Offshore-Windpark Wikinger

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Offshore-Windpark „Wikinger“
Lage
Offshore-Windpark Wikinger (Ostsee)
Offshore-Windpark Wikinger
Lage in der deutschen AWZ in der Ostsee
Koordinaten 54° 50′ 2″ N, 14° 4′ 5″ OKoordinaten: 54° 50′ 2″ N, 14° 4′ 5″ O
Land Deutschland
Gewässer Ostsee
Daten
Typ Offshore-Windpark
Primärenergie Windenergie
Leistung 350 MW (elektrisch)
Eigentümer Iberdrola Renovables
Betreiber Iberdrola Renovables Offshore Deutschland GmbH[1]
Projektbeginn 2002[2]
Betriebsaufnahme 29. Dezember 2017 (Probebetrieb)
Gründung Jacket
Turbine 70 × Adwen AD 5-135
Website scottishpowerrenewables.com
Stand Januar 2018
f2

Der Windpark Wikinger ist ein Offshore-Windpark (OWP) in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Ostsee, bestehend aus 70 Windenergieanlagen. Er soll Strom für 350.000 Haushalte liefern. Dies entspricht mehr als 20 % des Stromverbrauchs von Mecklenburg-Vorpommern.[3] Der Windpark wurde vom spanischen Energieversorger Iberdrola etwa 35 Kilometer nordöstlich der Insel Rügen gebaut. Die Investitionskosten betragen 1,4 Mrd. Euro.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Windpark befindet sich am nordöstlichen Rand der deutschen AWZ in der Ostsee, 25 Seemeilen südwestlich der dänischen Ostseeinsel Bornholm, und ungefähr 7 Seemeilen nordwestlich des Adlergrundes. Er steht auf einer Fläche von 34 Quadratkilometern. Die Wassertiefen im Gebiet des Windparks betragen etwa 32 bis 42 Meter.

Direkt südöstlich des Windparks befindet sich der in Bau befindliche Offshore-Windpark Arkona mit 60 Windenergieanlagen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf den Antrag der Arcadis Consult GmbH in Rostock vom 19. September 2002 wurde die erste Genehmigung für den Bau und Betrieb des damals noch Ventotec Ost 2 genannten Windparks mit 80 Windenergieanlagen in der AWZ am 16. Mai 2007 vom hier zuständigen Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie an die Ventotec Ost 2 KG erteilt.[2] Am 28. September 2015 erfolgte die Genehmigung des geänderten und jetzt 70 Anlagen umfassenden Windparks an die Iberdrola Renovables.[1]

Im Februar 2016 wurde um das Baufeld auf See eine Sicherheitszone mit Befahrensverbot für nicht autorisierte Fahrzeuge um die vorgesehenen Standorte der äußeren Windenergieanlagen eingerichtet.[4] Daraufhin konnte im März 2016 mit dem Bau des Windparks begonnen werden. Am 8. August 2016 wurde die Umspannplattform in der Navantia-Schiffswerft in San Fernando (Spanien) fertiggestellt.[5] Sie wurde dann ins Baugebiet der Ostsee verschifft und dort noch im August errichtet.[6] Die Gründung der Jacket-Fundamente und die Verlegung der Innerpark-Verkabelung wurden im Januar 2017 abgeschlossen. Die erste Windenergieanlage wurde im Februar 2017 installiert.[3][7] Bis Juli 2017 war die Hälfte aller Anlagen errichtet[8], Ende Oktober wurde die letzte Anlage installiert.[9][10] Die Aufnahme des Probe- und Einstellbetriebes aller Anlagen erfolgte am 29. Dezember 2017.[11][12][13]

Technischer Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fundamente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fundamente wurden mit dem Spezialschiff „Giant 7“ installiert. Sie stammten aus dem spanischen Ort Aviles. Die Jacket-Fundamente wurden bis zu 40 Meter tief in den Meeresboden verankert. Die Wassertiefe beträgt dort etwa 31 bis 43 Meter.

Windenergieanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Windenergieanlagen haben eine installierte Leistung von jeweils 5 Megawatt. Es handelt sich um Anlagen vom Typ Adwen AD 5-135. Der Rotordurchmesser beträgt 135 Meter. Insgesamt hat der Park mit seinen 70 Anlagen eine Leistung von 350 Megawatt.

