Nové Mlýny

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Nové Mlýny
Nové Mlýny führt kein Wappen
Nové Mlýny (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Gemeinde: Přítluky
Fläche: 373[1] ha
Geographische Lage: 48° 51′ N, 16° 44′ OKoordinaten: 48° 51′ 29″ N, 16° 43′ 55″ O
Höhe: 168 m n.m.
Einwohner: 151 (1. März 2001)
Postleitzahl: 692 01
Kfz-Kennzeichen: B
Verkehr
Straße: ZaječíMilovice

Nové Mlýny (deutsch Neumühl) ist ein Ortsteil der Gemeinde Přítluky in Tschechien. Er befindet sich 16 Kilometer nordwestlich von Břeclav (Lundenburg) und gehört zum Okres Břeclav. Der Ort ist als ein Straßenangerdorf angelegt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rundling Nové Mlýny befindet sich am linken Ufer der Thaya unterhalb des Dammes der Talsperre Nové Mlýny. Nordöstlich erhebt sich die Přítlucká hora („Prittling“; 292 m) und südlich die Milovická pahorkatina. Im Südwesten liegen die Pollauer Berge.

Nachbarorte sind Šakvice im Norden, Zaječí im Nordosten, Přítluky im Osten, Bulhary im Süden, Milovice im Westen sowie Pavlov im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zillenüberfahrt über die Thaya

Im 11. bis 13. Jahrhundert kam es zu einer großen Siedlungsbewegung von West nach Ost. Mähren wurde von 1019 bis 1027 von der Dynastie der Přemysliden regiert. Um größere Gebiete landwirtschaftlich zu nutzen und damit höhere Erträge zu erzielen, bewarben sie die Kolonisten zum Beispiel mit zehn Jahre Steuerfreiheit (deutsches Siedlerrecht). Bis zum Jahre 1150 wurde das Gebiet um Mikulov (Nikolsburg) und Znojmo (Znaim) von deutschen Einwanderern aus Niederösterreich, besiedelt. Die Anlage des Dorfes sowie die ui-Mundart bekunden, dass sie ursprünglich aus den bairischen Gebieten der Bistümer Regensburg und Passau stammten. Sie brachten neue landwirtschaftliche Geräte mit und führten die ertragreiche Dreifelderwirtschaft ein.[2][3][4][5]

Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes erfolgte 1368. Laut Urbar 1414 wurde das bereits verödete Nikoltschitz neu besiedelt. 1558 pachteten hutterische Täufer eine leerstehende Mühle von der Herrschaft Eisgrub (Liechtenstein) und gründeten einen Bruderhof. Die Bruderschaft erhielt die Erlaubnis Bier zu brauen und mit Ungarn einen freien Handeln zu unterhalten.[6] Unter Peter Walpot, Gemeindevorsteher der Hutterischen Brüder von 1565 bis 1578, entwickelte sich Neumühl – neben Nikolsburg – zum administrativen, wirtschaftlichen und geistigen Zentrum der Hutterer. So errichteten sie eine frühindustrielle Wirtschaft mit über 34 verschiedenen Berufsgruppen. Diese produzierten aber nicht nur für die Bruderschaft, sondern auch für Nicht-Täufer. Auch begannen die Hutterer missionarisch tätig zu werden. So gehörten bald um die 30.000 Personen der Bruderschaft an.[7]

1576 plünderte Karl der Ältere von Žerotín (Karel starší ze Žerotína) den Ort. 1596 wurde das Dorf von Polen, 1605 von Ungarn und Tataren, 1619 von den Kaiserlichen und Ständischen arg heimgesucht. Nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen in der Schlacht am Weißen Berg, am Anfang des Dreißigjährigen Krieges, wurden die Hutterer im Jahre 1622 des Landes verwiesen. Die meisten zogen nach Siebenbürgen weiter.[8] Neumühl wurde daraufhin von den heimischen Bauern neu besiedelt und verblieb bis 1848 bei der Herrschaft Eisgrub und somit unter der Verwaltung der Familie Liechtenstein. Matriken werden seit 1657 geführt.[9] Grundbücher werden seit 1771 geführt. Eine einklassige Volksschule gibt es seit 1791.

Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Neumühl ab 1850 eine Gemeinde im Bezirk Auspitz. Über die Thaya verkehrte eine Seilfähre nach Millowitz. Der größte Teil der Einwohner lebten von der Landwirtschaft, wobei der sonst in Südmähren wichtige Weinbau eine untergeordnete Rolle spielte.

1918 fiel Neumühl, deren Bewohner 1910 zu mehr als 97 % deutschsprachig waren an die neugegründete Tschechoslowakei, 1938 aufgrund des Münchner Abkommens an das Deutsche Reich. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die deutschen Ortsbewohner vertrieben.

Im Jahre 1960 wurde Nové Mlýny nach Přítluky eingemeindet. 1975 begann der Bau der Thayatalsperre. Die aus drei Stauseen bestehende Anlage im Mündungsgebiet der Svratka und Jihlava wurde 1988 vollendet und hat eine Wasserfläche von 3.226 ha. Im Jahre 2001 bestand das Dorf aus 41 Wohnhäusern, in denen 151 Menschen lebten.

