Osteria

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Dieser Artikel beschreibt die Gaststätte. Zur deutschen Systemgastronomie-Kette siehe L’Osteria.
Typische venezianische Osteria

Osteria ist die Bezeichnung für eine Gaststätte in Italien und im Schweizer Kanton Tessin, in der man hauptsächlich Wein und kleinere Speisen serviert.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Osteria stammt vom alten französischen Wort für Wirt „oste, ostesse“, der seinerseits aus dem Lateinischen (hospite(m)) kommt und ist daher vom Wortstamm zu vergleichen mit der deutschen „Wirtschaft“. Einer der ersten Nachweise des Ausdrucks hostaria findet sich in den Magistratsvorschriften der „Signori di Notte“ (Herren der Nacht), die, wie der Name erkennen lässt, über die Nachtruhe im Venedig des 13. Jahrhunderts wachten.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vergleichbare Lokale existierten schon im antiken Rom, genannt enopolium, während man im thermopolium auch warme Speisen und Getränke servierte. Diese wurden in großen Behältern aufbewahrt, die in den Tresen eingelassen waren: Gut erhaltene Beispiele kann man noch in den Ausgrabungen des antiken Pompejis sehen.

Osterien entstanden als Raststätten an Durchgängen oder in Handelsplätzen wie Straßen, Kreuzungen, Plätzen und Märkten, häufig in bescheidenen Gebäuden. Schon bald entwickelten sie sich als Treffpunkte, Versammlungsstätten und Orte der sozialen Beziehungen. Wein war ein unverzichtbarer Bestandteil, um den herum alles andere sich bewegte: die Speisen, die Gästezimmer, die Prostitution.

Soziologische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Osteria war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ein typischer Ort, an dem sich abends Männer trafen; ein Platz der Begegnungen und des sozialen Lebens, der immer auch zur Verbreitung des Alkoholismus beitrug, auch wenn der übermäßige Konsum alkoholischer Getränke nicht so sehr mit dem Ort verknüpft war als vielmehr mit der sozialen Situation und dem Leben der verarmten Schichten der Bevölkerung. Die Gewohnheit, eine Osteria zu besuchen, ist oft Gegenstand bitterer familiärer Auseinandersetzungen um die Verschwendung von Geld gewesen.

Wir können die Osterien als die Vorgänger der Hotels und Pensionen von heute betrachten. Sie trugen meistens Namen mit Bezug auf ihre Wappen, die sie ausstellten: ein Engel, ein Löwe, ein Adler, eine Krone, zwei Spaten, oft zusammen mit einem Laubzweig. Sie boten Wein, Verpflegung und – manchmal – Beherbergung an und waren von unterschiedlicher „Kategorie“. Die behaglichen unter ihnen beherbergten respektierte Personen; die schäbigeren Pilger und Soldaten.

Die billigsten Osterien fanden sich in der Nähe des Hafens, um die Reisenden aufzunehmen, die wie betäubt aus den Schiffen ausstiegen. Einige Osterien gab es an den berüchtigten Stellen der Stadt, wo sich nachts Prostituierte, Diebe, Vagabunden und Polizisten aufhielten.

In den Osterien schlief und aß man, wenn auch meistens sehr wenig und schlecht. In den Osterien starb man aber auch. Es sind lange Listen von verstorbenen Fremden überliefert: Kranke Wanderer, verletzte Soldaten und erschöpfte Pilger. Die Osterien nahmen ohne Probleme auch schwerkranke Reisende auf: Aus christlicher Nächstenliebe und weil, im Falle des Todes, sie alles das „erbten“, was der Verstorbene am Leibe trug.

Die älteste Osteria[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Osteria in Flensburg-Mürwik nahe dem Twedter Plack, die bis ungefähr 2011 dort bestand.

In Ferrara, neben dem Dom, steht die wohl älteste Osteria der Welt, deren Vorhandensein bis ins Jahr 1435 zurück dokumentiert ist.[2] Schon gegen 1400 existierte die „Hostaria del Chiucchiolino“,[3] und wer die Kirche verließ (oder den Eintritt vermeiden wollte), betrat das Sträßchen nebenan (heute Via degli Adelardi 11), um sich am guten Wein an Bord einer Barke zu laben – die Osteria befand sich in einer kleinen Bucht, die sich vom Regenwasser gebildet hatte.

Es wird von vielen illustren Gästen dieses Lokals berichtet, unter ihnen der Bildhauer Benvenuto Cellini, die Dichter Ludovico Ariosto und Torquato Tasso sowie der Astronom Nikolaus Kopernikus, der über der Osteria lebte und studierte.

Im Jahre 1973 waren der Kardinal Stefan Wyszyński, Primas von Polen, und Karol Wojtyła, der ihn begleitete, in Ferrara. Der Anlass war der 500. Geburtstag des Astronomen. Um die Wohnräume des berühmten Mannes zu betreten, mussten sie das Innere der „Enoteca al Brindisi“,[4][5] wie sich die älteste Osteria heute nennt, durchqueren.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Osteria – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Newett, Mary Margaret: The Sumptuary Laws of Venice in the Fourteenth and Fifteenth Centuries. In: Historical Essays by Members of the Owens College. London, 1902, S. 245–278. Hier: S: 253.
  2. Alberghi e ristoranti d'Italia, Touring Club Italiano 2009
  3. http://www.gustamodena.it/visite.php?cod=2673
  4. http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/reisen/reisefuehrer/emilia_romagna/index,page=1640514.html
  5. http://servizi.comune.fe.it/index.phtml?id=3591