Die Anlagen wurden im Ausrüstungshafen Mukran Port auf Rügen vormontiert und ab Februar 2017 mit Hilfe des ErrichterschiffesBrave Tern“ auf die Fundamente montiert.[14]

Netzanschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umspannplattform mit dem Namen „Andalucía“ ruht auf einer Jacket-Gründung aus sechs Pfählen und wiegt zusammen 8500 Tonnen.[5]

Die 70 Windenergieanlagen sind auf 33 kV Mittelspannungsebene mit der Umspannplattform im Windpark verbunden, die den Strom auf Höchstspannung von 220 kV transformiert.[6] Von dort aus wird der Strom gebündelt über das Drehstrom-Seekabel-Projekt „Ostwind 1“ in das Umspannwerk nach Lubmin ans Festland übertragen.[15] Ostwind 1 besteht aus drei Leitungssystemen, hat je System eine Länge von 90 km auf See und 3 km an Land. Außerdem besteht eine elektrische Verbindung zur Umspannplattform „Arkona“ im benachbarten Offshore-Windpark Arkona. Für den Netzanschluss ist das Unternehmen 50Hertz Offshore zuständig.[16]

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iberdrola nutzt für 25 Jahre ein Gelände im Mukran Port am Liegeplatz 1 als Wartungs- und Servicepunkt. Hier steht das Betriebsgebäude, errichtet durch das Bauunternehmen Goldbeck.[14][17] Ende März 2017 wurde das Gebäude vom Mecklenburg-Vorpommerischen Energieminister Christian Pegel feierlich eröffnet.[18]

Durch den Betrieb des Windparks soll die Entstehung von 600.000 Tonnen CO2 pro Jahr vermieden werden. Durch das Projekt entstehen 100 direkte und indirekte Arbeitsplätze.[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Änderungsgenehmigung vom 28. September 2015. In: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. Abgerufen am 23. Februar 2017 (PDF).
  2. a b Genehmigungsbescheid vom 16. Mai 2007. In: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. Abgerufen am 23. Februar 2017 (PDF).
  3. a b Erste Adwen-Turbine steht im Ostsee-Windpark Wikinger. iwr.de, 22. Februar 2017, abgerufen am 22. Februar 2017.
  4. Allgemeinverfügung der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Außenstelle Nord. In: NfS 07/16 vom 19. Februar 2016, Teil 4: Mitteilungen, S. 4.5/4.6
  5. a b Iberdrola, 50Hertz und Navantia feiern Auslieferung der Umspannplattform für Wikinger. Windkraft-Journal, 8. August 2016, abgerufen am 1. August 2017.
  6. a b Iberdrola und 50Hertz: Umspannplattform Andalucía für Offshore-Windpark Wikinger angekommen. Windkraft-Journal, 29. August 2016, abgerufen am 1. August 2017.
  7. Offshore-Windpark „Wikinger“: Erstes Rad steht. In: Nachrichten – Mecklenburg-Vorpommern. Norddeutscher Rundfunk, 20. Februar 2017, abgerufen am 1. August 2017.
  8. Halbzeit im größten deutschen Ostsee-Windpark. erneuerbareenergien.de, 10. Juli 2017, abgerufen am 11. Juli 2017.
  9. Offshore-Windpark "Wikinger" fertiggestellt. NDR.de, 26. Oktober 2017, abgerufen am 15. November 2017.
  10. Turbines installed at 350MW Wikinger site. In: Windpower Offshore, 26. Oktober 2017, abgerufen am 26. Oktober 2017.
  11. Offshore-Vorhaben in der Ostsee. In: Leitungsvorhaben. Bundesnetzagentur, 30. September 1017, abgerufen am 18. November 2017.
  12. Offshore Windpark Wikinger liefert ersten Strom. In: iwr.de. 28. Dezember 2017, abgerufen am 1. Januar 2018.
  13. Wolfhart Fabarius: Offshore-Windpark „Wikinger“ am Netz. In: Täglicher Hafenbericht vom 4. Januar 2018, S. 14
  14. a b Offshore-Hafen: Bewährungsprobe bestanden. erneuerbareenergien.de, 6. Februar 2017, abgerufen am 9. Februar 2017.
  15. Martina Rathke: Strang von Offshore-Stromkabel "Ostwind 1" liegt im Meeresboden. In: Heise online. Verlag Heinz Heise, 19. Juni 2017, abgerufen am 14. September 2018.
  16. Ostwind 1. 50Hertz Transmission, abgerufen am 14. September 2019.
  17. Goldbeck baut Kontrollzentrum für Offshore-Windpark Wikinger. iwr.de, 1. Februar 2016, abgerufen am 9. Februar 2017.
  18. a b Operation & Maintenance Building for Wikinger Offshore Windfarm Inaugurated. offshorewindindustry.com, 23. März 2017, abgerufen am 30. März 2017 (englisch).