Oligoklas

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Oligoklas
Oligoclase-4jg47a.jpg
Oligoklas aus Chihuahua, Mexiko
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel
  • (Na,Ca)[(Si,Al)4O8][1]
  • (Ca,Na)[(Al,Si)2Si2O8][2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.FA.35 (8. Auflage: VIII/J.07)
76.01.03.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1
Raumgruppe C1 (Nr. 2, Stellung 3)[3]Vorlage:Raumgruppe/2.3
Gitterparameter a = 8,16 Å; b = 12,82 Å; c = 7,14 Å
α = 94,0°; β = 116,5°; γ = 88,6°[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Zwillingsbildung Karlsbader- und Periklin-Zwillinge ähnlich dem Albit[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6 bis 6,5[4]
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,63 bis 2,66; 2,624 bis 2,652[4]
Spaltbarkeit vollkommen nach {001}, unvollkommen nach {010} und {110}[4]
Bruch; Tenazität muschelig bis uneben; spröde
Farbe farblos, weiß, gelb, rot, grün, vielfarbig
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Doppelbrechung δ = 0,007
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Pleochroismus farblos
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale Fluoreszenz

Oligoklas ist ein sehr häufig vorkommender Mischkristall aus der Reihe der „Plagioklase“ mit den Endgliedern Albit und Anorthit. Oligoklas gehört damit wie diese zur Gruppe der Feldspate innerhalb der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“.

Bis 2009 wurde Oligoklas bei der International Mineralogical Association (IMA) noch als sogenanntes Intermediate member geführt,[5] gilt jedoch nicht als eigenständige Mineralart und wird in einigen Quellen auch als Varietät von Albit angesehen.[6][7]

Oligoklas besteht zu 70–90 % Albit bzw. enthält 10–30 % Anorthit mit der chemischen Zusammensetzung (Na,Ca)[(Si,Al)4O8][1]. Er kristallisiert im triklinen Kristallsystem und findet sich meist eingewachsen in körnigen Mineral-Aggregaten mit je nach Fremdbeimengung verschiedenen Farben von gelb bis rot, grün oder auch vielfarbig.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Ologoklas wurde 1826 von August Breithaupt geprägt und setzt sich zusammen aus den griechischen Worten ὀλίγος oligos für „wenig“ und κλάω klas für „brechen“ oder „spalten“, zusammengesetzt also „wenig spaltend“ oder auch „weniger gut spaltbar“.[8] Die Bezeichnung nimmt damit Bezug auf die Eigenschaft der Spaltbarkeit, die beim Oligoklas weniger gut ausgeprägt ist als bei anderen Feldspaten, insbesondere beim Albit (Tetartin).[9]

Varietäten und Modifikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Natürlicher Sonnenstein aus Indien

Die Varietät Aventurin-Feldspat oder auch Sonnenstein hat eine rötlich-bräunliche Farbe und glitzert stark durch mikrokristalline Einschlüsse von Hämatit und anderen Eisenoxiden. Er wird oft mit Aventurin-Quarz verwechselt und durch Goldfluss imitiert.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oligoklas ist ein typischer, gesteinsbildender Mischkristall und bildet sich entweder magmatisch in Granit, Syenit, Andesit oder Pegmatit sowie metamorph in Gneis oder Migmatit.

Als Fundorte sind vor allem Ontario in Kanada, Oregon in den USA, Arendal und Tvedestand in Norwegen, der Ural in der Russischen Föderation, Badajoz in Spanien und Vežná in Tschechien zu nennen.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oligoklas in verschiedenen Schliffformen

Farbloser Oligoklas in Schmucksteinqualität ist nur selten zu finden. Zudem ist er aufgrund seiner vollkommenen Spaltbarkeit empfindlich gegenüber Druck und Wärmeeinwirkung bei Fass- und Reparaturarbeiten. Für Sammler wird er aber dennoch gelegentlich in verschiedenen Schliffformen angeboten.

Die Varietät Sonnenstein wird zu Schmucksteinen verarbeitet. Sie kommt zum Beispiel in Indien, Norwegen, Südafrika und den USA vor und wird oft imitiert. Die bekannteste Imitation ist der sogenannte Goldfluss (auch Goldstein oder Aventuringlas). Dabei wird geschmolzenem Glas Kupfer oder Hämatit in mikrokristalliner Form beigefügt. Das Verfahren wurde bereits im 17. Jahrhundert von venezianischen Glasherstellern praktiziert. Nach dem Abkühlen werden die Glasbruchstücke in verschiedene Schmucksteinformen geschliffen oder zu Trommelsteinen verarbeitet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der Minerale

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • U. Kraeft, H. Saalfeld: Über die Aventurin-Oligoklase von Tvedestrand und Bjordam (Norwegen). In: Schweiz. Min. u. Petr. Mitt. Band 47, 1967, S. 247–256.
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 265.
  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 783 (Erstausgabe: 1891).
  • Bernhard Bruder: Geschönte Steine. Das Erkennen von Imitationen und Manipulationen bei Edelsteinen und Mineralien. Neue Erde Verlag, 2005, ISBN 978-3-89060-079-6, S. 45.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Oligoclase – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X.
  2. Berthold Ottens, Michael Huber: Chemie, Struktur & Eigenschaften. In: Feldspat. Das häufigste Mineral (= Christian Weise [Hrsg.]: extraLapis. Band 30). Christian Weise Verlag, 2010, ISSN 0945-8492, S. 64.
  3. Die Nummerierung dieser Achsenstellung entspricht nicht der Reihenfolge der International Tables for Crystallography, da diese dort nicht aufgeführt wird.
  4. a b c d Oligoclase. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 84 kB; abgerufen am 1. November 2017]).
  5. IMA/CNMNC List of Mineral Names 2009 (PDF 1,8 MB)
  6. Mineralienatlas: Oligoklas (Wiki)
  7. Mindat – Oligoclase (englisch)
  8. Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 285.
  9. August Breithaupt: Bemerkungen über das Geschlecht des Feldspath - Grammit´s und Beschreibung des Oligoklases, einer neuen Spezies desselben. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 8, 1826, S. 231–242 (rruff.info [PDF; 565 kB; abgerufen am 1. November 2017]).