Großer Heuberg

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Große Heuberg
Albhochfläche des Großen Heubergs
Albhochfläche des Großen Heubergs
Systematik nach Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands
Großregion 1. Ordnung Mittelgebirgsschwelle
Großregion 2. Ordnung Südwestdeutsches Schichtstufenland
Haupteinheitengruppe 09 →
Schwäbische Alb
Über-Haupteinheit 093 →
Hohe Schwabenalb
Naturraum 093.2
Große Heuberg
Geographische Lage
Koordinaten 48° 7′ 0″ N, 8° 53′ 35″ OKoordinaten: 48° 7′ 0″ N, 8° 53′ 35″ O
Große Heuberg (Baden-Württemberg)
Große Heuberg
Lage Große Heuberg
Kreis Zollernalbkreis
Bundesland Baden-Württemberg
Staat Deutschland

Der Große Heuberg, meist nur Heuberg genannt, ist der Naturraum 093.2 der Schwäbischen Alb (Hohe Schwabenalb) im Südwestdeutschen Stufenland. Er liegt im baden-württembergischen Zollernalbkreis. Etwa im Zentrum des Naturraums liegt Nusplingen.

Die dünn besiedelte Hochfläche im Südwesten der Alb hat eine Ausdehnung von etwa 10 × 20 km. Zu ihren Erhebungen zählt der Dreifaltigkeitsberg (985,1 m) und das Klippeneck (980 m); etwa im Zentrum des Naturraums liegt der Staufenberg (955,1 m).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Große Heuberg breitet sich im Naturpark Obere Donau aus. Im Westen wird er begrenzt durch die Täler von Faulenbach und Prim und die Baarhochebene, im Norden durch den Albtrauf, im Osten durch die Täler der Eyach und der Schmiecha bzw. im engeren Sinne, ohne die „Hardt“, durch die Täler der Schlichem und der Bära. Die südliche Grenze bildet die Donau, jedoch ragt der Badische Heuberg (häufiger Hegaualb genannt) auch über die Donau hinaus.

Folgende Gemeinden liegen im oder am Großen Heuberg: Bärenthal, Böttingen, Bubsheim, Egesheim, Gosheim, Irndorf, Kolbingen, Königsheim, Leibertingen, Mahlstetten, Meßstetten, Nusplingen, Obernheim, Deilingen, Reichenbach am Heuberg, Renquishausen, Schwenningen, Wehingen und Stetten am kalten Markt. Kleinere Ansiedlungen am Heuberg, am Albrand gehören zu Spaichingen (mit dem Dreifaltigkeitsberg), Denkingen (mit Segelfluggelände am Klippeneck), Rietheim-Weilheim (mit dem Weiler Rußberg) und Dürbheim (mit dem Weiler Risiberg).

Naturräumliche Zuordnung und Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Höhenzug bildet in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Schwäbische Alb (Nr. 09) und in der Haupteinheit Hohe Schwabenalb (093) die Untereinheit Großer Heuberg (093.2) und gliedert sich in der Alb so auf:[1][2]

  • 09 (=D60) Schwäbische Alb
    • 093 Hohe Schwabenalb
      • 093.2 Großer Heuberg
        • 093.20 Westlicher Heuberg
        • 093.21 Östlicher Heuberg
        • 093.22 Die Hardt
        • 093.23 Südlicher Hardtrand

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologisch ist die verkarstete Hochfläche des Großen Heubergs mit der östlich gelegenen Mittleren Flächenalb verwandt. Kalkschuttböden in den Tälern stehen auf der Hochfläche kalkreiche Lehme in Flachlagen, tiefgründige aber stark entkalkte Lehmböden in den Senken und Trockentälern sowie magere Kalkfelsböden auf den Kuppen gegenüber.[3]

Panorama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von Rottweil zum Albtrauf des Großen Heubergs

