Nová Ves (Hora Svatého Šebestiána)

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Nová Ves
Nová Ves führt kein Wappen
Nová Ves (Hora Svatého Šebestiána) (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Chomutov
Gemeinde: Hora Svatého Šebestiána
Fläche: 988,6093[1] ha
Geographische Lage: 50° 30′ N, 13° 16′ OKoordinaten: 50° 29′ 55″ N, 13° 15′ 47″ O
Höhe: 770 m n.m.
Einwohner: 103 (2011[2])
Postleitzahl: 431 82
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Straße: ChomutovHora Svatého Šebestiána
Bahnanschluss: Chomutov–Vejprty

Nová Ves (deutsch Neudorf) ist ein Ortsteil der Gemeinde Hora Svatého Šebestiána in Tschechien.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nová Ves liegt etwa zwölf Kilometer nordwestlich von Chomutov und erstreckt sich entlang des Baches Novoveský potok auf dem Kamm des böhmischen Erzgebirges. Nördlich entspringt der Bach Křimovský potok, der den Ort im Osten umfließt. Im Norden erhebt sich der Herrnsteinberg, nordöstlich der Menhartický vrch (Müllerberg, 848 m), im Osten der Tschoschler Berg (764 m), südlich der Nad nádražím (786 m) und im Nordwesten der Novoveský vrch (Neudorfer Berg, 885 m). Am östlichen Ortsrand führt die Staatsstraße I/7 von Chomutov nach Reitzenhain vorbei. Nová Ves liegt an der Bahnstrecke Chomutov–Vejprty.

Nachbarorte sind Hora Svatého Šebestiána im Norden, Nový Dům im Nordosten, die Wüstungen Menhartice und Stráž im Osten, Křimov im Südosten, Celná und Kýšovice im Süden, Výsluní im Südwesten sowie Satzung und das wüste Jilmová im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häuser an der Hauptstraße in Nová Ves

Die erste schriftliche Erwähnung von Großen Neundorff stammt aus dem Jahre 1345. Seit 1361 ist die Existenz einer Kirche überliefert, die als Filiale von Krima eingerichtet wurde. Im Jahre 1379 besaß Neundorf das Braurecht. Zwischen 1382 und 1411 gehörte Neundorf zu den Besitzungen des Deutschritterordens in Komotau. In der Umgebung des Dorfes wurde seit der Mitte des 14. Jahrhunderts Bergbau auf Silber, Zink und Kupfer betrieben. 1511 wurde das Dorf als "Newdorff auff dem gepyrg, später auch als Neundorf bezeichnet. Durch seine Lage an der Landesstraße von Komotau nach Leipzig war der Ort bei allen Kriegen in der Zeit des Heiligen Römischen Reiches von Militärdurchzügen betroffen. Bei ihrem Freikauf aus der Untertänigkeit kaufte die Stadt Komotau im Jahre 1605 auch das aus 22 Anwesen bestehende Dorf Tschoschl. Seine Bewohner wurden fortan dem der Freien Königlichen Stadt gehörigen Gut Schönlind frondienstpflichtig. Im Jahre 1606 wurden die Kirche und der Friedhof neu geweiht.

1834 wurde eine Kirche im klassizistischen Stil erbaut, 1844 wurde ein Turm angebaut. Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Neudorf / Nová Ves ab 1850 eine politische Gemeinde im Gerichtsbezirk Sebastiansberg bzw. Bezirk Komotau. 1868 begann der Bau der Bahnstrecke Komotau-Weipert durch die Buschtěhrader Eisenbahn. Vier Jahre später wurde die Strecke eingeweiht. 1875 wurde noch die abzweigende Strecke nach Reitzenhain in Betrieb genommen. Nach den Niedergang des Bergbaus wurde Neudorf zu einem Zentrum der erzgebirgischen Spitzenklöppelei. Am 2. Dezember 1898 nahm die Erzgebirgische Klöppelschule Neundorf den Unterricht auf. Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurde sie 1918 dem staatlichen Schulamt für Heimindustrie in Prag unterstellt. 1930 lebten sechzehn Tschechen im Ort.

Nach dem Münchner Abkommen wurde das Dorf 1938 dem Deutschen Reich zugeschlagen und gehörte bis 1945 zum Landkreis Komotau. 1939 lebten in der Gemeinde 1193 Menschen. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges führte am 16 und 17. April 1945 ein Todesmarsch von KZ-Häftlingen von Reitzenhain über Ulmbach, Sebastiansberg, Neudorf, Domina, Schönlind, Oberdorf und Komotau ins Nordböhmische Becken. Die Tradition der Spitzenklöppelei erlosch mit der Vertreibung der Deutschen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Nová Ves zur Tschechoslowakei zurück und die Mehrheit der deutschsprachigen Einwohner wurde vertrieben. Mit Beginn des Jahres 1961 erfolgte die Eingemeindung nach Hora Svatého Šebestiána. Im Jahre 1964 wurde ein Versuch der Reaktivierung der Klöppelschule unternommen. Die Kirche wurde 1967 und die Kapelle in den 1970er Jahren abgerissen. Im Jahre 2001 bestand das Dorf aus 29 Wohnhäusern, in denen 81 Menschen lebten.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[2]
1869 1102
1880 1180
1890 1201
1900 1180
1910 1259
Jahr Einwohnerzahl
1921 1249
1930 1422
1950 238
1961 244
1970 152
Jahr Einwohnerzahl
1980 125
1991 74
2001 81
2011 103

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Klinger (Wawrschustergung) (* 1923), Heimatdichter

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedenkstein für die Opfer des Todesmarsches vom 16. und 17. April 1945, nordwestlich des Dorfes
  • Reste der Kapelle Pfaffkapelle, auch als Toblerkapelle bezeichnet, südwestlich des Dorfes. Die Kapelle wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts von der Müllerfamilie Pfaff auf deren Grund erbaut. Sie wurde in den 1970er Jahren teilweise abgebrochen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi/641804/Nova-Ves-u-Krimova
  2. a b Historický lexikon obcí České republiky - 1869-2015. Český statistický úřad, 18. Dezember 2015, abgerufen am 17. Januar 2016 (tschechisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nová Ves (Hora Svatého Šebestiána) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien