Brannenburg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Brannenburg
Brannenburg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Brannenburg hervorgehoben
47.73333333333312.1509Koordinaten: 47° 44′ N, 12° 6′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Rosenheim
Höhe: 509 m ü. NHN
Fläche: 33,68 km²
Einwohner: 5719 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83098
Vorwahl: 08034
Kfz-Kennzeichen: RO, AIB, WS
Gemeindeschlüssel: 09 1 87 120
Gemeindegliederung: 38 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulweg 2
83098 Brannenburg
Webpräsenz: www.gemeinde-brannenburg.de
Bürgermeister: Matthias Jokisch (parteilos)
Lage der Gemeinde Brannenburg im Landkreis Rosenheim
Chiemsee (Gemeinde) Chiemsee (Gemeinde) Chiemsee Österreich Landkreis Altötting Landkreis Ebersberg Landkreis Erding Landkreis Miesbach Landkreis München Landkreis Mühldorf am Inn Landkreis Traunstein Rosenheim Rotter Forst-Süd Rotter Forst-Nord Albaching Amerang Aschau im Chiemgau Babensham Bad Aibling Bad Endorf Bad Feilnbach Bernau am Chiemsee Brannenburg Breitbrunn am Chiemsee Bruckmühl Edling Eggstätt Eiselfing Feldkirchen-Westerham Flintsbach am Inn Frasdorf Griesstätt Großkarolinenfeld Gstadt am Chiemsee Halfing Höslwang Kiefersfelden Kolbermoor Neubeuern Nußdorf am Inn Oberaudorf Pfaffing (Landkreis Rosenheim) Prien am Chiemsee Prutting Ramerberg Raubling Riedering Rimsting Rohrdorf (am Inn) Rott am Inn Samerberg Schechen Schonstett Söchtenau Soyen Stephanskirchen Tuntenhausen Vogtareuth Wasserburg am InnKarte
Über dieses Bild

Brannenburg ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Rosenheim.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Brannenburg liegt am nördlichen Alpenrand im Inntal auf 509 m ü. NN, wenige Kilometer nördlich der österreichischen Grenze, am Fuße der Hochsalwand und des Riesenkopfes. Von Brannenburg aus fährt die Wendelsteinbahn auf den Wendelstein, einen der bekanntesten Berge Bayerns. Ebenfalls bekannt und insbesondere bei Motorradfahrern beliebt ist die serpentinenreiche Sudelfeldstraße, eine mautpflichtige Straße, die vorbei am Wasserfall Tatzelwurm nach Bayrischzell führt (Deutsche Alpenstraße).

Brannenburg befindet sich rund 15 km südlich von Rosenheim, 88 km westlich von Salzburg, 22 km nördlich von Kufstein, 28 km östlich von Miesbach sowie 70 km von der Landeshauptstadt München entfernt.

Nahe Skigebiete sind der Wendelstein (Brannenburg/Bayrischzell), das Sudelfeld (Bayrischzell/Oberaudorf) und das Hocheck (Oberaudorf).

Topografie[Bearbeiten]

Den Ortsteil Degerndorf dominiert die Biber, ein knapp 25 m hohes, etwa 850 m langes und maximal etwa 400 m breites, sich Richtung Norden verjüngendes Nagelfluh-Massiv, gebildet während der letzten Eiszeit, der sogenannten Würmeiszeit, bei der Flussschotter, Kiese und Sande abgelagert, gepresst und durch kalkreiches Grundwasser ausgewaschen und verkittet wurden. Die dicht überwiegend mit Buchen und Kiefern bewaldete Erhebung hat durch den nachweislich seit Anfang des 10. Jahrhunderts betriebenen Abbau von Nagelfluh etwa nur noch 65 % ihrer ursprünglichen Größe. Anfänglich wurden Mahl- und Mühlsteine gebrochen, in den zurückliegenden Jahrhunderten war der Nagelfluh in der Umgebung ein begehrter Baustein: Relativ leicht, frostsicher und druckfest, bildet er beispielsweise das Fundament der Münchener Frauenkirche oder den Sockel des ältesten Hochhauses in München, des Alten Technischen Rathauses. Im Inntal wurden zahlreiche Bauern- und Wohnhäuser aus Nagelfluh errichtet. In Anbetracht der Einzigartigkeit des mit einschließlich der Steinbrüche etwa 0,24 km² Fläche größten Naturdenkmals Bayerns sind heute nur noch eingeschränkt Steinbrucharbeiten möglich; noch immer gibt es aber die drei Steinbrüche Huber, Feicht und Grad. Da der Nagelfluh in den vergangenen Jahrzehnten auch in die Tiefe abgebaut wurde, erheben sich im Bereich der Steinbrüche fast 50 m hohe Steilwände.

