Otto Franz Joseph von Österreich

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Otto von Österreich, 1895

Erzherzog Otto Franz Josef Karl Ludwig Maria von Österreich, genannt der schöne Erzherzog (* 21. April 1865 in Graz; † 1. November 1906 in Wien), war der jüngere Bruder des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und der Vater des letzten österreichischen Kaisers Karl I. von Österreich.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammbaum (zum Ausklappen)

Maximilian von Sachsen
Caroline von Bourbon-Parma
 
Maximilian I.
(König von Bayern)
Karoline
(Königin von Bayern)
 
Peter I.
(Kaiser von Brasilien)
Maria Leopoldine
 
Ferdinand von Sachsen-Coburg-Saalfeld
Maria von Koháry
 
Franz I.
(König von Sizilien und Neapel)
Maria Isabel von Spanien
 
Karl
(Erzherzog von Österreich und Feldherr)
Henriette Alexandrine
 
Franz I.
(Kaiser von Österreich)
Maria Theresia
(Kaiserin von Österreich)
 
Maximilian I.
(König von Bayern)
Karoline
(Königin von Bayern)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Johann I.
(König von Sachsen)
 
Amalie Auguste
(Königin von Sachsen)
 
Maria II.
(Königin von Portugal)
 
Ferdinand II.
(König von Portugal)
 
Ferdinand II.
(König von Sizilien und Neapel)
 
Maria Theresia
(Königin von Sizilien und Neapel)
 
Franz Karl von Österreich
 
Sophie Friederike von Bayern
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Georg I.
(König von Sachsen)
 
Maria Anna
(Königin von Sachsen)
 
 
 
 
 
Maria Annunziata von Neapel-Sizilien
 
Karl Ludwig von Österreich
 
Franz Joseph I.
 
Elisabeth von Österreich-Ungarn
 
Maximilian I.
(Kaiser von Mexiko)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Josepha von Sachsen (1867–1944)
 
Otto Franz Joseph von Österreich
 
Franz Ferdinand
(Österreichischer Thronfolger)
 
Margarete Sophie
(Herzogin von Württemberg)
 
Ferdinand Karl
(Erzherzog von Österreich)
 
Gisela von Österreich
 
Rudolf von Österreich-Ungarn
(Österreichischer Kronprinz)
 
Marie Valerie von Österreich
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Karl I. (Österreich-Ungarn)
(Kaiser von Österreich)
 
Maximilian Eugen von Österreich
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Otto war Sohn von Erzherzog Karl Ludwig von Österreich, einem Bruder Franz Josephs I., und von Prinzessin Maria Annunziata von Neapel-Sizilien. Ottos älterer Bruder war der 1914 in Sarajevo ermordete österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este.

Da Kaiser Franz Joseph seinen Sohn Rudolf 1889 durch Tod verloren und keine weiteren Söhne hatte, war nun Ottos Vater Karl Ludwig Thronfolger. Nach dessen Tod 1896 ging die Thronfolge auf Franz Ferdinand über; als dieser vorübergehend schwer erkrankte, wurde über Ottos Thronfolge spekuliert.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto hatte bereits mit sechs Jahren seine Mutter durch Tod verloren und wurde gemeinsam mit seinem älteren Bruder Franz Ferdinand unter der Leitung des Grafen Ferdinand Christoph Eberhard von Degenfeld-Schonburg (1835–1892) erzogen, Sohn des Konvertiten Götz Christoph von Degenfeld-Schonburg[1][2][3] und Vater von Heinrich von Degenfeld-Schonburg (1890–1978), dem Erzieher und lebenslangen Vertrauten des letzten österreichischen Kronprinzen Otto von Habsburg.[4]

Der Prinz galt als grundsätzlich nicht am Lernen interessiert und spielte auch oft den Lehrern Streiche. Trotzdem zogen die Erzieher ihn aufgrund seines heiteren Naturells dem mürrischen und jähzornigen älteren Bruder vor. Er wurde auch von seinem Vater bevorzugt, was zu dem schwierigen Verhältnis der beiden Brüder beitrug.[5]

Erzherzog Otto

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund seines Lebens als skandalumwitterter Müßiggänger entfremdete sich Otto auf Dauer dem kaiserlichen Hof, so dass sich die kaiserliche Familie und schließlich auch seine Gemahlin, Prinzessin Maria Josepha Luise von Sachsen (1867–1944), von ihm zurückzogen.

