Oechsler AG

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Oechsler AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1864
Sitz Ansbach, Deutschland
Leitung
  • Claudius M. Kozlik (CEO)
  • Christoph Faßhauer (COO)
  • Michael Meyer (CFO)

(Vorstände)

Mitarbeiterzahl ca. 3000 (2018)
Umsatz ca. 300 Mio. EUR (2017)[1]
Branche Kunststoffverarbeitung
Website www.oechsler.com

Die Oechsler AG (Eigenschreibweise OECHSLER) ist ein Unternehmen der Kunststoff verarbeitenden Industrie mit Sitz in Ansbach in Mittelfranken. Das Unternehmen beschäftigt im Geschäftsjahr 2019 weltweit rund 3000 Mitarbeiter an acht Standorten in sechs Ländern. Zu den Schlüsselkunden zählen Unternehmen der Automobilindustrie, Medizintechnik und Sportartikelhersteller.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firmengeschichte[2] geht auf das Jahr 1864 zurück. Der Namensgeber Matthias Oechsler gründete vor mehr als 150 Jahren Oechsler als Beinringler- und Beinknopfmacher Handwerksbetrieb. Im Jahr 1893 stieg sein Sohn Otto Oechsler als Mitinhaber in das Unternehmen ein und übernahm den Betrieb 1901 nach dem den Tod des Firmengründers. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg die Mitarbeiterzahl auf 1000 an.

Im Jahr 1912 erweiterte Otto Oechsler das Unternehmen mit einem Werk in Weißenburg. Bis in die 1930er Jahre expandierte das Unternehmen, ehe die Wirtschaftskrise Oechsler zwang, einzelne Abteilungen einhergehend mit einbrechenden Exporten zu schließen. Im Zweiten Weltkrieg fiel das Werk in Ansbach Bombenangriffen der Alliierten zum Opfer. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde eine neue Werkhalle für die Herstellung von Präzisionskunststoffteilen geschaffen.

Im Jahr 1947 entwickelte der inzwischen das Unternehmen leitende Albert Oechsler eine Kunststoff-Spritzgießmaschine und machte Oechsler zu einem Systemlieferanten. Zum 100-jährigen Jubiläum firmte sich Oechsler zur GmbH & Co. um. Die damalige Bahnhofsstraße heißt seitdem zu Ehren des Firmengründers Matthias-Oechsler-Straße. In den Jahren 1965 bis 1970 folgten weitere Ausbauten der Werke in Ansbach und Weißenburg.

In dem Jahr 2000 wurde aus der Matthias Oechsler & Sohn GmbH & Co. die Oechsler AG. Diese verfolgt eine Globalisierungsstrategie. Heute hat die Oechsler AG Standorte in Deutschland (Ansbach, Weißenburg, Brodswinden), China (Taicang), Rumänien (Lipova), Mexiko (Querétaro), USA (Acworth) und Vietnam (Long An).

Tätigkeitsfelder und Produktgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produkte von Oechsler umfassen unter anderem Aktuatoren, Schuhe, Antriebssysteme für Elektrofahrräder, und Komponenten für autonomes Fahren. Dabei beliefert Oechsler insb. Unternehmen der Automobilindustrie, Medizintechnik und Sportartikelhersteller.

Aktuatorik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oechsler ist spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von intelligenten Aktuatoren. Das Unternehmen beliefert bspw. ZF weltweit mit Aktuatoren für die elektronische Parkbremse. Im Jahr 2018 wurde OECHSLER von ZF in dem Bereich „Innovation“ mit dem „ZF Supplier Award“ ausgezeichnet.[3]

Footwear[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oechsler betreibt exklusiv als Technologie- und Entwicklungspartner die Speedfactory von adidas in Brodswinden und Acworth. In der vollautomatisierten Speedfactory werden individualisierte Hightech-Schuhe in 3D-Druckern produziert. Im Jahr 2018 erhielt das gemeinsame Prestigeprojekt mit adidas den Deutschen Innovationspreis. Einhergehend damit förderte das Bundeswirtschaftsministerium die Speedfactory mit 3,6 Mio. Euro.[4] Im November 2019 gab Adidas bekannt, dass die Werke bis April 2020 geschlossen werden und die Fertigung nach Asien verlagert werden soll[5].

Functional Design[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich Functional Design fertigt Oechsler Produkte mit Fokus auf Ästhetik und Funktionalität. Oechsler produziert hier unter anderem Bedienelemente für Kühlschränke, oder Multitouch Trackpads.[6]

Healthcare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Healthcare-Sektor produziert Oechsler in zertifizierten Reinräumen Produkte. Dabei ist Oechsler auf den Spritzguss von Medizinprodukten spezialisiert. Bespielprodukte sind Blutzuckermessgeräte, oder Inhaliergeräte (bspw. für Asthmaerkrankung).[7]

