Peter Broucek

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Peter Brouček (* 16. August 1938 in Wien) ist ein österreichischer Historiker. Von 1987 bis 1990 war er Präsident der Gesellschaft für Österreichische Heereskunde. Über vierzig Jahre im Österreichischen Staatsarchiv (ÖStA), Abt. Kriegsarchiv tätig, war er zuletzt dessen Direktor-Stellvertreter. Seine Arbeit zur österreichischen Militärgeschichtsschreibung gilt als bedeutend.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn eines in Karlsbad in Westböhmen gebürtigen Taschnermeisters und dessen Ehefrau, einer Handelsangestellten, erlebte Peter Broucek das Kriegsende des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) im Weinviertel. Er legte 1956 an der Realschule Wien XIX Döbling die Matura ab und studierte ab 1956 Geschichte und Germanistik an der Universität Wien. 1961 wurde er bei Heinz Zatschek mit der Dissertation Geschichte des Wiener Riemergewerbes bis 1788 zum Dr. phil. promoviert. Überdies besuchte er von 1959 bis 1962 den Kurs am Institut für Österreichische Geschichtsforschung in Wien (Staatsprüfung 1963: mit einer Prüfungsarbeit bei Friedrich Walter über Die sogenannten Saalbücher im Allgemeinen Verwaltungsarchiv bis 1749).

Im Jahre 1962 trat er als Vertragsbediensteter in den wissenschaftlichen Dienst des Österreichischen Staatsarchivs (ÖStA), Abteilung Kriegsarchiv in Wien ein. 1966 wurde er Staatsarchivar II. Klasse und später I. Klasse sowie 1975 Archivrat. Ab 1981 war er Referent für die Feldakten der Heere Österreichs bzw. Österreich-Ungarn. 1983 erfolgte die Ernennung zum Oberrat.[1] 1993 wurde er vom österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil zum Hofrat ernannt und betreute eine weitere – der Generaldirektion des ÖStA direkt unterstellte – Bestandsgruppe der „Nachlässe und Sammlungen“. Im Jahre 2003 wurde er, zuletzt Direktor-Stellvertreter unter Rainer Egger, in den Ruhestand versetzt. Seitdem ist er weiterhin publizistisch tätig.

Von 1987 bis 1990 war Präsident der Gesellschaft für Österreichische Heereskunde. Er ist ferner Mitglied des Instituts für Österreichkunde, der Commission Autrichienne d'Histoire Militaire, der Kommission zur Erforschung der Geschichte Österreichs der Jahre 1918–1938 und der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft „Adler“.

Broucek ist Oberleutnant der Reserve des österreichischen Bundesheeres.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Broucek ist Verfasser zahlreicher Fachbücher, wissenschaftlicher Aufsätze und Editionen zur Geschichte Österreichs seit der Frühen Neuzeit und zur Militärgeschichte des 17. bis 20. Jahrhunderts sowie zur Archivgeschichte und zur militärischen Quellenkunde: So ist er Herausgeber mehrerer im Böhlau Verlag erschienener Memoiren österreichischer Militärs; von 1980 bis 1988 etwa der Editionen der Tagebücher Edmund Glaise-Horstenaus. Im Jahre 2000 veröffentlichte er mit Kurt Peball eine Geschichte der österreichischen Militärhistoriographie. Broucek ist ferner Autor unzähliger Einträge im Österreichischen Biographischen Lexikon 1815–1950 und in der Neuen Deutschen Biographie. Weiterhin legte er Übersetzungen von Werken Thomas M. Barkers und Bruce F. Pauleys vor.

Der deutsche Historiker Ulrich Kluge attestierte ihm „profunde Kenntnisse des österreichischen Militärsystems“.[2]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (Hrsg.): Anton Lehár: Erinnerungen. Gegenrevolution und Restaurationsversuche in Ungarn 1918–1921. R. Oldenbourg, München 1973, ISBN 3-486-47761-7.
  • Der Geburtstag der Monarchie. Die Schlacht bei Kolin 1757. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1982, ISBN 3-215-04444-7.
  • (Eingel. und hrsg.): Ein General im Zwielicht. Die Erinnerungen Edmund Glaises von Horstenau. Böhlau, Wien u. a. 1980 ff.
  • Band 1: K.u.k. Generalstabsoffizier und Historiker (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Bd. 67). 1980, ISBN 3-205-08740-2.
  • Band 2: Minister im Ständestaat und General im OKW (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Bd. 70). 1983, ISBN 3-205-08743-7.
  • Band 3: Deutscher Bevollmächtigter General in Kroatien und Zeuge des Untergangs des "Tausendjährigen Reiches" (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Bd. 76). 1988, ISBN 3-205-08749-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brouček, Peter. In: Fritz Fellner, Doris A. Corradini: Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Bd. 99). Böhlau, Wien u. a. 2006, ISBN 978-3-205-77476-1, S. 67 f.
  • Kurt Peball: Broucek, Peter. In: Peter Broucek, Kurt Peball: Geschichte der österreichischen Militärhistoriographie. Böhlau, Köln u. a. 2000, ISBN 3-412-05700-2, S. 310–311; S. 311 f. (Schriftenverzeichnis)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chronik des Instituts Personelle Änderungen am Institut. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 91 (1983) 3/4, S. 527.
  2. Ulrich Kluge: Demokratie – Austrofaschismus – Diktatur. Die erste Republik Österreich (1918–1938) in moderner Sicht. In: Historische Zeitschrift, 239 (1984) 2, S. 353–380, hier: S. 367.
  3. Personalnachrichten. In: Verordnungsblatt für die Dienstbereiche der Bundesministerien für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten bzw. Wissenschaft und Verkehr (1999), S. 185.
  4. Verschiedene Nachrichten: Chronik des Instituts. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 113 (2005), S. 496.