Oskar Sembach

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Oskar Sembach, (* 3. Juli 1856 in Gräfenthal/Thüringen; † 22. März 1943 in Lauf a. d. Pegnitz) war Porzellantechniker, Entwickler der Formgebungstechnik Trockenpressen für den keramischen Rohstoff Steatit und Unternehmer.

Oskar Sembach
Belegschaft der Firma Sembach GmbH & Co. KG gratuliert zum 80. Geburtstag von Oskar Sembach

Er gründete gemeinsam mit seinem Betriebsleiter Peter Molzberger am 4. März 1904 die Firma „Speckstein Steatit GmbH“ in Lauf a. d. Pegnitz. Das Unternehmen entwickelte sich von einem kleinen Hersteller für Bauteile aus Steatit zu einem international tätigen Anbieter für Technische Keramik. Die heute in vierter Generation von Martin Sembach geführte Sembach GmbH & Co. KG (Sembach Technical Ceramics) produziert keramische Komponenten für die Automobilindustrie, für Hausgeräte, den Maschinen- und Anlagenbau, die Energietechnik und den Bereich Messen, Steuern, Regeln. Rund 60 Prozent seines Umsatzes macht das Unternehmen heute mit der Automobilindustrie und erwirtschaftet mit über 230 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 20 Millionen Euro. Der Exportanteil beläuft sich auf 60 Prozent. Als erster europäischer Keramikhersteller wurde Sembach 2011 mit dem „Bosch Supplier Award 2009/2010“ in der Kategorie Komponenten und Materialien ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Firmengründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oskar Sembach wurde am 3. Juli 1856 in Gräfenthal/Thüringen geboren. Seine Eltern besaßen dort einen Gerberbetrieb, den er der Tradition nach übernehmen sollte. Nachdem er die Realschule in Saalfeld/Saale beendet hatte, erlernte Oskar Sembach das Gerberhandwerk im elterlichen Betrieb.

1882 entschloss er sich zu einer Umschulung und wechselte damit in die Porzellan-Branche. In den darauf folgenden zehn Jahren arbeitete er für verschiedene namhafte Porzellanfirmen, sowohl in der Entwicklung als auch in der Fabrikation, zuletzt bei der Firma Krug in Lauf a. d. Pegnitz.

1902 trat Oskar Sembach in die Firma Stadelmann in Nürnberg ein. Zu seinem Aufgabengebiet gehörte die Verbesserung der Nasspresstechnik für Steatit-Massen, da deren Qualität zum damaligen Zeitpunkt den Ansprüchen nicht genügte. Die Oberfläche war ziemlich rau und uneben und die Maßhaltigkeit war schlecht.

1903 gelang Oskar Sembach der Versuch, mit getrockneter Steatit-Masse ein akzeptables Produkt zu erzeugen. Bei der Verarbeitung einer fast trocken gewordenen Masse zeigte sich, dass auch diese sich gut verpressen ließ. Die Brennproben ergaben ein glattes Produkt, das den gestellten Anforderungen entsprach. So gilt Oskar Sembach als Wegbereiter des Trockenpressverfahrens von Steatit – ein Verarbeitungsverfahren, dem in der Folgezeit eine wesentliche Bedeutung zukam.

Die Zeit als Unternehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. März 1904 gründete Oskar Sembach zusammen mit Peter Molzberger sein eigenes Unternehmen, die Firma „Speckstein Steatit Gesellschaft m. b. H.“ in Lauf a. d. Pegnitz. Den Porzellantechniker Peter Molzberger kannte er bereits von seinem vorherigen Arbeitgeber Stadelmann.

Der erste Bau auf dem Firmengelände der Speckstein Steatit GmbH war ein einstöckiges Gebäude von acht Metern Breite und 16 Metern Länge. Der erste Brennofen hatte ein Fassungsvermögen von etwa einem halben Kubikmeter. Es wurde täglich einmal gebrannt. Bereits ein Jahr nach der Gründung geriet der vorhandene Brennofen an seine Grenzen und Sembach ließ einen größeren Ofen mit 1,3 Kubikmetern Inhalt bauen. Die Fertigung beschränkte sich anfangs hauptsächlich auf einfache Artikel, die aus reinem Pulver aus Speckstein ohne mineralische Zusätze hergestellt wurden und vorwiegend in der Gasglühlichtindustrie Verwendung fanden.

