Osteomyelofibrose

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Klassifikation nach ICD-10
D47.4 Osteomyelofibrose
ICD-O 9961/3
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Die Osteomyelofibrose (OMF), auch Myelofibrose, Knochenmarkfibrose oder Osteofibrose (englisch osteomyelofibrosis) genannt, ist eine myeloproliferative Neoplasie und stellt eine fortschreitende Erkrankung des Knochenmarks dar. Sie kann als eine eigenständige Erkrankung (primäre bzw. idiopathische Myelofibrose, PMF, IMF) auftreten oder als Folge einer anderen Krankheit, die das Knochenmark verändert, z. B. bei der Polycythaemia vera, sich sekundär manifestieren.

Häufigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Osteomyelofibrose ist eine seltene Erkrankung, von der Frauen häufiger betroffen sind. Der Manifestationsgipfel liegt zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Die Inzidenz beträgt ca. 1,5:100.000/Jahr oder ca. 1200 Fälle pro Jahr in Deutschland.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mögliche Ursachen für die OMF sind:

  • Primäre OMF: „zufällig“ erworbene Gendefekte
  • Sekundäre OMF:

Auch bei den sekundären Formen geht man davon aus, dass diese durch erworbene Gendefekte verursacht sind (alle bösartigen, d. h. Tumorerkrankungen sind genetisch bedingte Erkrankungen), jedoch sind diese Gendefekte nicht quasi „sporadisch“ aufgetreten, sondern aufgrund einer klar definierbaren vorangegangenen Schädigung.

Pathogenese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der OMF kommt es zu einer progredienten Fibrosierung (Verödung) des blutbildenden Knochenmarkgewebes. Die Blutbildung ist gestört. Vermutlich setzen die veränderten Blutzellen und ihre Vorstufen Substanzen frei, die eine vermehrte Faserbildung im Knochenmarksgewebe hervorrufen können. Die Blutbildung findet immer mehr in der Leber und Milz statt, da das Knochenmark wegen zunehmender Faserbildung seine Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen kann. Folge kann eine vergrößerte Milz und/oder Leber sein.

Bei der Mehrzahl der Patienten hat man inzwischen Gendefekte als wesentliche Ursache für die Entstehung der Erkrankung identifizieren können. Am häufigsten (in etwa 50 %) findet sich eine Punktmutation im Gen JAK2 („Januskinase 2“), die zu einem Aminosäureaustausch V617F (Austausch der Aminosäure Valin an Position 617 gegen Phenylalanin) führt. Am zweithäufigsten (in etwa 25 %) werden Mutationen im Gen CALR (Calreticulin) beobachtet. Da sich beide Mutationen jedoch auch bei anderen, verwandten Erkrankungen finden (Essentielle Thrombozythämie, Polyzythämia vera) wird davon ausgegangen, dass noch weitere, bisher noch nicht sehr gut charakterisierte Mutationen hinzukommen, um den klinischen Phänotyp einer Osteomyelofibrose zu verursachen. Diese Gendefekte sind erworben, also nicht ererbt und auch nicht vererbbar, da die Keimbahnzellen nicht betroffen sind (die Gendefekte finden sich nur in den Zellen des blutbildenden Systems).

Klinik/Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Anfang der Krankheit bleiben die Patienten symptomlos, erst nach längerer Zeit wird die Erkrankung diagnostiziert.

Eine mangelhafte bzw. fehlerhafte Blutbildung kann folgende Symptome hervorrufen:

  • Verschiedene Anämieformen
  • Am Anfang besteht eine Thromboseneigung
  • Später können Blutungen aufgrund einer Thrombozytopenie vorkommen.
  • Leukozytosen
  • Linksverschiebung des Blutbildes (Auftreten von unreifen Vorstufen der Blutzellen im peripheren Blut)
  • erhöhte alkalische Leukozytenphosphatase
  • Erythrozyten zeigen im Blutausstrich eine „Tränentropfenform“ (=Dakryocyten, teardrop-Poikilocytose).

Weitere Symptome:

  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Durchfall
  • Nachtschweiß
  • Eine stark vergrößerte Milz (Splenomegalie) oder Leber (Hepatomegalie) kann Oberbauchbeschwerden hervorrufen.
  • Gelenkschmerzen
  • Sehstörungen

Diagnostik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anamnese: Müdigkeit und Gewichtsverlust (siehe Symptome)
  • Blutbild zeigt eine Linksverschiebung (Auftreten von unreifen Vorstufen der Blutzellen im peripheren Blut; siehe auch Erythrozytenverteilungsbreite)
  • Abtasten und Ultraschalluntersuchung der Milz und Leber (Oberbauchschmerzen)
  • Röntgen: evtl. Verkalkung (=Sklerosierung) der Knochen beobachtbar.
  • Diagnosesicherung durch Knochenmarkpunktion (KMP) und Abgrenzung von anderen myeloproliferativen Erkrankungen.
  • Knochenmark- bzw. Blutuntersuchung auf das Vorliegen einer JAK2 V617F-Mutation bzw. von Calreticulin-Mutationen

Differentialdiagnosen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die OMF ist eine chronische und anspruchsvolle Erkrankung und sollte von Experten (Hämatologen) aufmerksam beobachtet und behandelt werden. Daher hier nur grob:

Prognose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Prognose von vielen Faktoren abhängig (Primär- oder Sekundärerkrankung, andere Erkrankungen) ist, ergeben sich keine generalisiert darstellbare Ergebnisse. Das mediane Überleben nach Diagnosestellung betrifft je nach Studie zwischen 4 und 7 Jahren, obwohl auch Langzeitüberlebende bis 20 Jahre beschrieben worden sind. Die wichtigsten Todesursachen sind schwere Infekte (aufgrund der Knochenmarksschwäche) und die Umwandlung in eine aggressive Form der akuten Leukämie.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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