Pío Baroja

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Pío Bajora um das Jahr 1912
Pío Baroja

Pío Baroja y Nessi, (* 28. Dezember 1872 in San Sebastián; † 30. Oktober 1956 in Madrid) war ein spanischer Schriftsteller und ein Vertreter der Generación del 98.[1]

Das Denkmal für Pío Baroja im Parque del Buen Retiro in Madrid

Leben[Bearbeiten]

Zum Winter, primer semestre des Jahres 1887 begann er in Madrid Medizin zu studieren, wo er später auch den Großteil seines Lebens verbrachte. Während des Spanischen Bürgerkriegs lebte er, wie viele Intellektuelle und Autoren seiner Zeit, in Frankreich. 1955, ein Jahr vor seinem Tod, wurde er zum Mitglied der Real Academia Española ernannt.

Im Jahre 1872 am Samstag, den 28. Dezember kommt Pío Baroja y Nessi als Sohn eines Poesie und Lyrik verfassenden Bergwerkingenieurs dem Serafin Baroja (1840–1912) baskischen Ursprungs und einer lombardischen Mutter Carmen Nessi y Goñi (1849–1935) – beide waren seit dem Jahre 1866 verheiratet – in San Sebastián zur Welt. In dieser „Herkunftsmischung“ sucht Baroja oft den Grund für seinen inneren Zwiespalt. Der Vater arbeitete damals für mehrere Zeitungen, schrieb Gedichte und Aufsätze in spanischer wie in baskischer Sprache.

Sein Vater beeinflusste das literarische Interesse seines Sohnes, doch redete Baroja selten über seinen Vater. Das Verhältnis zur Mutter sei inniger, stärker gewesen. Häufiges Umziehen aufgrund des Berufes des Vaters schob sich nach 1880 immer mehr in den Mittelpunkt. Das Herausgerissen-werden aus einem bekannten Kreis und das Hineingestellt-werden in einen neuen bestimmten nun sein Leben und verwehrten ihm jegliche Chance auf wahre, lange Freundschaften. Auch seine Schwester Carmen Baroja (1883–1950) und sein Bruder Ricardo Baroja (1871–1953) waren künstlerisch und schreibend tätig.

Am Instituto San Isidro in Madrid erreichte Pío im Alter von 15 Jahren sein „bachillerato“, um sich dann seinem Medizinstudium zu widmen. Er besuchte im vierten Studienjahr die Pathologiekurse des José de Letamendi y Manjarrés (1828–1897)[2] was seine kritische Haltung zum Kenntnisstand der Medizin verstärkte. Er hoffte aber insgeheim, in der Universität seinen Drang nach Erkenntnis und Wahrheit zu stillen. Das Studium der Medizin brachte nicht seinen gewünschten Erfolg, zweimal fiel er durch die Zwischenprüfung an der Facultad de San Carlos in Madrid.

Baroja wechselte seinen Studienort nach Valencia, wohin der Vater versetzt wurde. Verbittert vertiefte er sich in sein Studium und erlangte im Jahre 1893 die Schlussprüfung an der Universität Valencia. Mit einer „psychophysischen“ Studie über den Schmerz erlangt er seinen Doktorgrad, die allerdings mehr durch Theorien als experimentelle Grundlagen gestützt wurde und im Allgemeinen einen pessimistischen Blick Barojas auf das Leben ähnlich wie Schopenhauer gab. Besonders bezeichnend war in seiner Studie, dass das Leben im Normalzustand weder Lust noch Schmerz, sondern ein Gefühl der Gleichgültigkeit auslöse.[3]

Nach dem Examen betätigte sich Baroja seit dem Jahre 1894 als Amtsarzt, médico de pueblo im kleinen Städtchen Cestona in der Provinz Gipuzkoa im Baskenland. Zu jener Zeit entstanden seine ersten Erzählungen, mit denen er versuchte, Land und Leute der baskischen Heimat einer breiten Masse bekannt zu machen. Sein dortiger Aufenthalt war kurz, er begleitete seinen Vater und nach andauernder Stellungslosigkeit versuchte er sich zusammen mit Bruder Ricardo in Madrid mit einer geerbten Bäckerei, bei welcher sich erst nach einiger Zeit der Erfolg einstellte.

Pío Baroja y Nessi gehörte zu den berühmten Mitgliedern der „Generación del 1898“, eine Bezeichnung, die auf José Martínez Ruiz zurückging. Die Konsequenzen aus dem Spanisch-Amerikanischen Krieg, welcher vielfach als nationale Erschütterung erlebt wurde, führten zu einer angespannten sozialen und politische Situation im Königreich Spanien. Die Generación del 1898 trat in dieser Zeit für eine politische Neubesinnung des Landes ein, verbunden mit einer Ablehnung der jüngsten Vergangenheit und den Vorstellungen über traditionelle Kunst, Ideale, Moral und der Politik. Die Novellensammlung „Vidas Sombrías“ wurde im Jahre 1900 seine erste Veröffentlichung, allerdings mit geringem Erfolg. Hier verband sich scharfe Beobachtungsgabe mit feiner seelischer Empfindsamkeit. Wenig später wurden er und José Martínez Ruizmit Künstlernamen „Azorín“ einander vorgestellt; um die beiden versammelte sich eine Gruppe junger Intellektueller, die sich vom vorherigen schematischen Spanienbild lösen wollten. Dort fand sich der Schweizer Paul Schmitz wieder, der Baroja weitgehend in die Ideen und Denkweisen Nietzsches einführte, welcher ihn fortan neben Schopenhauer prägte.