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindesiegel stammte aus dem Jahre 1749. Es zeigte ein Mühlrad mit der Umschrift "SIGIL NVIE.MILL 1.7.4.9."[10]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Häuser Einwohner
insgesamt
Volkszugehörigkeit der Einwohner
Deutsche Tschechen andere
1793 46 251
1836 50 313
1869 55 275
1880 56 279 273 6 0
1890 59 280 268 12 0
1900 59 267 267 0 0
1910 59 249 241 8 0
1921 56 247 220 26 1
1930 59 250 183 63 3
1939 219
1991 0
2001 151
Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Südmähren von A–Z, Frodl, Blaschka
Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv. 9. 1984

[11]

Fährunglück von 1936[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal an das Fährunglück
Nové Mlýny heute

Am 26. Mai 1936 ereignete sich um 8 Uhr in Neumühl ein schweres Fährunglück, bei dem 31 Kinder aus Rakwitz in der Thaya ertranken. Es wird auch als Rakwitzer Tragödie (Rakvická tragedie) bezeichnet.

Die 106 Rakwitzer Schüler befanden sich auf dem Wege zu einem Schulausflug in die Pollauer Berge. Der Konvoi von acht Pferdefuhrwerken setzte bei Neumühl über die Thaya. Nach den ersten beiden Überfahrten war die Fähre beim dritten Mal überladen und geriet in der Mitte des Flusses unter den Wasserspiegel. Sie lief dabei voll und ging in Sekundenschnelle unter. Von den 52 auf der Fähre befindlichen Schülern ertranken 31. Zum Gedenken an das Unglück ließ Präsident Tomáš Garrigue Masaryk einen Gedenkstein in Neumühl errichten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kapelle des Hl. Johannes von Nepomuk, errichtet 1776
  • Denkmal für die Rakwitzer Tragödie in der Thaya.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Kreuzer: Geschichte Südmährens. Band 3: Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischen Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2001, S. 210, 425, 431, 573, 577.
  • Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Der Kreis Nikolsburg von A bis Z. Einwohnerzahl, Fluren, Anbau, Denkmäler, Einrichtungen, Handel und Wandel, Vereinsleben, Geschichte, Bräuche und berühmte Leute, gesammelt und bearbeitet aufgrund der Aufzeichnungen der Ortsbetreuer des Kreises und ergänzt durch statistische Daten. Südmährischen Landschaftsrat, Geislingen/Steige 2006, S. 136.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Beck (Hrsg.): Die Geschichts-Bücher der Wiedertäufer in Oesterreich-Ungarn, betreffend deren Schicksale in der Schweiz, Salzburg, Ober- und Nieder-Oesterreich, Mähren, Tirol, Böhmen, Süd-Deutschland, Ungarn, Siebenbürgen und Süd-Russland in der Zeit von 1526 bis 1785 (= Fontes rerum Austriacarum. Abt. 2: Diplomataria et acta. Bd. 43, ISSN 0071-688X). Gerold, Wien 1883 (Nachdruck. de Graaf, Nieuwkoop 1967).
  • Gregor Wolny: Die Wiedertäufer in Mähren, Wien 1850
  • Loserth Johann. Der Communismus der mährischen Wiedertäufer im 16. und 17. Jahrhundert: Beiträge zu ihrer Geschichte, Lehre und Verfassung. Carl Gerold's Sohn, 1894
  • Ilse Tielsch-Felzmann (Hrsg.): Südmährische Sagen. Verlag Heimatwerk, München 1969.
  • Vlastimíl Vlèek: Planung der Talsperre Neumühl im Einzugsgebiet der March. 1970.
  • Wenzel Max: Thayaland. Volkslieder und Tänze aus Südmähren. 2. Auflage. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 1984.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi/736325/Nove-Mlyny
  2. http://www.planet-wissen.de/kultur/mitteleuropa/geschichte_tschechiens/pwiedeutscheintschechien100.html
  3. Joachim Rogall: Deutsche und Tschechen: Geschichte, Kultur, Politik Verlag C.H.Beck, 2003. ISBN 3 406 45954 4. Geleitwort von Václav Havel. Kapitel: Die Přemysliden und die deutsche Kolonisierung S33 f.
  4. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  5. Hans Zuckriegl: Wörterbuch der südmährischen Mundarten. Ihre Verwendung in Sprache, Lied und Schrift. 25,000 Dialektwörter, 620 S. Eigenverlag. 1999.
  6. Astrid von Schlachta: Hutterische Konfession und Tradition (1578–1619). Etabliertes Leben zwischen Ordnung und Ambivalenz (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Abteilung für Abendländische Religionsgeschichte. Bd. 198) von Zabern, Mainz 2003, ISBN 3-8053-3271-8, S. 24.
  7. Gerd Ströhmann: Erziehungsrituale der Hutterischen Täufergemeinschaft. Gemeindepädagogik im Kontext verschiedener Zeiten und Kulturen (= Historisch-vergleichende Studien zum internationalen Bildungsdialog. Bd. 2). Lit, Münster 1999, ISBN 3-8258-3978-8, S. 35 (Zugleich: Hildesheim, Univ., Diss., 1997).
  8. Bernd G. Längin: Die Hutterer. Gefangene d. Vergangenheit, Pilger der Gegenwart, Propheten der Zukunft. Rasch und Röhring, Hamburg u. a. 1986, ISBN 3-89136-061-4, S. 237.
  9. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz, dt). Abgerufen am 18. April 2011.
  10. Auspitzer Bezirk. Brünn 1924, S. 99.
  11. http://www.czso.cz/csu/2009edicniplan.nsf/t/010028D080/$File/13810901.pdf