Klima und Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Große Heuberg weist die höchsten Erhebungen der Schwäbischen Alb auf, entsprechend der Höhenlage von etwa 850 bis 1.015,3 m besonders rau: Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen zwischen rund 4 °C in höchsten Lagen des Albtraufs, um die 5 °C auf den Hochflächen und 5,5 °C in den Tälern. Der Niederschlag direkt an der Traufkante beträgt etwa 1000 bis 1100 mm (bedingt durch den Steigungsregen), die östlich gelegenen Hochflächen dagegen weisen nur 850 bis 900 mm Niederschlag aus. Diese Werte sind etwa um die Hälfte geringer im Vergleich zum Hochschwarzwald (über 1800 mm), da sich der Große Heuberg in dessen Regenschatten befindet.[4]

Im Herbst oder Winter können sich Inversionswetterlagen einstellen, wobei die Temperaturen auf den Hochflächen höher sind als in den im Nebel liegenden Tälern und des Albvorlandes. In den Hochmulden bilden sich regelmäßig Kaltluftseen aus, sodass sogar im Sommer Nachtfrost möglich wird.[5] In Albstadt-Degerfelden, streng genommen ein Teil der Zollernalb, wurde im Jahr 2014 mit −33,8 °C eine Temperatur verzeichnet, die nahe an den bundesweiten Kälterekord reicht;[6] tiefere Temperaturen wurden beispielsweise in Bayern am Funtensee und in Wolnzach-Hüll erreicht.

Aufgrund der klimatischen Bedingungen herrscht hier Grünland vor. Auf den Ackerstandorten sind im Bereich der Ackerwildkrautflora die Ackerlichtnelken- und Adonisröschengruppe in guter Ausbildung vorhanden. Zwar ist die Hochfläche aufgrund der Temperaturumkehr im Winter gegenüber den Tälern leicht wärmebegünstigt, doch bleibt die Vegetationsperiode äußerst kurz. Magerrasen, Steppenheide und Hutungen bestimmen die zum Teil unter Naturschutz stehende Altvegetation. Allerdings ist der ursprüngliche Buchen-Tannenwald, der vor allem den Albtrauf bedeckt, auf der Hochfläche, wo ihn inzwischen Fichten-Tannenwälder stark durchmischen, auffallend zurückgedrängt, da es sich hier trotz der einschränkenden Naturfaktoren um ein altbesiedeltes Gebiet handelt. Heute überwiegt, wie schon erwähnt, Grünland – Sommerweiden und vor allem Schafzucht – das Ackerland bei weitem.[3]

Geschichte, Wirtschaft, Infrastruktur und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Funde von steinzeitlichen Gegenständen in der „Beilsteinhöhle“ (daher auch der Name) bei Egesheim belegen, dass schon Steinzeitmenschen hier gesiedelt haben. Von der späteren Besiedlung des Areals durch Kelten und Alemannen zeugen über 1000 Hügelgräber und die Kultstätten „Götzenaltar“ und „Heidentor“.

Die Abgeschiedenheit und schwere Erreichbarkeit der Heubergdörfer auf der Albhochfläche, die geringe Fruchtbarkeit der Böden sowie der bis in das 20. Jahrhundert bestehende Wassermangel führten dazu, dass der Große Heuberg über Jahrhunderte zu den ärmsten Gegenden Deutschlands zählte. Mit dem Ausbau des Lochenpasses zwischen 1849 und 1852 wurde im Königreich Württemberg erstmals versucht, die Heubergdörfer an das Albvorland anzubinden. Noch in den 1930er Jahren galt der Große Heuberg als Notstandsgebiet, jahrhundertelang war er eine klassische Auswanderungsregion. Aufgrund der früher prekären Lebensverhältnisse galten die Bewohner einst zwar als rückständig, andererseits aber auch als gerissen und voller Bauernschläue.

Die Industrialisierung begann in den westlichen Heuberggemeinden zögerlich erst mit dem Bau der Heubergbahn in den 1920er Jahren, etwa durch Filialbetriebe des Trossinger Harmonikaherstellers Hohner. Im scharfen Kontrast dazu begann in der Zeit des Wirtschaftswunders durch viele Neugründungen und stetigem Wachstum kleiner und kleinster Unternehmen handwerklichen Ursprungs eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung. Eine große Rolle hierbei spielte die Uhrenindustrie mit der Hermle Uhrenmanufaktur.

Die wirtschaftlichen Zentren des Großen Heubergs bilden Gosheim (Sitz des Maschinenbauers Hermle AG) und Wehingen im Westen sowie Meßstetten im Osten. Von wichtiger wirtschaftlicher Bedeutung für seinen Westteil ist heute die Drehteileindustrie mit etwa 200 Betrieben (zum Beispiel Anton Häring in Bubsheim). Dieser Umstand brachte der Landschaft in der Nachbarschaft den Spitznamen Schraubengebirge ein.

Der weitläufige Heubergraum ist durch den ÖPNV mit Ausnahme des Schülerverkehrs wenig erschlossen, die Situation wurde aber in den letzten Jahren durch Busanbindung an den Ringzug Richtung Westen verbessert. Der motorisierte Individualverkehr ist immer noch vorherrschend, Firmen stellen ihren Mitarbeitern vielfach auch Kleinbusse für Fahrgemeinschaften zur Verfügung.

Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte werden insbesondere kleinere Heuberggemeinden von der Deutschen Telekom nur unzureichend mit DSL-Leitungen versorgt, weshalb die betroffenen Gemeinden 2006 mit der Kabel BW den Breitband-Ausbau vereinbarten, womit nun auf dem Großen Heuberg verbreitet eine zum modernen VDSL2-Hochgeschwindigkeitsnetz der Telekom in den Ballungszentren ebenbürtige Informationsinfrastruktur zur Verfügung steht.

Noch heute erinnert in Stetten am kalten Markt ein Wegweiser zum Lager Heuberg an die Existenz des ersten Konzentrationslagers in Südwestdeutschland. 1933 wurden dort zeitweise etwa 2000 Menschen gefangengehalten und drangsaliert. Bei seiner Auflösung kamen viele Gefangen in das KZ Oberer Kuhberg bei Ulm.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Große Heuberg liegt an der Grenze des niederalemannischen Sprachraums zum Schwäbischen (vgl. hierzu: Heuberg-Schwäbisch).

Die Region des Naturraums deckt sich großteils mit der touristisch definierten Region der 10 Tausender.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barbara Waibel: Auswanderung vom Heuberg 1750–1900. Untersuchungen zur Wanderungsstruktur und Wanderungsmotivation. Hrsg. vom Geschichtsverein für den Landkreis Tuttlingen, Bd. 2. Tuttlingen, etwa 1992.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1980 erschien eine vom Südwestfunk gedrehte Dokumentation über die Region Heuberg, die damals von der Bevölkerung überwiegend als verzerrend und negativ empfunden wurde. Dies wirkt sich bis heute aus.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Huttenlocher: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 178 Sigmaringen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1959. → Online-Karte (PDF; 4,3 MB)
  2. Alfred G. Benzing: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 186 Konstanz. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1964. → Online-Karte (PDF; 4,1 MB)
  3. a b Hohe Schwabenalb. Landeskunde entdecken online (LeoBW), abgerufen am 16. Dezember 2016.
  4. Naturräume Baden-Württembergs: Schwäbische Alb. Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz, abgerufen am 15. Dezember 2016 (deutsch).
  5. Wetterarchiv Mittlere Schwäbische Alb (650–850 m NN). Abgerufen am 15. Dezember 2016.
  6. Minus 33,8 Grad: Kälterekord auf der Schwäbischen Alb. Augsburger Allgemeine, 29. Dezember 2014, abgerufen am 16. Dezember 2016.
  7. Sportler joggen am Lupfen, Schwäbische Zeitung vom 19. Juli 2006, auf schwaebische.de