In den nächsten Jahren gründete er verschiedene Zeitschriften bzw. er arbeitete an ihnen mit, wie z. B. „El Globo“ oder „Juventud“, die nationale Wiedergeburt, demokratische Strukturen, Sozialismus und Lehren des politischen Anarchismus widerspiegelten. Erst im Jahre 1902 gelang Baroja der schriftstellerische Durchbruch mit dem Roman „Camino de Perfección“, der stellvertretend für das Ringen seiner Generation stand. Pío war ein leidenschaftlicher Reisender, der seine gewonnenen Eindrücke in vielen seiner Romane einarbeitete. Beeindruckt war er ebenfalls von Deutschland, dessen Geistesleben er führend in der europäischen Gemeinschaft sah. Politisch trat er nicht gern hervor, ihm schien es ein zu schmutziges Geschäft und doch war er ein offensichtlicher Gegner der Diktatur Primo de Riveras.[4]

In Pío Barojas Abenteuerromanen findet die in uns allen lebende Sehnsucht nach dem Heldischen einen starken Ausdruck. In seinem Werk werden Probleme spanischer Leute reflektiert, die seit dem Jahre 1898 mit sich um die neue Gestalt Spaniens ringen. Ein typischer Bildungsroman ist der Roman El árbol de la ciencia (1911) mit einer pessimistischen Grundhaltung und stark autobiografischen Einlassungen vertreten durch die Romanfigur des „Andrés Hurtados“.[5]

Helmut Demuth[6] schreibt, Baroja handele eigentlich immer von sich und teile seine Bücher in zwei Gruppen: „unos, los he escrito con más trabajo que gusto; otros, los he escrito con más gusto que trabajo“.

Er war von 1935 bis 1956 an Mitglied der Real Academia Española (Sillón a). Am Dienstag, den 30. Oktober 1956, im Alter von 83 Jahren, starb Pío Baroja y Nessi in Madrid. Seine Schwester Carmen starb im Jahre 1949 und sein Bruder Ricardo im Jahre 1953.

Ruiz de Alarcón, 12, sein letzter Wohnsitz in Madrid.
Eine Gedenktafel «Edificio Baroja», Ruiz de Alarcón, 12.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • La casa de Aizgorri. (1900),
  • El mayorazgo de Labraz. (1903),
  • Zalacaín el aventurero. (1908),
  • La leyenda de Jaun de Alzate. (1922)
  • La busca. (1904),
  • Mala hierba. (1904),
  • Aurora roja. (1904)
  • El árbol de la ciencia. (1911), ( deutsche Ausgabe Der Baum der Erkenntnis. Herder, Freiburg 1991, ISBN 3-4512-2485-2)
  • La dama errante. (1908),
  • La ciudad de la niebla. (1909).
  • Aventuras, inventos y mixtificaciones de Silvestre Paradox. (1901),
  • Camino de perfección. (pasión mística) (1901),
  • Paradox rey. (1906),
  • César o nada. (1910),
  • El mundo es ansí. (1912),
  • La sensualidad pervertida: ensayos amorosos de un hombre ingenuo en una época de decadencia. (1920),
  • Las inquietudes de Shanti Andía. (1911),
  • El laberinto de las sirenas. (1923),
  • Los pilotos de altura. (1929),
  • La estrella del capitán Chimista. (1930).
  • El gran torbellino del mundo. (1926),
  • Las veleidades de la fortuna. (1927),
  • Los amores tardíos. (1942),
  • La familia de Errotacho. (1932),
  • El cabo de las tormentas. (1932),
  • Los visionarios. (1932),
  • Las noches del Buen Retiro. (1934),
  • Locuras de carnaval. (1937),
  • El cura de Monleón. (1936).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pío Baroja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webportal über Pío Baroja
  2. F.B. Piñero: Letamendi y Manjarres, José de. MCNbiografias
  3. José Carlos Mainer: Pío Baroja. Taurus, Madrid 2012, ISBN 8-4306-0908-3
  4. Biographie über Pío Baroja. (Diccionario Enciclopédico Vasco Auñamendi)
  5. Sandra Obermeier: Vom Skalpell zur Schreibfeder: Wenn Ärzte zu Literaten werden. Diplomica Verlag, Hamburg 2014, ISBN 3-9585-0645-3, S. 9 f.
  6. Helmut Demuth: Pio Baroja, das Weltbild in seinen Werken. Inaugural-Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Hagen 1937