Otto Jahn (Maler)

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Otto Jahn: LMG-Trupp Sprung-Vorwärts! (Farbkreide, ca. 290 × 250 cm), 1940 (im heutigen Heeresgeschichtlichen Museum in Wien, seit wann ist nicht bekannt)

Otto Jahn (* 14. März 1900 in Wien, Österreich-Ungarn; † März 1945) war ein österreichischer Porträt-, Landschafts- und Kriegspropagandamaler.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über den Maler Otto Jahn ist nur wenig Biographisches bekannt, in der Geschichte der österreichischen bildenden Kunst hat er als Maler kaum Spuren hinterlassen. Sein Tätigkeitsspektrum lag jenseits der akademischen Malerei. 1931 wurde er zum Beirat in der Landesgruppe Österreich des Welttheater-Bundes gewählt.[1] Im gleichen Jahr arbeitete er am Hygienemuseum in Dresden und gestaltete dort vermutlich eine große wandfüllende Schautafel: „Die hygienische Volksbelehrung will durch Aufklärung und Erziehung zu gesundem Leben führen“.[2] Er gestaltete außerdem Wandschmuck für eine Ausstellung der burgenländischen Regierung.[3] 1932 war er an Plänen für den Umbau der Femina beteiligt.[4] Belegt ist, dass er am 12. April 1933 als ordentliches Mitglied im Wiener Künstlerhaus aufgenommen wurde.[5]

1933 war er an zwei „Reklameausstellungen“ beteiligt.[6][7] Für den 10. Österreichischen Katholikentag 1933 in Wien fertigte er mehrere Bilder an, die ganz oder teilweise 1934 in einen Sammelband eingingen.[8] 1934 gestaltete er eine Ausstellung „Wochenende der Wiener“.[9]

Jahn gehörte 1935 zum Institut für Bildstatistik, einem nach der Vertreibung von Otto Neurath gegründeten und durch den Austrofaschismus umgestalteten Projekt, und gestaltete für die österreichische Versicherungswirtschaft eine Ausstellung.[10]

Das einzige darüber hinaus öffentlich bekannte Bild von Jahn ist ein NS-Propagandabild von 1940 – seine monumentale Farbkreidezeichnung LMG-Trupp Sprung-Vorwärts. Es gehört inzwischen zum Bestand des Wiener Heeresgeschichtlichen Museums (HGM) und ist in dessen Saal VII ausgestellt.[11]

Jahn spielte eine gewichtige Rolle zwischen 1938 und 1945 als Organisator einiger der besonders berüchtigten NS-Propagandaausstellungen. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er 1939 als Unteroffizier und Kriegspropagandamaler eingezogen. Im selben Jahr stellte er in der Ausstellung des Wiener Künstlerhauses Berge und Menschen der Ostmark sein Kaseinbild Kärntner Volksfest aus.[12] Für die 1940 vom damaligen Heeresmuseum Wien organisierte Kriegspropagandaausstellung am Wiener Heldenplatz mit dem Titel Der Sieg im Westen fertigte Jahn die oben genannte Farbkreidezeichnung an. Seit dem Anschluss Österreichs an NS-Deutschland wurde Jahn die künstlerische Leitung einer Reihe großer Propagandaausstellungen übertragen. Erarbeitet wurden sie vom Institut für deutsche Kultur- und Wirtschaftspropaganda in Berlin, das 1937 schon die beiden Wanderausstellungen Entartete Kunst und Große antibolschewistische Ausstellung betreut hatte, und vom Institut für Ausstellungstechnik und Bildstatistik in Wien.[13] Der Präsident Hugo Fischer des Instituts für deutsche Kultur- und Wirtschaftspropaganda war zugleich der Stabsleiter der Reichspropagandaleitung der NSDAP.[14]

Jahn war als „künstlerischer Leiter“ mindestens in den folgenden Fällen, in denen neben völkischer Anschlussbegeisterung, Militarismus und NS-Kriegserfolgen auch ein aggressiver Antisemitismus und Antikommunismus den Inhalt der Ausstellung bildeten, an der Gestaltung beteiligt. Damit befand er sich vollständig auf der Linie des NS-Propagandaministeriums:

  • 1938 – unmittelbar nach dem Anschluss in Wien die antisemitische Ausstellung Der ewige Jude,[15][16][17] die „den Hass gegen alles Jüdische schürte“[18]
  • im Juni 1939 – in den Ausstellungshallen beim Berliner Funkturm eine „pompöse“ (Hundert Jahre Historisches Museum) Ostmark-Schau[19]
  • September bis Oktober 1940 – Sonderschau Deutsche Soldaten und ihre Gegner im Heeresmuseum in Wien[20]
  • 1942 – die von der Reichspropagandaleitung der NSDAP durchgeführte Wanderausstellung Das Sowjet-Paradies,[21] eine „Hetzausstellung“,[22] deren „künstlerisches“ Plakat als Kinder-Schreck „das Gesicht eines mongolischen Soldaten mit einem Messer zwischen den Zähnen“, zeigte, „von denen Blut tropfte“.[23]

