Palais Schwerin

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Palais Schwerin
Blick vom Molkenmarkt auf das Palais mit den beiden Seitenflügeln. Am Bildrand rechts die Alte Münze

Blick vom Molkenmarkt auf das Palais mit den beiden Seitenflügeln. Am Bildrand rechts die Alte Münze

Daten
Ort Berlin-Mitte
Baumeister Jean de Bodt
Baujahr nach 1690
Koordinaten 52° 30′ 58″ N, 13° 24′ 32″ OKoordinaten: 52° 30′ 58″ N, 13° 24′ 32″ O

Das Palais Schwerin ist ein historisches Stadtpalais im Ortsteil Mitte von Berlin. Das aus der Barockzeit stammende Gebäude Molkenmarkt 1 steht in der Berliner Denkmalliste[1] und ist heute Sitz des Deutsch-Französischen Jugendwerks.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bauwerk befindet sich gegenüber dem Nikolaiviertel auf der östlichen Seite der Straße Mühlendamm unmittelbar neben der Alte Münze (Mühlendamm 3).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Adelspalais ist wahrscheinlich nach dem großen Stadtbrand 1690 errichtet worden. Im Jahr 1698 kaufte es der preußische Staatsminister Otto von Schwerin, der es durch Jean de Bodt, einen Hugenotten in preußischen Diensten, umbauen ließ. Die Kartusche über dem Haupteingang zeigt den Orden vom Schwarzen Adler, den Schwerin 1701 erhalten hatte.

Nach dem Tod des Grafen (1705) ging das Palais 1765 als Tabak-General-Administration in staatlich-preußischen Besitz. Im Jahr 1787 fiel das Tabakmonopol und 1794 zog das Kriminalgericht und später auch ein Gefängnis ein. Benachbart lag die Stadtvogtei. Für ein Jahrhundert war das Palais Schwerin ein Synonym für den „Knast“ schlechthin, bis 1889 die Nutzungen in das von Hermann Blankenstein errichtete Polizeipräsidium Alexanderplatz verlegt wurden. Bis 1910 diente das Gebäude der Justizverwaltung.

In den 1920er Jahren vermietete der preußische Staat das Palais an ein Möbelhaus.

Abbruch, Rekonstruktion und Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Münzfries an der Alten Münze (Mühlendamm 3)

Im Zuge des Neubaus der Reichsmünze (heute: Alte Münze) wurde das Palais Schwerin 1937/38 unter Beibehaltung der Frontfassade weitgehend entkernt, überformt und um zwei Seitenbauten (nördlich: Molkenmarkt 2, südlich: Mühlendamm 1) im gleichen Baustil erweitert aber nicht, wie vielfach behauptet, rückwärtig versetzt.[2] Das Gebäudeensemble aus Palais Schwerin und Mühlendamm 3 (heutige Alte Münze) bildete nun eine Einheit. Das Gebäude Mühlendamm 3 erhielt als Schmuckelement eine Kopie des von Johann Gottfried Schadow für die Alte Münze am Werderschen Markt (Unterwasserstraße) geschaffenen Fries.

Der Gebäudekomplex diente ab 1951 als Sitz der Staatlichen Kunstkommission der DDR, anschließend bis zur Wende dem Kulturministerium und der Zentralen Münze der DDR. Am 16. Juli 1990 wurde mit der Prägung von bundesdeutschen Münzen begonnen.

Im Jahr 2010 befanden sich in den Gebäudeteilen am Spreeufer und an der Spandauer Straße die Berliner Münzprägeanstalt und Räume für den Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Stahn: Berlin. Das Nikolaiviertel. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2003.
  • Uwe Kieling, Johannes Althoff: Das Nikolaiviertel. Berlin Edition, Berlin 2001.
  • Benedikt Goebel: Der Umbau Alt-Berlins zum modernen Stadtzentrum. Verlagshaus Braun, Berlin 2003.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baudenkmal Molkenmarkt 1–3, Palais Schwerin, 1704 von Jean de Bodt; Münze, 1936–1942 von Fritz Keibel und Arthur Reck
  2. „Auf der bis 1935 durch die Abrisse von Polizeipräsidium, Krögelhof, Stadtvogtei und sechs Wohn- und Geschäftshäusern in der Stralauer Straße 32 geschaffenen knapp 16.000 Quadratmeter großen Freifläche wurde bis 1942 nach einem Entwurf von Fritz Keibel und Arthur Reck die Reichsmünze erbaut. […] Dabei wurde die Fassade des Palais Schwerin am Molkenmarkt 1 nicht – wie vielfach behauptet – abgerissen und um einige Meter versetzt hinter der historischen Bauflucht wieder aufgebaut, sondern am alten Standort in den Neubau der Reichsmünze integriert. Das alte Palais wurde zwischen Frühjahr 1937 und Oktober 1938, wie es heute heißen würde, völlig entkernt, so daß kaum mehr als die Fassade erhalten ist. Zu den wenigen bewahrten Spolien gehört die hölzerne Haupttreppe aus dem 18. Jahrhundert, die man, um zahlreiche Hakenkreuze im Schnitzwerk des Geländers bereichert, in den Neubau übernahm. Der plastische Fassadenschmuck des Palais Schwerin wurde durch Kopien ersetzt.“ In: Benedikt Goebel: Der Umbau Alt-Berlins zum modernen Stadtzentrum, Verlagshaus Braun Berlin 2003, ISBN 3-935455-31-3
  3. Palais Schwerin / Münze. In: Bezirkslexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins