Offizierskasino (Schwerin)

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Das Offizierskasino.

Das Offizierskasino, ehemaliges Regimentsgebäude des „Großherzoglich Mecklenburgischen Feldartillerie-Regiments Nr. 60“, ist ein denkmalgeschütztes Gebäude im Stadtteil Ostorf der mecklenburg-vorpommerschen Landeshauptstadt Schwerin.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frontansicht des Offizierskasinos.

Das Offizierskasino befindet sich in der Johannes-Stelling-Straße Nr. 19 am Ende einer Sichtachse vom Schweriner Schloss über den barocken Rasenkaskaden des Schlossgartens. Die Einrichtung diente bis November 1918 der Betreuung und Bewirtung der Offiziere des „Großherzoglich Mecklenburgischen Feldartillerie-Regiments Nr. 60“.

Mit dem Bau des Offizierskasinos wurde im Jahr 1898 begonnen. Nach zweijähriger Bauzeit konnten die Offiziere des Artillerie-Regiments am 22. März 1900 ihr neues Offizierskasino übernehmen. Wenige Tage später, am 3. April, fanden dann die Einweihungsfeierlichkeiten statt.[1]

Der zweigeschossige Backsteinbau besitzt in Richtung des Schweriner Schlosses eine schmuckvolle Schaufassade und an der südöstlichen Hausecke ein Flankierungstürmchen. Obwohl die Offiziersspeiseanstalt am Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, orientierte sich die bauliche Gestaltung am Johann-Albrecht-Stil des 16. Jahrhunderts. Die Planung und Beaufsichtigung der Bauausführung hatte Baurat Oscar Wutsdorff vom Preußischen Kriegsministerium zu verantworten.[2] Herzog-Regent Johann Albrecht zu Mecklenburg nahm allerdings Einfluss auf die gestalterische Ausführung. So sind stilistische Übereinstimmungen mit Schloss Wiligrad nicht zu übersehen, welches in seinem Auftrag vorher errichtet worden war.

Die Fassaden sind mit Terrakotten und Formziegeln schmuckvoll gestaltet. Bemerkenswert sind zudem die Terrakotten über den dreibahnigen hochgestelzten Rundbogenfenstern. Sie zeigen den bekrönten Reichsadler, der wiederum von den bekrönten mecklenburgischen Wappenschildern mit Stier und Greif flankiert wird. Im Schmuckgiebel finden sich weitere Wappenschilder, welche aufwendig gestaltet wurden. Bemerkenswert ist auch der formschöne dreiteilige Halsgiebel mit seinen Lünetten und Terrakotten.

Der Süd-Ost Turm bildet einen weiteren Höhepunkt der Baugestaltung. Eine in ihm verbaute markante Spindeltreppe ermöglichte den Zugang ins Belvedere des Turmes, wo sich den Offizieren und ihren Gästen ein herrlicher Rundumblick bot. Die gebauchte Turmhaube bildete nach oben hin den Abschluss. Sie ist leider dem Verfall der letzten Jahrzehnte zum Opfer gefallen.

Eine auf der Gebäuderückseite vorhandene Terrasse ermöglichte den Offizieren nicht nur eine gute Sicht auf den Ostorfer See, sie konnten außerdem die Vorgänge auf dem in Blickrichtung gelegenen Exerzierplatz beobachten.

Im Erdgeschoss befanden sich der Speisesaal und die Gesellschaftsräume. Im Dachgeschoss hingegen hatte der damalige Kasino-Pächter seinen Wohnbereich. Die Inneneinrichtung des Hauses entsprach dem Zeitgeschmack. Der Speisesaal wurde mit einer Holzvertäfelung ausgestaltet, die nach oben hin mit dem Wappenfries abschloss. Als besonderes Schmuckstück galt der „Frühstückskeller“ im Souterrain. Hierbei handelte es sich um einen Gesellschaftsraum der mit zahlreichen humorvollen Wandbildern und Sprüchen ausgestaltet war. Zur Zierde hatte man hier auch Wandfässer angebracht, welche reich mit Schnitzwerk und Sinnsprüchen versehen waren. Von der schmuckvollen Inneneinrichtung ist nur noch wenig vorhanden.

Das Grundstück wird noch heute von der mit floralen Schmuckelementen versehenen schmiedeeisernen Tor- und Zaunanlage eingefasst.