Im März 1945 wurde Jahn noch wieder im Rahmen der Endphasemobilisierung eingezogen. Er kehrte aus unbekannten Gründen nicht zurück, wurde zunächst für vermisst und 1950 für tot erklärt.[24]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tag&datum=19311229&seite=8&zoom=33&query=%22akademischer%2BMaler%2BOtto%2BJahn%22&ref=anno-search
  2. Sabine Schulte: DAS DEUTSCHE HYGIENE-MUSEUM IN DRESDEN VON WILHELM KREIS. Biographie eines Museums der Weimarer Republik. Bonn 2001 (Diss) S. 216f [1]
  3. http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=std&datum=19311202&seite=5&zoom=33&query=%22Otto%2BJahn%22&ref=anno-search
  4. http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=std&datum=19320827&seite=8&zoom=33&query=%22Ausstellung%22%2B%22Otto%2BJahn%22&ref=anno-search
  5. Wladimir Aichelburg: Künstlerhaus Wien – Mitglieder-Gesamtverzeichnis >> Buchstabe „J“ >> Jahn Otto. In: wladimir-aichelburg.at. 2014, abgerufen am 11. September 2019.
  6. http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=std&datum=19331107&seite=4&zoom=33&query=%22Ausstellung%22%2B%22Otto%2BJahn%22&ref=anno-search
  7. http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=bue&datum=1933&page=1309&size=45&qid=Q7OSOVEK7K0S7NEQ2AJ2P8LJWG8JNR
  8. [0058137&showtype=record#015bb24a-0944-46ec-9655-0078b238fd66 auf albertina.at], abgerufen am 28. August 2017
  9. http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=kvz&datum=19340508&seite=6&zoom=33&query=%22Ausstellung%22%2B%22Otto%2BJahn%22&ref=anno-search http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nwj&datum=19340411&seite=7&zoom=33&query=%22Ausstellung%22%2B%22Otto%2BJahn%22&ref=anno-search
  10. https://books.google.de/books?id=l-3nAAAAMAAJ&q=%22Otto+Jahn%22+Bildstatistik&dq=%22Otto+Jahn%22+Bildstatistik&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwism-r-t7DkAhVwMewKHcjBBVEQ6AEILjAB
  11. Nina Schedlmayer, 1. Weltkrieg: Propagandamalerei im Schützengraben, in: profil, 7. März 2014, siehe auch: [2].
  12. Heinrich Fuchs: Die österreichischen Maler der Geburtsjahrgänge 1881–1900. Wien 1976, Band 1, S. K 115.
  13. Christoph Zuschlag: "Es handelt sich um eine Schulungsausstellung". Die Vorläufer und die Stationen der Ausstellung „Entartete Kunst“, in: Stephanie Barron (Hrsg.): Entartete Kunst. Das Schicksal der Avantgarde im Nazi-Deutschland (Ausstellungsbuch), München 1992, S. 83–105, siehe auch: [3].
  14. Christoph Zuschlag, "Entartete Kunst". Ausstellungsstrategien im Nazi-Deutschland, Worms 1995, S. 223.
  15. Hans Seiger, Michael Lunardi, Sabine Plakolm-Forsthuber: Im Reich der Kunst: die Wiener Akademie der Bildenden Künste und die faschistische Kunstpolitik..., Verlag für Gesellschaftskritik, 1990, S. 292
  16. Wolfgang Benz: „Der ewige Jude“, Berlin 2010, S. 62.
  17. Wolfgang Benz/Mihok (Hrsg.): Ereignisse, Dekrete, Kontroversen, In: Handbuch des Antisemitismus, Bd. 4, Berlin/Boston 2011, S. 116.
  18. Anthony D. Kauders/Tamar Lewinsky (1945–1970), Neuanfang mit Zweifeln, in: Richard Bauer, Michael Brenner (Hrsg.), Jüdisches München. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2006, S. 187–208, hier: S. 190.
  19. Hundert Jahre Historisches Museum der Stadt Wien: 21. Mai bis 30. August 1987, Wien 1987, S. 124.
  20. Liselotte Popelka: Augenzeugen–Leidenszeugen–Vergessene. Österreichische bildende Künstler im Krieg. In: Helga Litschel (Hrsg.): Vom Ruf zum Nachruf. Katalog zur Oberösterreichischen Landesausstellung 1996. 1. Auflage. Veritas (im Oberösterreichischen Landesverlag), Linz 1996, ISBN 3-85214-658-5, S. 130–139, insbesondere S. 138.
  21. Christoph Kivelitz: Die Propagandaausstellung in europäischen Diktaturen: Konfrontation und Vergleich : Nationalsozialismus in Deutschland, Faschismus in Italien und die UdSSR der Stalinzeit, Bochum 1999, S. 233, 272.
  22. Reinhard Müller (Hrsg.), „Auf Lachen steht der Tod!“ Österreichische Flüsterwitze im Dritten Reich, Innsbruck/Wien/Bozen 2009, S. 150.
  23. Elisabeth Schulz-Semrau, Suche nach Karalautschi. Report einer Kindheit in Königsberg, Godern 2014, S. 69.
  24. Wladimir Aichelburg: Künstlerhaus Wien – Die Opfer 1938-1945 >> Otto Jahn. In: wladimir-aichelburg.at. 2014, abgerufen am 12. September 2019.