Panamaskandal

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Der Panamaskandal war ein Bestechungsskandal zur Zeit der Dritten Französischen Republik Ende des 19. Jahrhunderts. Er wurde am 6. September 1892 durch einen Artikel in der antisemitischen Zeitung La Libre Parole bekannt.

1879 wurde eine französische Gesellschaft gegründet, um den Bau des Panamakanals unter Ferdinand de Lesseps zu finanzieren. Die Gesellschaft meldete 1889 Konkurs an und versuchte, ihre Finanzlage mithilfe einer Lotterie zu verbessern. Die gesetzliche Genehmigung hierfür wurde u. a. von Lesseps Teilhabern Cornélius Herz und Baron Jacques de Reinach durch Bestechung zahlreicher Politiker und Journalisten eingeholt. Der Konkurs der Compagnie de Panama war dennoch unausweichlich. Die französische Regierung hielt die Verluste für die Aktionäre zunächst geheim, was neben dem Bekanntwerden der Korruptionsaffäre zu einem starken Vertrauensverlust in der Bevölkerung führte.

Die Regierung unter Ministerpräsident Émile Loubet (der zugleich auch Innenminister war) trat am 28. November 1892 zurück. Die nachfolgende Regierung (Ribot I unter Alexandre Ribot) trat am 10. Januar 1893 zurück und die Regierung Ribot II am 30. März 1893.[A 1] Auch der spätere Ministerpräsident Georges Clemenceau war in den Skandal verwickelt. Er war damals Abgeordneter des Département Var in der Nationalversammlung und verlor nach einer Hetzkampagne diverser Zeitungen gegen ihn bei der Stichwahl am 3. September 1893 gegen einen Kandidaten, der von Linken und Rechten unterstützt wurde.[1] Er konnte seine politische Karriere aber fortsetzen.

Am Panamaskandal waren auch einige jüdische Finanziers (Cornélius Herz, Jacques de Reinach, Émile Arton, Louis Andrieux) beteiligt, was dem Antisemitismus in Frankreich Vorschub leistete.

Der Skandal destabilisierte die Republik nicht. Dies lag wohl unter anderem daran, dass das Interesse der Öffentlichkeit ab November 1894 von der Dreyfus-Affäre in Anspruch genommen wurde. Begünstigt durch den rasanten Aufstieg und wachsenden Einfluss der französischen Presse förderte der Panamaskandal eine Politisierung vor allem der unteren Bevölkerungsschichten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachbuch
  • Pierre A. Bourson: L'affaire Panama. Édition de Vecchi, Paris 2000, ISBN 2-7328-2977-3.
  • Jean Y. Mollier: Le scandal de Panama. Fayard, Paris 1991, ISBN 2-213-02674-2.
  • Matthew Parker: Panama fever. The battle to build the canal. Hutchinson, London 2007, ISBN 978-0-09-179704-1.
  • Alex Schubert: Panama. Geschichte eines Landes und eines Kanals. Wagenbach, Berlin 1978, ISBN 3-8031-2048-9.
  • Walter Frank: Der Panama-Skandal. Hanseatische VA, Hamburg 1942 (Sonderdruck aus: Ders.: Nationalismus und Demokratie im Frankreich der Dritten Republik).
Belletristik
  • Maurice Barrès: Une journée parlementaire. Comédie de mœurs en trois actes. Charpentier & Fasquetier, Paris 1894.
  • Wilhelm Herzog: Panama. Korruption, Skandal, Triumphe; eine große menschliche Komödie. Bruckmann, München 1950.
  • Eberhard Wolfgang Möller: Panamaskandal. Schauspiel. Theaterverlag Langen Müller, Berlin 1936.
  • Eric Zencey: Die Panama-Affäre. Historischer Roman. Dtv, München 2000, ISBN 3-423-20354-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Panamaskandal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michel Winock (2007): Clemenceau. Editions Perrin (ISBN 978-2-262-01848-1), Kap. XII.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe auch fr:Gouvernement Alexandre Ribot (1) und (2)