Auf der Biber befindet sich die frühbarocke Wallfahrtskirche St. Maria Magdalena. Sie wurde ab 1626 während des Dreißigjährigen Krieges von dem dort ansässigen Eremiten Johannes Schelle (überliefert ist auch der Name Hanns Schell) errichtet. 1664 erhielt sie ihr weitgehend noch heute bestehendes Aussehen. Der Kirchenbau ist nicht wie üblich nach Osten, sondern nach Südwesten ausgerichtet. Der zugehörige Kreuzweg entstand 1733 bis 1736 und ist bis auf wenige Änderungen im Originalzustand erhalten. In der Mitte des laut Bayerischem Landesamt für Denkmalpflege in Idee und Ausführung in Bayern einmaligen, an ostkirchliche Frömmigkeit gemahnenden Kreuzweges mit 15 Stationen befindet sich als XIV. Station eine Darstellung des Heiligen Grabes. Auch die vermutlich natürlich entstandenen Felshöhlen etwas unterhalb der Kirche, die dem Eremiten als Andachtsräume dienten, sind überwiegend noch erhalten. Bis ins frühe 19. Jahrhundert ist die Besiedelung der Biber nachgewiesen, 1813 verstarb der letzte Eremit.[2][3]

Am Festplatz direkt unterhalb der Kirche findet jährlich am Sonntag nach dem Namenstag der Heiligen Magdalena am 22. Juli das Magdalenenfest statt.

Brannenburg war bis 2010 Bundeswehr-Standort. In der Karfreitkaserne war das Gebirgspionierbataillon 8 stationiert.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Es gibt 38 Ortsteile:[4]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Bad Feilnbach Raubling Neubeuern
Fischbachau Nachbargemeinden Nußdorf a.Inn
Bayrischzell Oberaudorf Flintsbach a.Inn

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Geschichte[Bearbeiten]

Brannenburg wird erstmals zwischen 993 und 1000 urkundlich erwähnt. Der Name Brannenburg ist darauf zurückzuführen, dass man an dieser Stelle durch Brandrodung Platz für eine Ansiedlung schaffte (das Gemeindewappen weist noch heute darauf hin). Der Ort gehörte als geschlossene Ortschaft zu Schloss und Hofmark Brannenburg. Eine Adelsfamilie, die sich von Brannenburg (und ähnlich) nannte, ist im 14. Jahrhundert erloschen.[5] 1818 entstand die politische Gemeinde Brannenburg. 1848 wurde das bis dahin bestehende Herrschaftsgericht aufgelöst.

Am Ende des 18. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beherbergte Brannenburg eine bedeutende Künstlerkolonie, u. a. mit den Malern Carl Rottmann, Carl Spitzweg, Wilhelm Busch und Karl Caspar.

Am 9. August 1851 ereignete sich ein Schrofen-Bergrutsch.[6] Eine Mure riss in den folgenden Tagen mehrere Häuser im Ortsteil Gmain mit sich.

1858 erhielt Brannenburg Anschluss an die Eisenbahn. Am 5. August 1858 eröffnete die Königlich Bayerische Staats-Eisenbahn den Abschnitt Rosenheim-Kufstein der Bayerischen Maximiliansbahn.

Am 25. Mai 1912 nahm die Wendelsteinbahn, die älteste bayerische Zahnradbahn, ihren Betrieb auf. Die Talstation lag zunächst direkt neben der Bundesbahn-Station; 1961 wurde sie in den Ortsteil Waching zurückverlegt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. April 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Degerndorf eingegliedert.[7] Am 1. Januar 1978 kam im Zuge der Gemeindegebietsreform die Gemeinde Großbrannenberg (rund um den Ortsteil St. Margarethen oberhalb von Brannenburg/Degerndorf) hinzu.[8]

Wappen[Bearbeiten]

Wappenbeschreibung: Durch drei abgeflachte Spitzen geteilt von Blau und Silber; oben nebeneinander schwebend drei senkrechte goldene Rauten, unten ein waagrecht liegender gestümmelter Ast, aus dem drei rote Flammen schlagen.

