, Homepage des Heimatgeschichtsvereins Neuhengstett, abgerufen am 20. Februar 2017.
  5. a b Beschreibung von Neuhengstett in der Internetpräsenz der Gemeinde Althengstett, abgerufen am 01. April 2017.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 488.
  7. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 474–475
  8. Neuhengstett in der Beschreibung des Oberamts Calw von 1860, Wikisource
  9. Althengstett in der Beschreibung des Oberamts Calw von 1860, Wikisource
  10. Homepage der Gesamtkirchengemeinde Neuhengstett-Ottenbronn, abgerufen am 20. Februar 2017.