Otto Dorfner

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Otto Dorfner (* 13. Juni 1885 in Kirchheim unter Teck; † 3. August 1955 in Weimar) war ein Buchbindermeister und Einbandgestalter, der nach seiner Berufung durch Henry van de Velde an die Kunstgewerbeschule Weimar dort als Werkstattleiter und Hochschullehrer wirkte. Er gründete eine Fachschule für Buchbinderei und entwickelte einen Stil, der als „Linienstil“ bezeichnet wird.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Dorfner wurde am 13. Juni 1885 als fünftes von acht Geschwistern in Kirchheim (Teck) in Württemberg geboren. Dort absolvierte er nach der Schulausbildung von 1899 bis 1902 eine Buchbinderlehre. Danach wirkte er sechs Jahre lang in verschiedenen Buchbindereien in Deutschland, bis er 1908 vor der Handwerkskammer in Meiningen seine Meisterprüfung ablegte. Weitere Studien führten ihn nach Berlin, wo er in der Kunst-Klasse der Buchbinder-Fachschule unter den Lehrern Paul Kersten und Ludwig Sütterlin seine Kenntnisse und Fertigkeiten vervollständigte. Der 25-jährige Buchbindermeister wurde 1910 als Lehrer an die Großherzogliche Kunstgewerbeschule in Weimar berufen, die damals von Henry van de Velde geleitet wurde.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1914 erhielt Dorfner auf der Internationalen Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik eine Auszeichnung für die Arbeiten seiner Schüler. Auch erhielt er die Goldene Medaille für seine eigenen Arbeiten. Nach dem Ersten Weltkrieg führte er seine Lehrtätigkeit im 1919 neu gegründeten Weimarer Bauhaus fort, doch etablierte er schon 1922 in den Räumen seines eigenen Hauses in der Erfurter Straße eine private Fachschule für kunstgewerbliche Buchbinderei. Vier Jahre später wurde er zum Professor für Graphik und Schriftgestaltung an der Hochschule für Handwerk und Baukunst ernannt. Im Jahr 1923 war Otto Dorfner Mitbegründer der Vereinigung Meister der Einbandkunst.

1930 erfolgten eine Erweiterung seiner privaten Lehranstalt und die Einführung von maschineller Buchbindertechnik. Neben der Lehre trat Dorfner vor allem mit Einbänden für Harry Graf Keßlers Weimarer Cranach-Presse in Erscheinung. Aber auch die Ehrengaben der Stadt Weimar und Thüringens an Joseph Goebbels und Adolf Hitler tragen Dorfner-Einbände, sie bedankten sich 1944, als sie ihn kurz vor Kriegsende in die Gottbegnadeten-Liste aufnahmen.[1] 1936 erhielt Dorfner den Kunst- und Literaturpreis der Stadt Jena, 1937 wurde er auf der Internationalen Weltausstellung in Paris mit dem Grand Prix ausgezeichnet. Den Gutenberg-Ring der Stadt Leipzig erhielt er 1940.

Dorfners Biograph, der Leipziger Innungsmeister Wolfgang Eckhardt, bezeichnet die Hinwendung zu Goethes Faust 1946 als „Neues Beginnen“. Tatsächlich sind nur wenige Faust-Einbände aus der Zeit davor bekannt. Demnach entschloss sich Dorfner, auch im Hinblick auf das anstehende Goethe-Jubiläum, alle verfügbaren Faust-Ausgaben, die von 1790 bis zum damaligen Zeitpunkt erschienen waren, mit seinen Einbänden zu versehen. Außerdem fertigte er Einbände für die 143-bändige Weimarer Sophienausgabe von Goethes Werken an. Seine Sammlung kunstvoll eingebundener Faust-Ausgaben wird seit 2011 in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek aufbewahrt.

Dorfners Wohnhaus und Werkstatt in Weimar existieren noch weitgehend unverändert und wurden zuletzt als Ausbildungswerkstatt der Kunsthochschule Burg Giebichenstein genutzt. Im Jahr 2016 ist eine Übernahme des Gebäudes durch die Klassik Stiftung Weimar im Gespräch.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mechthild Lobisch: Zwischen Van De Velde und Bauhaus: Otto Dorfner und ein wichtiges Kapitel der Einbandkunst. – Wiesbaden: Reichert, 1999.
  • Mangei, Johannes; Sellinat, Frank: Eine besondere Erwerbung 2011: Die Sammlung von Dorfner-Einbänden zu Goethes Faust. In: Supralibros 10, S. 24ff.
  • Malerei, Graphik, Buchkunst: Ausstellung vom 7. Mai–26. Juni 1955 in Weimar; Werke von Alexander von Szpinger, Walter Klemm, Otto Dorfner. – Erfurt: Verband Bildender Künstler Deutschlands, Bezirksleitung, 1955.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Harry Waibel: Diener vieler Herren : Ehemalige NS-Funktionäre in der SBZ/DDR. Lang, Frankfurt am Main 2011 ISBN 978-3-631-63542-1 S. 71