Nutzung 1918–1994[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch nach dem Ende der Monarchie nutzten die in Schwerin garnisonierten Militäreinheiten das villenartige Kasino. Der repräsentative Bau wurde unter anderem von den Stabsoffizieren des 2. (Preußischen) Artillerie-Regiments der Reichswehr und später von den Offizieren des Artillerie-Regiments 12 der Wehrmacht genutzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Offizierskasino von den Angehörigen und dem Stab der sowjetischen 94. Garde-Schützendivision in Besitz genommen. Die Militäreinheiten der GSSD nutzten das Gebäude von Juli 1945 bis April 1993.[3] Von dieser Zeit zeugten die rückwärtige Betonmauer und die Sterne in den eisernen Einfahrtstoren. Nach dem Abzug der russischen Truppen[4] verfiel das leerstehende Offizierskasino zusehends.

Nutzung heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unternehmensgruppe Hydraulik Nord plante mit dem Kauf (2011/2012) des Gebäudes die Verlegung der Firmenzentrale dorthin. Mit der Instandsetzung, bei der Denkmalschutzauflagen einzuhalten sind, sollen Büro- und Beratungsräume im Offizierskasino entstehen.[5] Aufgrund bestehender Einsturzgefahr wurden Mitte 2012 Sicherungsarbeiten an der Fassade, am Dachtragwerk und der Saaldecke ausgeführt.[6] Der Eigentümer kündigte im November 2014 die bevorstehenden Sanierungs- und Umbauarbeiten an, welche im Mai 2015[7] begonnen wurden. Nach Abschluss der aufwendigen Baumaßnahmen ist der Einzug Anfang des Jahres 2017 vorgesehen.[8][9]

Die anderen Gebäude der ehemaligen Artilleriekaserne werden heute als Finanzamts- und Verwaltungsgebäude genutzt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großherzog Friedrich Franz II. ließ bereits im Jahr 1850 geschlossene Speiseanstalten und Bibliotheken für das Offizierskorps einrichten.[10]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden für die in Schwerin garnisonierten Regimenter neue Offiziersmessen erbaut bzw. eingerichtet. So die Offiziersmesse des Großherzoglich Mecklenburgischen Grenadier-Regiments Nr. 89, welche 1867 in der Straße Großer Moor Nr. 30 eingerichtet wurde. In der Schweriner Amtsstraße Nr. 7a befand sich hingegen die Offiziersmesse des Großherzoglich Mecklenburgischen Jäger-Bataillons Nr. 14. Das 1882 käuflich erworbene Haus verblieb bis zur Verlegung der Jäger nach Colmar (1890) in deren Nutzung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Parchmann: Militärbauten in Mecklenburg 1800–1918. (Hrsg.): Atelier für Porträt- und Historienmalerei, Schwerin 2001, ISBN 3-00-008019-8.
  • Wilhelm Jesse: Geschichte der Stadt Schwerin, von den ersten Anfängen bis zur Gegenwart. Band 2. Bärensprungsche Hofbuchdruckerei, Schwerin 1920, S. 512 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Offizierskasino Schwerin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b K. U. Keubke: Starker Nachbar für die Schloßbrücken: das Feldartillerie-Regiment Nr. 60 und seine Schweriner Kaserne, Mecklenburg-Magazin, Regionalbeilage der SVZ, Landesverl- u. Druckgesellschaft, Schwerin 1995, Nr. 28, S. 19.
  2. Reinhard Parchmann: Militärbauten in Mecklenburg 1800–1918. (Hrsg.): Atelier für Porträt- und Historienmalerei, Schwerin 2001, S. 69.
  3. Reinhard Parchmann: Militärbauten in Mecklenburg 1800–1918. (Hrsg.): Atelier für Porträt- und Historienmalerei, Schwerin 2001, S. 71.
  4. Henning Strüber: 28.4.1993: Abzug der GUS-Truppen aus Schwerin. In: ndr.de. 27. April 2013, abgerufen am 15. Juni 2017.
  5. Schweriner Volkszeitung vom 27. Oktober 2011, Casino: Jetzt fehlt nur die Unterschrift.
  6. Schweriner Volkszeitung vom 25. August 2012, Altes Offizierscasino wird gerettet.
  7. Schweriner Volkszeitung vom 4. Mai 2015 Offizierscasino Schwerin: Jetzt gehts los abgerufen am 3. April 2016.
  8. Schweriner Volkszeitung vom 28. November 2014, Pläne haben Bestand: Architekten prüfen Offizierscasino abgerufen am 11. September 2015.
  9. Schweriner Volkszeitung vom 17. Juli 2015, Offizierscasino:Jetzt wird gebaut abgerufen am 13. September 2015.
  10. Ludwig von Hirschfeld: Friedrich Franz II. Großherzog von Mecklenburg Schwerin und seine Vorgänger. Band 2. Verlag von Duncker und Humblot, Leipzig 1891, S. 15.

Koordinaten: 53° 37′ 2″ N, 11° 24′ 47″ O