Otto Günther von Wesendonk

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Otto Günther von Wesendonk (Familienname bis 1900: Wesendonck, * 3. Oktober 1885 in Berlin; † 27. Juni 1933) war ein deutscher Botschafter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto-Günther Wesendoncks Eltern waren Karl, Privatdozent für Physik, und Eveline, geb. Gräfin von Hessenstein. Die Familie wurde als von Wesendonk 1900 in den preußischen Adelsstand erhoben. Von Wesendonk studierte von 1903 bis 1908 in Bonn, Berlin, Heidelberg und wurde mit Die Entscheidung des Gaius in der Digestorum de exceptione rei iudicatae, nach modernem Reichsrecht beurteilt. Borna, Leipzig 61 Seiten, 1908 zum Dr. jur promoviert.

1908 trat er in den auswärtigen Dienst ein. Im April 1914 sperrte die Regierung von Woodrow Wilson Har Dayal wegen Verbreitens von anarchistischer Literatur ein; Dayal floh nach Berlin und wurde von Wesendonk für Das Indische Unabhängigkeitskomitee, dem Mangal Singh Prabhakar Bahadur (1874-1892), der Maharaja von Alwar in Berlin vorsaß, angeworben. Im Ersten Weltkrieg war Wesendonk Orientalist bei der Nachrichtenstelle für den Orient, welche von Max von Oppenheim geleitet wurde. Am Schauplatz des Great Game im Grenzgebiet des Zarenreiches mit Britisch-Indien propagierte Otto Günther von Wesendonk den Aufstand gegen die britische Kolonialmacht.[1]

Im Ersten Weltkrieg strebte auch Transkaukasien mit Krieg aus dem osmanischen Reich nach Unabhängigkeit. Wesendonk war 1918 am Generalkonsulat des Deutschen Reichs in Tiflis akkreditiert. Am 28. April 1918, drei Tage nach dem Fall von Kars, bekundete Mehmet Vehib Kaçı gegenüber der separatistischen Regierung in Tiflis, dass seine Regierung die Transkaukasische Republik anerkennt. Der Außenminister der Demokratischen Republik Georgien, der Menschewik Akaky Chkhenkelis (1874-1959), fragte nach einer Delegation der osmanischen Regierung zu Friedensverhandlungen. Die osmanische Regierung von Halil Kut entsandte den Justizminister nach Batumi wo am 11. Mai 1918 die Konferenz begann.[2] Neben Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, früherer stellvertretender Konsul in Tiflis nahm auch Otto Günther von Wesendonk als Berater für kaukasische Fragen als Beobachter an dieser Friedenskonferenz teil.[3]

Er war seit 1904 Mitglied des Corps Borussia Bonn.[4]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Darstellung und rechtspolitische Würdigung der durch das Reichsgesetz vom 31. Mai 1911 in dem verfassungsrechtlichen Verhältnis zwischen Elsaß-Lothringen und dem Reich eingetretenen Veränderung. Borna-Leipzig 1913
  • Zarathustra. In: Der Neue Orient, 1919
  • Die Lehre des Mani. Harrassowitz, Leipzig 1922
  • Über georgisches Heidentum. Leipzig 1924
  • Auswärtige Politik. Büttner, Berlin 1926
  • Urmensch und Seele in der iranischen Überlieferung. Ein Beitrag zur Religionsgeschichte des Hellenismus. 1924
  • Das Wesen der Lehre Zarathustras. O. Harrassowitz, Leipzig 1927
  • Das Problem der altpersischen Kunst. In: Litterae Orientales, Heft 42, Leipzig 1930, S. 1–9
  • Die religionsgeschichtliche Bedeutung des Yasna haptanhati. 1931
  • Das Weltbild der Iranier. E. Reinhardt, München 1933 (= Kafka / Geschichte der Philosophie in Einzeldarstellungen; Bd. 1 a)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Hürter (Red.):Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871 - 1945. 5. T - Z, Nachträge. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst. Band 5: Bernd Isphording, Gerhard Keiper, Martin Kröger: Schöningh, Paderborn u. a. 2014, ISBN 978-3-506-71844-0, S. 256–258
  • Nirode K. Barooah, India and the official Germany, 1886-1914, 201 Seiten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas G Fraser, Germany and Indian Revolution, 1914-18. Journal of Contemporary History, Vol. 12, No. 2, April 1977, Seiten 255-272
  2. Gerhard Hirschfeld, Enzyklopädie Erster Weltkrieg S. 619
  3. Armenia: un homenaje cultural a la ciudad en sus 75 años de vida, Volume 1, S. 173
  4. Kösener Korps-Listen 1910, 19, 773
Vorgänger Amt Nachfolger
Albert von Seckendorff Konsul des Deutschen Reichs in Tanger
1913–1914
Kurt Rieth