Powder Injection Moulding[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2015 eröffnete Oechsler basierend auf der Expertise von Keramikspritzguss ein neues Produktions- und Entwicklungszentrum in Weißenburg zur Verarbeitung von Metall- und Keramikteilen. Nachdem mit BenQ ein Schlüsselkunde in der Keramikverarbeitung Insolvenz anmeldete, konnte Oechsler BMW als Kunden gewinnen. Bis heute produziert Oechsler für BMW hochwertige Interieur-Keramikteile für BMW.[8]

Assistenzsysteme für autonomes Fahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

OECHSLER entwickelt und produziert stromleitende Heizsysteme für Sensoren für Assistenzsysteme für autonomes Fahren. Die Komponenten von Oechsler versichern, dass die Sensoren selbst bei extremen Witterungsbedingungen (z. B. Schnee oder Eis) voll funktionsfähig sind.[9]

Kunststoff-Metall-Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oechsler produziert für die Automobilindustrie Systeme für die selektive katalytische Reduktion (SCR-Systeme). Diese Technik beschreibt die Verminderung von Stickoxiden in Abgasen.

Komponenten für Vakuumpumpen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Druckaufbau auf Autobremsen werden Vakuumpumpen verwendet. Oechsler produziert hierfür Schlüsselkomponenten.

Drivematic[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den E-Bike Markt hat Oechsler eine Kombination aus Mittelmotor und Automatik-Getriebe mit einer 3-Gangschaltung entwickelt.[10]

Zahlen und Fakten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Oechsler AG erzielte im Jahr 2017 einen Umsatz von 300 Mio. Euro. Der Großteil des Umsatzes wurde im Automotive Sektor, der Rest in der Medizintechnik und den Innovative Solutions erwirtschaftet. Dabei verteilt sich der Umsatz auf die drei Wirtschaftsräume Europa, APAC und NAFTA.[11]

Die Oechsler AG gehört im Bereich der produzierenden Industrie zu den zehn größten Arbeitgebern und zu den 30 beschäftigungsstärksten Unternehmen in Mittelfranken. Sie ist mit acht Produktionsstandorten in sechs Ländern (Deutschland, China, Mexiko, Rumänien, USA, Vietnam) vertreten und beschäftigt rund 3000 Mitarbeiter, den Großteil davon in Deutschland.

Die Oechsler AG betreibt als Technologie- und Entwicklungspartner die Speedfactories von adidas in Brodswinden und Acworth. In den Speedfactories werden unter Nutzung von 3D Technologien personalisierte und spezialgefertigte Schuhe produziert.[12]

Auszeichnungen seit 2015[13][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2018: SPE Automotive Award – Parts & Components 2018 First Prize – Electronical/Optical Part "Universeller Turboaktuator" Internationale Gesellschaft für Kunststofftechnik e.V.

2018: ZF Supplier Award – Innovation ZF

2018: Innovationspreis 2018 (adidas für SPEEDFACTORY) Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

2018: Finalist im Wettbewerb "Excellence in Production" Fraunhofer IPT, WZL, RWTH Aachen University

2018: Hella Best Logistics Supplier Award Hella Corporate Center China

2017: High-Tech Enterprise Award Science and technology department and Finance department and Tax bureau of Jiangsu province

2017: Top Taxpayer Award High and new technology industry development zone management committee of Taicang Jiangsu Province

2017: Intelligent & Safety Production Award High and new technology industry development zone management committee of Taicang Jiangsu Province

2017: Advanced Technology Innovation Award High and new technology industry development zone management committee of Taicang Jiangsu Province

2017: Bosch Crazy for suCCess Award Bosch GmbH

2017: Cummins EMEA Supplier Conference Cummins Inc.

2016: ZF Supplier Award – Production Materials ZF

2016: KieCup – Oechsler Nr. 1 in Europa (Qualitätspreis) kiekert AG

2015: Großer Preis des Mittelstands Oskar Patzelt Stiftung

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2017, online verfügbar auf dem Server des Bundesanzeigers. Abgerufen am 12. März 2019.
  2. Oechsler AG. Abgerufen am 12. März 2019.
  3. ZF zeichnet seine besten Zulieferer 2018 aus. Abgerufen am 18. März 2019.
  4. SAZsport: Adidas Speedfactory erhält Geld und Deutschen Innovationspreis. Abgerufen am 18. März 2019 (deutsch).
  5. Adidas: adidas setzt Speedfactory-Technologie ab Ende 2019 bei Zulieferbetrieben in Asien ein. Abgerufen am 11. November 2019 (deutsch).
  6. OECHSLER AG. Abgerufen am 18. März 2019.
  7. OECHSLER AG. Abgerufen am 18. März 2019.
  8. Domizil für die Zukunft. Abgerufen am 18. März 2019.
  9. OECHSLER AG. Abgerufen am 18. März 2019.
  10. Hans-Heinrich Pardey: Neues rund ums Elektrorad: Mehr Antrieb dank Reibrolle und Reservetank. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 18. März 2019]).
  11. Oechsler AG. Abgerufen am 12. März 2019.
  12. Wirtschaftswoche: Adidas Speedfactory: Individualisierung stellt Adidas vor große Herausforderungen. Abgerufen am 15. März 2019.
  13. Oechsler AG. Abgerufen am 12. März 2019.