Elisabeth Jerichau-Baumann

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Elisabeth Jerichau-Baumann, Selbstbildnis 1848
Der verwundete Soldat, 1865
Die Gebrüder Grimm, 1865

Elisabeth Jerichau-Baumann (* 21. November 1819 in Warschau; † 11. Juli 1881 in Kopenhagen) war eine polnisch-dänische Malerin der Düsseldorfer Malerschule.

Leben[Bearbeiten]

Anna Maria Elisabeth Lisinska Baumann, Tochter deutscher Eltern, wurde im außerhalb Warschaus gelegenen Sommerferienort Jolibord geboren. Ihr Vater Philip Adolph Baumann (1776–1863) war ein Kartenmacher, die Mutter Johanne Frederike eine geborene Reyer (1790–1854).

Im Jahre 1838, mit neunzehn Jahren, kam Elisabeth Baumann nach Düsseldorf.[1] Sie studierte als erste Privatschülerin bei Karl Ferdinand Sohn und Hermann Stilke. Die begabte Schülerin wurde auch durch Theodor Hildebrandt, Carl Friedrich Lessing und Wilhelm von Schadow betreut und hatte 1844 erste Erfolge mit Gemälden zum polnischen Volksaufstand, die dem Geschmack der Zeit an Darstellungen des Volkslebens, ihrerseits ins besondere das Slowakenleben, an sozialkritischen Themen in der Nachfolge Hübners entgegenkamen.

1845 erfüllte si sich ihren größten Wunsch und ging nach Rom, wo sie ihren Mann, den dänischen Bildhauer Jens Adolf Jerichau kennenlernte und 1846 dort heiratete. Wenn das Künstlerpaar nicht auf Reisen war, verbrachte sie viele Stunden am Tag in ihrem Studio. Sie malte mit Vorliebe Bilder aus dem Volksleben Roms und war besonders begeistert von der Thematik des italienischen Karnevals.

1849 zogen sie nach Dänemark, wo ihr Mann eine Professur an der Königlich Dänische Kunstakademie erhielt. 1851 kam ihr Sohn Harald Jerichau auf die Welt. Durch ihren internationalen Hintergrund und insbesondere als Deutschstämmige hatte Jerichau-Baumann im Dänemark der Jahrhundertmitte einen schweren Stand, da der Schleswig-Holsteinische Krieg von 1848 bis 1851 das Verhältnis zu Deutschen schwer belastete. Erst mit der malerischen Thematisierung von Kriegserfahrung gelang es Elisabeth Jerichau-Baumann offizielle Anerkennung zu gewinnen. Elisabeth Jerichau-Baumann war zwar sehr produktiv und malte zahlreiche Porträts, wie das der Brüder Grimm, welches als Vorlage für den 1.000 Mark-Schein der vierten und letzten Serie der Deutschen Mark diente.[2] Hierzu korrespondierte sie mit Herman Grimm, Sohn des Wilhelm Grimm.[3] Auch porträtierte sie bedeutende Dänen, wie der Schauspielerin Johanne Luise Heiberg und die dänische Königsfamilie des Christian IX. mit Königin Louise von Dänemark (1817-1898) und ihren Töchtern.[4] Doch trotz dieser königlicher Schirmherrschaft blieb die dänische Kunstwelt ihrerseits unterkühlt und die Königliche Gemäldesammlung zeigte nur eines ihrer Bilder: Das Bild Der verwundete Soldat wurde 1866, auf ihre Empfehlung an den Kultusminister, für die Königliche Sammlung angekauft. Eine Bestätigung als Malerin in Dänemark, die sie ersehnt hatte, erhielt sie nicht zu ihren Lebenszeiten, hatte jedoch großen Erfolg im Ausland mit mehreren großen Ausstellungen in verschiedenen europäischen Städten.

In den Jahren 1869 bis 1870 reiste Elisabeth ausgiebig in den östlichen Mittelmeerraum und im Nahen Osten, und erneut im 1874 bis 1875 von ihrem Sohn Harald begleitet. Elisabeth erhielt Zugang zu den Harems des Osmanischen Reichs, 1869 wurde ihr der Zugang zu dem Harem von Mustafa Fazil Pascha gewährt und sie konnte die orientalischen Kulissen des Haremsleben aus eigener Anschauung malen. Sie stellten meist lebensgroße Figuren dar, wie griechischer Hirt am Parthenon oder romantisierende Darstellungen ägyptischer Frauen im Harem.

Am 11. Juli 1881 Starb Elisabeth Jerichau-Baumann in Kopenhagen.

Familie[Bearbeiten]

Die Jerichaus hatte neun Kinder, von denen zwei im Kindesalter starben. Von den übrigen wurde zwei versierte Maler: Harald Jerichau (1851-1878), der an Malaria und Typhus bald nach seiner Reise in den Nahen Osten mit seiner Mutter verstarb, und Holger Jerichau (1861-1900), der in erster Linie impressionistische Landschaften malte.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Danmark, 1851 (Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen)
  • Johanne Luise Heiberg, 1852, (Landesmuseum für Kunst, Kopenhagen)
  • Die Gebrüder Grimm, 1855 (Alte Nationalgalerie - Staatliche Museen zu Berlin)
  • Sunday Evening, 1858 (Brighton and Hove Museums & Art Galleries)
  • Italienerin (ARoS Aarhus Kunstmuseum)
  • An Egyptian Fellah Woman with her Child, 1872 (Statens Museum for Kunst, Kopenhagen)
  • Britannia, 1873, (Kunsten Museum of Modern Art, Aalborg)
  • Mutter Polen, 1857
  • Prinzessin Nazili Hanum, Stambul, 1875[5]
  • An Egyptian Pottery Seller near Gizeh, 1876-1878

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nicolaj Bøgh: Elisabeth Jerichau-Baumann. En karakteristik. J. Jørgensen, Kopenhagen 1886.
  • Bettina Baumgärten: Die Düsseldorfer Malerschule und ihre internationale Ausstrahlung 1819-1918, Museum Kunstpalast, Band 2, ISBN 978-3-86568-702-9, S. 196–197
  • Elisabeth Oxfeldt: Nordic Orientalism: Paris and the Cosmopolitan Imagination 1800-1900 (engl.), Museum Tusculanum Press, 2005, ISBN 87-635-0134-1
  • Deborah Cherry, Janice Helland: Women Artists in the Nineteenth Century (engl.), Ashgate, 2006, ISBN 978-0-7546-3197-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die poln.-dän. Malerin Elisabeth Jerichau-Baumann kommt als erste Schülerin aus Dänemark u. wird Privatschülerin v. C. F. Sohn u. W. v. Schadow
  2. Julia Voss: Ein Fund und seine unbekannte Künstlerin. Aus dem Berliner Museumsdepot: Das berühmte Porträt der Grimms stammt von Elisabeth Jerichau-Baumann. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Juni 2015, S. 11.
  3. Elisabeth Jerichau-Baumann an Herman Grimm (11 Briefe), auf bibliothek.uni-kassel.de, abgerufen am 25. August 2015
  4. The Royal Danish Collection Amalienborg: Elisabeth-Jerichau-Baumann
  5. Abbildung der Prinzessin Zineb Nazli Effendi Khanum (1853-1913). Sie war eine ägyptische Prinzessin der Dynastie von Muhammad Ali und eine der ersten Frauen der literarischen Salons in der arabischen Welt in Kairo in den frühen 1880er Jahre.

Weblinks[Bearbeiten]