Alte Münze (Berlin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hauptgebäude der Münze am Mühlendamm 3

Die Alte Münze in Berlin ist ein Gebäudekomplex im Ortsteil Mitte. Die dortige Münzprägeanstalt war die Nachfolgeeinrichtung der Prägeanstalt am Werderschen Markt.

Der im Karree Molkenmarkt/Mühlendamm, Rolandufer, Am Krögel und Stralauer Straße gelegene Komplex befindet sich auf den Fundamenten des mittelalterlichen Krögel-Viertels von Alt-Berlin.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Haus am Werderschen Markt, den Erweiterungsbau der Reichsbank, musste die dort befindliche Münzanstalt verlegt werden. Nach Plänen der Architekten Fritz Keibel und Arthur Reck wurde ab 1935 das Gebäude Mühlendamm 3 errichtet, dessen Fassade eine Kopie des 48 Meter langen Frieses von Friedrich Gilly und Johann Gottfried Schadow ziert, der sich am ersten Gebäude der Berliner Münze am Werderschen Markt befand.

Die ehemalige Prägeanstalt im Hof des Gebäudekomplexes

Nördlich anschließend wurde das barocke Palais Schwerin (Molkenmarkt 1) in den Gebäudekomplex mit einbezogen. Es wurde unter Beibehaltung der Frontfassade weitgehend entkernt, überformt und im gleichen Baustil um zwei Seitenbauten (nördlich: Molkenmarkt 2, südlich: Mühlendamm 1) erweitert. Die ursprünglichen Sandsteinteile des Palais wurden durch Kopien ersetzt.

Bereits in den 1930er Jahren stellte die neue Münze Reichsmark-Münzen her, allerdings verhinderte der Zweite Weltkrieg die Vollendung der Umbauarbeiten.

Ende 1947 begann dort die Prägung von 5- und 10-Pfennig-Stücken der neuen DDR-Währung. Nachdem 1953 die Münze Muldenhütten stillgelegt wurde, war der VEB Münze Berlin die einzige Prägestätte in der DDR. Der Baukomplex wurde in den 1980er Jahren unter Denkmalschutz gestellt. Die Räumlichkeiten mit dem Eingang Molkenmarkt 3, dessen Kern das frühere Schwerinsche Palais bildet, waren ursprünglich der Verwaltung der Münzanstalt zugeordnet, später dienten sie dem Ministerium für Kultur.[1]

Schon kurz nach der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion am 1. Juli 1990 begann die Produktion von D-Mark-Münzen und 1999 die von Euro-Münzen.

Zum Jahreswechsel 2005/2006 gab die Staatliche Münze den Standort in Berlin-Mitte auf und produziert seitdem in Berlin-Reinickendorf.[2] Seit September 2009 nutzen und vermarkten zwei Berliner Eventagenturen die Alte Münze. Zum Gebäudekomplex Alten Münze gehört auch das Direktorenhaus (Am Krögel 2), das seit 2011 ein Kunst- und Kulturzentrum mit angeschlossener Galerie beherbergt. In den Ausstellungsräumen mit einer Fläche von rund 400 Quadratmetern wurde im Dezember 2014 die Ausstellung „Die schönsten Krippen dieser Welt“ eröffnet. Ein bedeutendes Exponat ist die derzeit größte Krippe der italienischen Krippenbauerin Angela Tripi mit den Abmessungen vier mal vier Meter (Stand: 2014).[3]

Aktuelle Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2013 zog die aktuelle Betreiberin, die Projekt030 GmbH, in die Alte Münze ein. Unter dem Namen Spreewerkstätten hat sie in den letzten Jahren nach und nach immer mehr Flächen des historischen Areals der Alten Münze erschlossen und aus eigener Kraft aktiviert sowie permanent nutzbar gemacht.[4] So findet hier aktuell eine vielseitige kreative Gemeinschaft aus Kunst- und Kulturschaffenden, Akteuren der Kreativwirtschaft und jungen Unternehmen ein Zuhause. Neben Veranstaltungsflächen, Ateliers, Tonstudios und Büros reihen sich unter anderem eine Swingtanzschule, eine alternative Zeichenschule, eine Multimedia-Ausstellung oder auch das Migration Hub ein.[5] Gemeinsam mit den Akteuren vor Ort arbeiten die Spreewerkstätten an der Öffnung und Entwicklung des Areals der Alten Münze an der Spree.