Um 1900 erkrankte er unheilbar an Syphilis und war somit zu einem jahrelangen, qualvollen Leiden verurteilt. In einer Villa im Cottageviertel der Wiener Vorstadt Währing verbrachte er die letzten Monate seines Lebens mit seiner letzten Geliebten, der jungen Operettensängerin Luise Robinson, die ihn unter dem Pseudonym Schwester Martha aufopfernd pflegte. Seine zweite Pflegerin war seine Stiefmutter, Infantin Marie Therese von Portugal (1855–1944). Schließlich verstarb Erzherzog Otto in Anwesenheit seines geistlichen Beistands, des Weihbischofs von Wien Godfried Marschall, am 1. November 1906.[6]

Thronfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod des Vaters war Ottos älterer Bruder Franz Ferdinand nach den habsburgischen Hausgesetzen automatisch Thronfolger; spezieller Erklärungen bedurfte es dazu nicht. Es wurde allerdings in der Öffentlichkeit registriert, dass Kaiser Franz Joseph I. zu seinem neuen Thronfolger absolut keinen Kommentar abgab. Aufgrund der Krankheitsgeschichte Franz Ferdinands bestanden erhebliche Zweifel, ob Franz Ferdinand je gesundheitlich imstande sein würde, die Aufgaben des Kaisers ausfüllen zu können.

1896 kamen Franz Ferdinand Nachrichten zu Ohren, dass Graf Goluchowski, Minister des kaiserlichen und königlichen Hauses und des Äußern, mit Rücksicht auf Franz Ferdinands Lungenkrankheit den Kaiser gebeten habe, eine Neuregelung der Thronfolge zu erwägen. Umgehend war in der ganzen Monarchie die Rede davon, dass Otto den Thron erben würde, zumal dieser einen bemerkenswert großen Hofstaat zur Verfügung hatte, wie er für andere Erzherzoge nicht üblich war. Auch wurde Otto wegen der Krankheit des Thronfolgers mit Repräsentationsaufgaben betraut, die sonst Franz Ferdinand selbst wahrzunehmen gehabt hätte. Zudem war der lebenslustige Otto zu diesem Zeitpunkt bei Hof trotz seines Lebensstils im Gegensatz zum mürrischen Franz Ferdinand noch äußerst beliebt. Franz Ferdinand empörte sich über all die Intrigen, auch darüber, dass er selbst nur das Palais Modena bewohnen durfte, sein jüngerer Bruder aber das Palais Augarten. Franz Ferdinand fühlte sich brüskiert, obwohl ihm Otto versicherte, keinerlei Ambitionen auf den Thron zu haben.[7]

Ehe und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Franz Joseph von Österreich, Maria Josepha Luise von Sachsen und ihre zwei Söhne

Er heiratete auf Druck des Kaiserhauses am 2. Oktober 1886 in Dresden die Prinzessin Maria Josepha Luise von Sachsen (1867–1944), Tochter von König Georg I. von Sachsen und Maria Anna von Portugal. Diese Heirat war dringend notwendig, um das gute Verhältnis zum sächsischen Königshaus beizubehalten, denn sowohl Kronprinz Rudolf als auch Franz Ferdinand hatten Marias ältere Schwester Prinzessin Mathilde als Braut abgelehnt und somit das sächsische Königshaus schwer brüskiert. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor:

Aus einer Beziehung mit der Bürgerlichen Marie Schleinzer stammen zwei weitere Kinder:

  • Alfred Joseph von Hortenau (1892–1957)[8]
  • Hildegard von Hortenau (* 1894)

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Otto Franz Joseph von Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Martin Werkmann: Otto von Habsburg: ein ungelöstes europäisches Problem, S. 133, 1932; (Ausschnittscan)
  2. Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, Band 47, S. 196 und IX, 1874; (Digitalscan 1), (Digitalscan 2)
  3. Genealogische Webseite zum Erzieher
  4. Stephan Baier, Eva Demmerle: Otto von Habsburg: die autorisierte Biografie, Amalthea-Verlag, 2002, ISBN 3-85002-486-5, S. 69; (Ausschnittscan)
  5. Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand - Der verhinderte Herrscher. Österr. Bundesverlag, Wien 1983, S. 58–61.
  6. Richard Reifenscheid: Die Habsburger in Lebensbildern. Von Rudolf I. bis Karl I. Verlag Styria, Graz 1982, ISBN 3-222-11431-5, S. 342
  7. Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand - Der verhinderte Herrscher. Österr. Bundesverlag, Wien 1983, S. 108–109
  8. Descendants of Archduke Franz Karl of Austria (Memento vom 5. Oktober 2001 im Internet Archive)