Offizierskasino (Schwerin)

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Die Offiziersmesse im Jahr 1904

Das Offizierskasino, ehemaliges Regimentsgebäude des „Großherzoglich Mecklenburgischen Feldartillerie-Regiments Nr. 60“, ist ein denkmalgeschütztes Gebäude im Stadtteil Ostorf der mecklenburg-vorpommerschen Landeshauptstadt Schwerin.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frontansicht des Offizierskasinos

Das Offizierskasino befindet sich in der Johannes-Stelling-Straße Nr. 19 direkt am Ende einer Sichtachse vom Schweriner Schloss, über den barocken Rasenkaskaden des Schlossgartens. Die Einrichtung diente der Betreuung und Bewirtung der Offiziere des „Feldartillerie-Regiments Nr. 60“.

Der zweigeschossige Backsteinbau besitzt in Richtung des Schweriner Schlosses eine Schaufassade und an der östlichen Hausecke ein Flankierungstürmchen. Erbaut wurde die Offiziersspeiseanstalt am Ende des 19. Jahrhunderts, die Baugestaltung orientierte sich am Johann-Albrecht-Stil des 16. Jahrhunderts. Die Planung und Beaufsichtigung der Bauausführung übernahm Baurat Oscar Wutsdorff aus dem Preußischen Kriegsministerium. Herzogregent Johann Albrecht zu Mecklenburg nahm allerdings Einfluss auf die gestalterische Ausführung. So sind stilistische Übereinstimmungen mit Schloss Wiligrad nicht zu übersehen, welches im Auftrag des Herzogregent kurz zuvor errichtet wurde.

1898 erfolgte die Grundsteinlegung, die festliche Einweihung fand am 3. April 1900 statt.[1] Die Fassaden sind mit Terrakotten und Formziegeln schmuckvoll gestaltet, insbesondere die Terrakotten über den dreibahnigen hochgestelzten Rundbogenfenstern sind bemerkenswert. Zu sehen ist mittig der preußische Adler, bekrönt mit der kaiserlichen Krone, flankiert wird dieser von den mecklenburgischen Wappenschildern mit Greif und Stier, diese wiederum durch den Herzogenhut bekrönt. Im Schmuckgiebel finden sich weitere Wappenschilder, diese aufwendig gestaltet. Ein weiteres markantes Detail ist die Spindeltreppe ins Belvedere des Turmes, hier bot sich den Offizieren und ihren Gästen ein herrlicher Rundumblick. Die imposante gebauchte Turmhaube ist heute nicht mehr vorhanden, sie ist dem Verfall der letzten Jahrzehnte zum Opfer gefallen.

Das Grundstück wird von einer schmiedeeiserne Tor- und Zaunanlage eingefasst, diese ist teilweise mit floralen Schmuckelementen versehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Offizierskasino anfänglich von der sowjetischen „4. Mechanisierten Gardearmee“ später dann von den Angehörigen und Stab der sowjetischen „94. Garde-Mot. Schützendivision“ genutzt. Die Nutzung durch die GSSD dauerte von 1945 bis 1992, von dieser Zeit zeugen noch die rückwärtige Betonmauer und Sterne in den eisernen Einfahrtstoren. Seit dem Abzug der Truppen 1992 stand das Gebäude leer und verfiel.

Nutzung Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unternehmensgruppe Hydraulik Nord plant mit dem Kauf (2011/2012) des Gebäudes die Verlegung der Firmenzentrale dorthin. Mit der Instandsetzung, bei der Denkmalschutzauflagen einzuhalten wären, sollen Büro- und Beratungsräume im Offizierskasino entstehen.[2]

Aufgrund bestehender Einsturzgefahr wurden Mitte 2012 Sicherungsarbeiten an der Fassade, am Dachtragwerk und der Saaldecke ausgeführt.[3] Der Eigentümer kündigte im November 2014 die bevorstehenden Sanierungs- und Umbauarbeiten an, welche im Mai 2015[4] begonnen wurden, nach Abschluss der aufwendigen Baumaßnahmen ist der Einzug Anfang des Jahres 2017 vorgesehen.[5][6]

Die anderen Gebäude der ehemaligen Artilleriekaserne werden heute als Finanzamts- und Verwaltungsgebäude genutzt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großherzog Friedrich Franz II. lässt bereits 1850 geschlossene Speiseanstalten und Bibliotheken für das Offizierskorps einrichten.[7] In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden für die in Schwerin garnisonierten Regimenter neue Offiziersmessen erbaut bzw. eingerichtet. So die Offiziersmesse des Großherzoglich Mecklenburgischen Grenadier-Regiments Nr. 89, diese wurde 1867 in der Straße „Großer Moor“ Haus Nr. 30 eingerichtet. In der Schweriner Amtsstraße befand sich hingegen die Offiziersmesse des "Jägerbataillons Nr. 14", allerdings war das Bataillon ab 1890 in Colmar garnisoniert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Offizierskasino Schwerin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b K. U. Keubke: Starker Nachbar für die Schloßbrücken: das Feldartillerie-Regiment Nr. 60 und seine Schweriner Kaserne, Mecklenburg-Magazin, Regionalbeilage der SVZ, Landesverl- u. Druckgesellschaft, Schwerin 1995, Nr. 28, S. 19.
  2. Schweriner Volkszeitung vom 27. Oktober 2011, Casino: Jetzt fehlt nur die Unterschrift..
  3. Schweriner Volkszeitung vom 25. August 2012, Altes Offizierscasino wird gerettet.
  4. Schweriner Volkszeitung vom 4. Mai 2015 Offizierscasino Schwerin: Jetzt gehts los abgerufen am 3. April 2016.
  5. Schweriner Volkszeitung vom 28. November 2014, Pläne haben Bestand: Architekten prüfen Offizierscasino abgerufen am 11. September 2015.
  6. Schweriner Volkszeitung vom 17. Juli 2015, Offizierscasino:Jetzt wird gebaut abgerufen am 13. September 2015.
  7. Ludwig v. Hirschfeld: Friedrich Franz II. Großherzog von Mecklenburg Schwerin und seine Vorgänger. Band II., Verlag von Duncker und Humblot, Leipzig 1891, S. 15.

Koordinaten: 53° 37′ 2″ N, 11° 24′ 47″ O