Ende 2016 initiierten die Spreewerktstätten den Kunst- und Projektraum 2 OG – Contemporary Opportunities. Das 2 OG versteht sich als experimentelles Zentrum unabhängiger Kunst- und Kulturproduktion in der Alten Münze, das sich mittlerweile über zwei Etagen des ehemaligen Produktionsgebäudes erstreckt und über 20 Künstlern, Wissenschaftlern und Kreativen einen Arbeits- sowie Präsentationsraum zur Verfügung stellt und auf den angeschlossenen Projektflächen ein öffentliches Programm für den Standort entwickelt. Im Zentrum stehen dabei interdisziplinäre Ideen für eine bessere, gut aussehende Zukunft, Stadt und Gesellschaft.[6]

Im Jahr 2017 wurde das Urban-Gardening-Projekt Münzgarten ins Leben gerufen, das Besuchern der Alten Münze sowie Anwohnern die Möglichkeit der alltäglichen Gartenerfahrung und eine grüne Oase inmitten der Großstadt bietet. 2018 soll das Projekt um ein Community-Café erweitert werden.[7]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut erkennbar sind die beiden Gebäudebestandteile, die jedoch gut aufeinander abgestimmt sind. Das historische Palais ist ein dreigeschossiger Putzbau mit 19 Achsen und einem zentral angeordneten zurückspringenden, von quadratischen Säulen eingefassten Portal. Die Fenster in der ersten Etage der jeweils zweiten Achsen sind durch Schmuckkonsolen hervorgehoben. Der angeschlossene Neubau selbst ist in fünf Achsen gegliedert und verläuft entsprechend dem Straßenzug leicht bogenförmig. Der Komplex erhielt ein gemeinsames Satteldach. Der Relief-Fries nach Vorlagen von Gilly und Schadow aus dem Jahr 1800 zeigt im antikisierenden Stil Szenen der Metall- und Münzenherstellung. Das Original des Frieses kam nach dem Abriss des ersten Münzgebäudes am Werderschen Markt zunächst an einen ersten Neubau der Münze an der Niederwallstraße. Als dieses Gebäude für den Reichsbankneubau (Haus am Werderschen Markt) abgerissen wurde, wurde der Fries eingelagert und eine Kopie für den hier beschriebenen Bau angefertigt. In den 1960er Jahren erhielt der Senat von West-Berlin das Original des Frieses.[1]

Im Innenhofbereich wurde die eigentliche Produktionsstätte in typischer Backstein-Industriearchitektur eingefügt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Münze am Molkenmarkt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin-I. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 58 f.
  2. Bald kommen die Euro-Münzen aus Reinickendorf. Abgerufen am 13. Februar 2018.
  3. Warten aufs Christkind. In: Berliner Morgenpost extra, 20./21. Dezember 2014; S. 14.
  4. SPREEWERKSTÄTTEN | Die Spreewerkstätten in der Alten Münze in Berlin. Abgerufen am 13. Februar 2018 (amerikanisches Englisch).
  5. Alte Münze – Geschichtsträchtiger Standort im Herzen Berlins. Abgerufen am 13. Februar 2018 (deutsch).
  6. 2 og is an experimental hub in Berlin that provides space for artists and scientists. Abgerufen am 13. Februar 2018 (deutsch).
  7. Münzgarten – Alte Münze. Abgerufen am 13. Februar 2018 (deutsch).

Koordinaten: 52° 30′ 56″ N, 13° 24′ 29″ O