Heldenplatz

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Heldenplatz (Begriffsklärung) aufgeführt.
Heldenplatz
Wien Wappen.svg
Platz in Wien
Heldenplatz
Heldenplatz mit Blick auf die Hofburg
Basisdaten
Ort Wien
Ortsteil Innere Stadt
Einmündende Straßen Burgring
Bauwerke Hofburg, Burgtor, Präsidentschaftskanzlei
Nutzung
Nutzergruppen Autos, Fußgänger, Fiaker
Platzgestaltung Denkmal von Erzherzog Carl, Grünflächen
Der Heldenplatz vom Burgtor aus

Der Heldenplatz ist ein historischer Platz in Wien, der zum Gelände der Hofburg gehört. Der Bundespräsident residiert im angrenzenden Teil der Hofburg, der Bundeskanzler am mit dem Heldenplatz verbundenen Ballhausplatz.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Heldenplatz ist der äußere Burgplatz der Hofburg und wurde unter Kaiser Franz Joseph I. als Teil des Kaiserforums konzipiert, das jedoch nie vollendet wurde. Geplant war, einen rechteckigen Platz zu schaffen, der durch den Leopoldinischen Trakt, die Neue Hofburg, die Habsburgischen Sammlungen (heutiges Kunsthistorisches und Naturhistorisches Museum) sowie von einem nie gebauten Pendant der Neuen Burg an der Stelle des Volksgarten eingerahmt werden sollte. Der Platz zwischen den Museen ist heute als Maria-Theresien-Platz bekannt, weil dort das Maria-Theresien-Denkmal von Kaspar von Zumbusch steht. Die unverbaut gebliebene Nordwestseite bietet einen umfassenden Rundblick über die westliche Ringstraße mit Parlament, Wiener Rathaus und Burgtheater.

Der Name Heldenplatz kommt von den beiden Reiterdenkmälern, die beide von Anton Dominik Fernkorn (mit den Aufbauten von Eduard van der Nüll) stammen. Das ältere ist dasjenige Erzherzog Karls, das 1860 enthüllt wurde. Es diente zur militärischen Glorifizierung der Dynastie, zumal einer ihrer Angehörigen hier als Feldherr gefeiert wird. Kurz vor der Enthüllung des Denkmals unterlag Österreich Italien allerdings in der Schlacht von Solferino. Das Denkmal ist insofern bemerkenswert, als das Pferd im Aufspringen dargestellt ist, so dass nur die beiden Hinterbeine den Sockel berühren. Inspiriert ist das Denkmal vom bekannten Schlachtenbild Johann Peter Kraffts. 1865 wurde auch das Pendant fertiggestellt, die Reiterstatue Prinz Eugens, die kurz vor der Niederlage von Königgrätz enthüllt wurde. Nach Schlaganfällen Fernkorns wurde sie von Schülern vollendet. Die technische Perfektion des Erzherzog-Karl-Denkmals wurde nicht mehr erreicht, hier berührt auch der Schweif des Pferdes den Sockel.

Den Abschluss des Heldenplatzes bildet das Äußere Burgtor, das 1824 von Peter von Nobile gestaltet wurde und als Denkmal für die Soldaten der Napoleonischen Kriege gedacht war. Heute dient es allgemein als Denkmal für Kriegsgefallene. Das Innere des Baus ist nur im Rahmen staatlicher Zeremonien zugänglich. Vom Heldenplatz aus gesehen auf der rechten Seite des Burgtors befindet sich das Denkmal für die im Dienst getöteten Polizisten und Gendarmen Österreichs. Die künstlerische Gestaltung erfolgte durch Florian Schaumberger, das Denkmal wurde am 2. Mai 2002 enthüllt.

Mit dem Heldenplatz ist der Ballhausplatz verbunden, er befindet sich zwischen Leopoldinischem Trakt und Bundeskanzleramt. Letzteres stammt von Johann Lucas von Hildebrandt und ist seit dem späten 18. Jahrhundert ein zentraler politischer Ort.

Am 15. März 1938 verkündete Adolf Hitler vom Balkon der Neuen Burg aus den versammelten Massen auf dem Heldenplatz den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich. Der Titel des Theaterstücks Heldenplatz von Thomas Bernhard bezieht sich auf dieses Ereignis. Ebenso das berühmte Gedicht wien: heldenplatz des Wiener Lyrikers Ernst Jandl, das die Stimmung während der Hitler-Rede am Heldenplatz einzufangen versucht.

Seit Jahrzehnten findet auf dem Heldenplatz anlässlich des österreichischen Nationalfeiertags am 25. und 26. Oktober eine Werbeveranstaltung des Bundesheers statt. Am 26. Oktober findet die traditionelle Angelobung unter Führung des Bundespräsidenten statt.

Nachdem 2012 im Denkmal des toten Soldaten ein verstecktes NS-Pamphlet gefunden und Namen von SS-Leuten in den Totenbüchern entdeckt wurden, ließ das zuständige Bundesheer die Gedenkräume leeren. Die Neugestaltung wird bis Ende 2013 vorbereitet.

Am Tag der Wiedererrichtung der Republik am 12. März legte Verteidigungsminister Gerald Klug erstmals 2013 zum Gedenken an den Einmarsch Hitlers und den Untergang Österreichs einen Kranz nieder.

Anlässlich des 68. Jahrestags der Befreiung vom Nationalsozialismus hielt am 8. Mai 2013 das Bundesheer erstmals eine Mahnwache für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Heldenplatz ab. Damit sollten auch die Burschenschafter daran gehindert werden, sich für ihr traditionelles, umstrittenes Totengedenken des Wiener Korporations-Ringes zu versammeln. Zusätzlich fand, initiiert vom Mauthausen Komitee Österreich und den Wiener Symphonikern, ein "Fest der Freude" mit einem großen Festkonzert bei freiem Eintritt auf dem Heldenplatz statt. [1][2]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Margaret Gottfried: Das Wiener Kaiserforum. Utopien zwischen Hofburg und Museumsquartier. Böhlau Verlag, Wien 2001, ISBN 3-205-99196-6.
  • Florian Oberhuber: Stichwort „Heldenplatz“. In: Oswald Panagl / Peter Gerlich (Hg.): Wörterbuch der politischen Sprache in Österreich. Österreichischer Bundesverlag, Wien 2007, ISBN 3-209-05952-7.
  • Peter Stachel: Mythos Heldenplatz. Pichler Verlag, Wien 2002, ISBN 3-85431-286-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heldenplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mahnwache auf dem Heldenplatz, Ö1. ORF.at, 7. Mai 2013
  2. Mahnwache: "Heldenplatz von Ewiggestrigen befreit", Die Presse 8. Mai 2013

48.20666666666716.363055555556Koordinaten: 48° 12′ 24″ N, 16° 21′ 47″ O