Konfessionen[Bearbeiten]

In Brannenburg sind die römisch-katholische Kirche und die evangelische Kirche mit Kirchenbauten sowie Jehovas Zeugen mit einem Königreichssaal vertreten.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnverkehr[Bearbeiten]

Brannenburg liegt an der Bahnstrecke Rosenheim–Kufstein (Eisenbahnachse Berlin–Palermo). Der Bahnhof Brannenburg wird stündlich vom Meridian in Richtung München und Kufstein angefahren. Ebenfalls beginnt im Ortsteil Griesbach die Wendelsteinbahn, eine Zahnradbahn, die früher vom Bahnhof Brannenburg aus auf den Gipfel des Wendelsteins fuhr. Der Streckenabschnitt zwischen dem Bahnhof Brannenburg und der Talstation Waching wurde 1961 aufgegeben.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Brannenburg liegt an der Inntalautobahn A 93 und kann schnell über die Ausfahrten Brannenburg und Reischenhart erreicht werden. Des Weiteren führt eine Verbindungsstraße über das Sudelfeld zur Bundesstraße 307 in Richtung Bayrischzell. Kufstein ist über die Autobahn A 12 und A 93 etwa 20 Kilometer entfernt, Rosenheim über die A 93 und B 15 etwa 15 Kilometer.

Kultur[Bearbeiten]

Neue Künstlerkolonie Brannenburg e. V. gegründet 1999[Bearbeiten]

Brannenburg war bis weit ins 20. Jahrhundert eine rege Künstlerkolonie. Zahlreiche Künstler-Persönlichkeiten wie Christian Mali, Theodor Pixis, Wilhelm Busch, Max Liebermann, Ernst Maria Fischer, Georg Sauter, Karl Caspar, Maria Caspar-Filser, Walter Schnackenberg und die Baumeister Dientzenhofer hatten ihren zeitweiligen Aufenthalt oder Lebensmittelpunkt in Brannenburg. Die Neue Künstlerkolonie Brannenburg möchte den interessierten Mitbürgern diese Vergangenheit wieder näher bringen und gleichzeitig bewusst machen, dass in Brannenburg und Umgebung noch reges Kunstschaffen stattfindet. Die Geschichte der ehemaligen Künstlerkolonie Brannenburg kann in einem geführten Kulturspaziergang erwandert werden.

Bergkirchen[Bearbeiten]

Bergkirchen sind Kirchen an bevorzugten Wanderwegen, Aussichtspunkten oder hochgelegenen großen Einödhöfen im Gebirge. Meistens als Filialkirchen tiefer gelegener Gemeinden oder Klöster erbaut, dienen diese Kirchen oft als Wallfahrtskirchen und ermöglichen Wanderern und Bergbauern den Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes. Viele dieser Kirchen wurden in früheren Zeiten von Eremiten betreut.

In Brannenburg gibt es die Bergkirchen:

  • Schwarzlack, 1659 als hölzerne Kapelle erwähnt und 1751 als Wallfahrtskirche errichtet
  • St. Margarethen, 1445 erstmals urkundlich erwähnt
  • Wendelsteinkirche, erbaut 1889, in der Nähe der Bergstation von Zahnradbahn und Gondelbahn

Bildung[Bearbeiten]

In Brannenburg gibt es das Ver.di Bildungszentrum Haus Brannenburg als Erwachsenenbildungseinrichtung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit einem Bildungsprogramm für Bayern und die ganze BRD.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Brannenburg

  • Donnerbauer-Hof: Einfirsthof, erbaut Mitte des 18. Jahrhunderts, mit charakteristischem Eckerker im Erdgeschoss

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sebastian Dachauer: Chronik von Brannenburg und den nächsten Orten der Umgebung. In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, Band 4, München 1843, Heft 1, S. 92–135 (online, ohne S. 94–95); Heft 2, S. 219–270 (online); Heft 3, S. 326–329 (online); Band 14, München 1853, Heft 2, S. 1–39 (online).
  • Sebastian Dachauer (Hrsg.): Regesten ungedruckter Urkunden zur bayerischen Orts-, Familien- und Landes-Geschichte. Zehnte Reihe: Aus der vormals gräfl. Preysing’schen, nunmehr kurfürstl. Maria Leopoldinischen Registratur zu Brannenburg, und aus der pfarrlichen Registratur dieser Gegend. München 1846 (= Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte Band VIII, Heft 1) (online, ohne S. 1–3).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brannenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Brannenburg – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Evelin und Henning von Rochow: Brannenburg am Wendelstein. Kunstverlag Josef Fink, 2001, ISBN 3-933784-95-6.
  3. Brannenburg, Degerndorf: Chronik und Dokumentation der Gemeinde Brannenburg von Josef Rosenegger, Herausgeber: Gemeinde Brannenburg, 1990, S. 194.
  4. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111022/174648&attr=OBJ&val=495
  5. Sebastian Dachauer: Chronik von Brannenburg und den nächsten Orten der Umgebung. In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, Band 4, München 1843, Heft 1, S. 92–135 (online, ohne S. 94–95) und Heft 2, S. 219–270 (online)
  6. Sebastian Dachauer: Einfache Erzählung von dem schrecklichen Absturze des Schrofenberges und der dadurch erfolgten Verwüstung bei Brannenburg im August 1851. München 1852 (online).
  7.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 561.
  8.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 588.