Die Expansion des elektrotechnischen Industriezweigs in Deutschland ermöglichte Sembach neue Absatzmärkte. Dafür musste das Unternehmen vollständig auf Steatit umstellen. Die Fabrikation mit Steatit erforderte mehr Platz. So musste 1905 eine Erweiterung der Fabrikationsräume vorgenommen werden.

1907 verließ sein Partner Peter Molzberger das Unternehmen und gründete in Lauf einen neuen Betrieb zusammen mit dem Kaufmann Bernhard Döbrich: die Firma Döbrich & Molzberger. Diese Neugründung war eine von vielen, die aus der Speckstein Steatit GmbH hervorgingen und schließlich dazu führten, dass am Standort Lauf noch heute zahlreiche Keramik-Hersteller zu finden sind.

1921 verzichtete Oskar Sembach darauf, mit verschiedenen anderen Steatit-Firmen zu fusionieren. Sein klarer Grundsatz: „Lieber kleiner Herr, als großer Knecht!“. Im gleichen Jahr nahm er seinen Schwiegersohn Wilhelm Krentler als kaufmännischen Leiter in die Firma auf.

1926 kam sein Sohn Erhard Sembach in die Firma. Trotzdem zog sich Oskar Sembach selbst nicht aus der Firma zurück. Im Jahre 1936 wurde die Firma in eine Kommandit-Gesellschaft umgewandelt: Sembach GmbH & Co. KG. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges veränderte das Unternehmen Sembach maßgeblich: Am 2. Februar 1943 geriet Erhard Sembach in Stalingrad in sowjetische Kriegsgefangenschaft und war offiziell den Heldentod gestorben. Oskar Sembach glaubte den Sohn, der die Firma fortführen sollte, verloren und damit sein Lebenswerk bedroht.

Oskar Sembach erlebte den Ersten Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise und auch den Beginn des Zweiten Weltkrieges. Insgesamt 39 Jahre stand er der Firma vor. Mit unternehmerischem Geschick, ausgezeichneter Fachkenntnis, immensem Fleiß und einer starken innerbetrieblichen Geschlossenheit gelang es Oskar Sembach, die Firma auch in Krisenzeiten auf Kurs zu halten und auf dem Markt zu etablieren. In den letzten Jahren seiner Geschäftstätigkeit zog sich Oskar Sembach immer mehr aus dem Alltagsgeschäft zurück. Am 22. März 1943 verstarb er im Alter von 86 Jahren. Den Wiederaufbau der Firma nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Oskar Sembach nicht mehr mit.

Als am 1. September 1949 Erhard Sembach nach Lauf zurückkehrte, übernahm er wieder die Geschäfte der Firma Sembach, die bis zur Währungsreform 1948 unter die Aufsicht eines Treuhänders gestellt wurde. 1957 trat Hartmut Sembach in die Firma ein sowie drei Jahre später Erdmann Sembach und Joachim Krentler. 1989 verließ Erhard Sembach nach 63 Jahren die Firma und starb ein Jahr später im Alter von 91 Jahren. 1997 übergaben Hartmut und Erdmann Sembach den Betrieb an Martin Sembach, der das Unternehmen Sembach Technical Ceramics heute in vierter Generation führt.

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Formgebungsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vormarsch der Elektrotechnik Anfang des vergangenen Jahrhunderts brachte für die Keramikhersteller einen völlig neuen Fabrikationszweig mit sich: die Herstellung von Isolierteilen. Für die Formgebung der Isolierteile mussten sie die in der Porzellanindustrie übliche Nasspressung aus Stahlmatrizen anwenden. Doch die Qualität des nassgepressten Steatits entsprach nicht den Anforderungen der Industrie. Die Oberfläche war ziemlich rau und uneben und die Maßhaltigkeit war schlecht. Diese Mängel zu beseitigen, betrachtete Oskar Sembach als seine Hauptaufgabe. Während der tagelangen Versuche zur Verarbeitung fast trocken gewordener Steatit-Masse stellte er fest, dass diese auch im trockenen Zustand verpresst werden kann. Die Brennproben ergaben ein schönes, glattes Produkt, das den gestellten Anforderungen weitgehend entsprach und dem der Konkurrenz in nichts nachstand. So war Oskar Sembach 1903 der erste Porzellanfachmann, der zur Herstellung von Keramikteilen das Trockenpressen einsetzte – ein aus heutiger Sicht grundlegendes Formgebungsverfahren für Technische Keramik.

Stadtentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Was auf 128 Quadratmetern mit einem Kapital von 20.000 Mark begann, ist nicht nur die Geschichte der Unternehmerfamilie Sembach, sondern markiert gleichzeitig den Anfang der gesamten technisch-keramischen Industrie in Lauf a. d. Pegnitz.

Bereits im Mittelalter hatte man die Wasserkraft der Pegnitz zum Betrieb zahlreicher Wasserräder genutzt. Ab 1275 sind Mühlen- und Hammerwerke überliefert. Diese Betriebe zeigten bereits vorindustrielle Formen. Zahlreiche Arbeiter fanden hier lohnende Beschäftigung.

Während der Industrialisierung hatte Lauf aufgrund der vorhandenen Arbeitskräfte einen entscheidenden Standortvorteil. Dies führte unter anderem zur Ansiedlung der Ofenfabrik Georg Bankel und der Porzellanfabrik Fritz Krug. Es waren in Lauf bereits Porzellanfachleute tätig, als Oskar Sembach seine Firma gründete und noch weitere Unternehmen aus der Branche hinzukamen. 1907 gründete der Partner Oskar Sembachs, Peter Molzberger, ein neues Unternehmen in Lauf. Diese Neugründung war eine von vielen, die aus der Speckstein Steatit GmbH hervorgingen.

Die Stadt entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer kleinen Industriestadt und avancierte in den 1960er Jahren zum Mittelpunkt der westdeutschen Steatitindustrie. Noch heute herrscht in Lauf eine bundesweit einmalige Konzentration an Unternehmen, die sich mit der Produktion Technischer Keramik befassen. Es werden heute in vier Laufer Keramik-Unternehmen etwa 1.000 Arbeitskräfte beschäftigt.

Namensgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßen in Lauf a. d. Pegnitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund 500 Straßen, Plätze und Wege gibt es derzeit in Lauf a. d. Pegnitz. Wie in vielen Kommunen Deutschlands ist es auch in Lauf seit jeher üblich, Straßen nach Personen zu benennen, die sich um die Stadt und ihre Entwicklung verdient gemacht haben.

In Anerkennung seiner Leistungen für die Stadt Lauf wurde Oskar Sembach 1958 erstmals zum Namensgeber einer Straße: die Dehm-Straße bekam den neuen Namen Oskar-Sembach-Straße. Dort hat auch die Sembach GmbH & Co. KG ihren Firmensitz.

2009 entschied sich die Stadt Lauf erneut dazu, einer Straße den Namen ihres achtbaren Bürgers zu geben. Der Oskar-Sembach-Ring leitet als eine der beiden Hauptstraßen durch das neu entstandene Gewerbegebiet am westlichen Rand der Stadt.

Oskar-Sembach-Realschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Realschule am 25. April 2005 bekam die staatliche Realschule in Lauf den Namen des Firmengründers Oskar Sembach verliehen: Oskar-Sembach-Realschule. Die Schule wollte mit der Namensgebung die Bindung zur Wirtschaft und zur Stadt Lauf verdeutlichen und entschied sich für das Unternehmen Sembach. Die Stabilität eines über 100 Jahre alten Familienbetriebes, dass innovativ arbeitet, weltweit agiert und seine Wurzeln in der Stadt Lauf hat, waren die ausschlaggebenden Kriterien. Das Unternehmen unterstützt die Schule projektbezogen mit finanziellen Mitteln und steht der Schule besonders bei Themen rund um Ausbildung beratend und mit konkreten Maßnahmen zur Seite.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]