Parlamentswahlen in Südafrika 1948

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D. F. Malan
J. C. Smuts

Die Parlamentswahlen in Südafrika 1948 fanden am 26. Mai 1948 in der Südafrikanischen Union statt. Sie markieren den Beginn der institutionalisierten Apartheid in Südafrika.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die United Party (UP) führte die Südafrikanische Union seit 1934, seit 1939 unter Premierminister Jan Christiaan Smuts. In dieser Zeit nahm das Land auf Seiten der Alliierten am Zweiten Weltkrieg teil. Die Kriegszeit und Nachkriegszeit war von Einschränkungen gekennzeichnet. So gab es lange kein Weizenbrot, da Weizenmehl in die bedürftigen Länder Europas ausgeführt wurde. In Alexandra protestierten die Bewohner 1940 und 1942 gegen Fahrpreiserhöhungen des städtischen Busunternehmens, 1943 boykottierte man den öffentlichen Verkehrsträger für neun Tage und 1944 sogar für sieben Wochen. Unter den schwarzen Industriearbeitern kam es 1942 wegen unerfüllter Lohnzusagen zu Unruhen, bei denen in Pretoria 18 Personen den Tod fanden. Im August 1946 entwickelte sich unter dem Dach der von J. B. Marks geführten African Mine Workers` Union ein Streik von 70.000 schwarzen Minenarbeitern, der von der Regierung mit härtestem Einsatz bekämpft und auf diese Weise blutig beendet wurde. Als direkte Reaktion auf dieses Regierungshandeln stellte der African National Congress (ANC) seine Mitwirkung im Native Representative Council (NRC) ein und boykottierte dieses Gremium bis zu dessen Auflösung im Jahr 1951.[1][2][3]

Die politische Haltung der UP in der Frage der unterschiedlichen Behandlung der „Rassen“ war durch die Annahme geprägt, dass eine Integration der Schwarzen, Coloureds und „Asiaten“ unausweichlich sei. Dagegen stellte sich die oppositionelle Herenigde Nasionale Partei (HNP) unter dem Geistlichen der Niederländisch-reformierten Kirche, Daniel Francois Malan, die eine strikte Trennung nach Hautfarbe in allen Lebensbereichen vertrat – das politische Konzept der Apartheid.[1] Die HNP war 1940 aus der Gesuiwerde Nasionale Party und einer Abspaltung der UP entstanden. Das von den Nationalisten nach der Wahl von 1948 umgesetzte Programm hatte seine Wurzeln in dem so genannten Sauer-Report von 1947, der unter dem Titel Verslag van die Kleurvraagstuk-Kommissie van die Herenigde Nasionale Party (etwa: „Vorschlag der HNP-Kommission zur Hautfarbenfrage“) Bekanntheit erlangte. Damit erklärte man den Schutz der „weißen Rasse“ sowie den separaten Erhalt „anderer Rassen“ in Südafrika zum zentralen Ziel der künftigen Politik. Keine dieser Gruppen solle künftig eine andere bedrohen, indem eine vollendete Trennung auf „natürlicher Basis“ zu schaffen sei.[2][4]

Die Smuts-Regierung bewirkte durch ihre Einwanderungspolitik, dass viele Briten nach Südafrika gekommen waren, die neben den Buren die zweite große Bevölkerungsgruppe der weißen Südafrikaner darstellen. Die burisch geprägte HNP sah dies als Gefahr für die Buren an, die die größere der beiden Gruppen darstellte. Ferner stellte sie Smuts als Kommunistenfreund dar, nachdem er während des Zweiten Weltkriegs offenbar gut mit dem damaligen Verbündeten Josef Stalin zusammengearbeitet hatte. Mit Bezug auf die vermeintliche Integrationspolitik der UP wurde von „Roter Gefahr“ gesprochen.

Die Politik der HNP fand besonders bei Wählern in ländlichen Regionen Anklang, wo Schwarze als billige Arbeitskräfte gebraucht wurden. Daneben fürchteten zahlreiche weiße Südafrikaner die mögliche Konkurrenz anderer Südafrikaner auf dem Arbeitsmarkt.

Die rechte Afrikaner Party (AP) war mit der HNP verbündet, die linksstehende South African Labour Party (LP) sowie einige Unabhängige standen auf der Seite der UP.

Vor den Wahlen 1948 hatte die UP 89 Sitze, die HNP 43 und die LP 9. Die AP hatte 1,8 % und keine Mandate gewonnen.

Wahlverfahren[Bearbeiten]

Das aktive Wahlrecht hatten nur weiße Südafrikaner sowie wenige Coloureds und Asiaten. Gewählt werden konnten nur Weiße. Schwarze in der Kapprovinz konnten insgesamt drei zusätzliche weiße Parlamentarier wählen.

Die Parlamentarier wurden ausschließlich nach dem Mehrheitswahlrecht bestimmt. Die 153 Wahlkreise waren so aufgeteilt, dass die ländlichen Wahlkreise deutlich weniger Wähler umfassten als die städtischen Wahlkreise.

Ergebnisse der Parlamentswahlen[Bearbeiten]

Die HNP gewann die Wahlen gemeinsam mit der AP, obwohl sie erheblich weniger Stimmen als die späteren Oppositionsparteien erhalten hatten. HNP und AP gewannen vor allem ländliche Wahlkreise, UP und LP städtische Wahlkreise. Jan Smuts verlor seinen Sitz im Wahlkreis Standerton.

Partei Stimmen % Sitze
  Herenigde Nasionale Party (HNP) 401.834 37,70 74
  United Party (UP) 524.230 49,18 65
  Afrikaner Party (AP) 41.885 3,93 9
  South African Labour Party (LP) 27.360 2,57 6
  Unabhängige 70.662 6,63 3
  Vertreter der Schwarzen --- --- 3
Total 1.065.971 100,00 153

[5]

Folgen[Bearbeiten]

Das Kabinett ab 1948 mit D. F. Malan

Die Wahlen markieren den Beginn der üblicherweise als Apartheid bezeichneten Periode systematischer legislativ, administrativ, kulturell und ökonomisch betriebener Segregationspolitik in Südafrika. Die Vertreter jenes Staats- und Wirtschaftskonzeptes bezeichneten sie euphemistisch als „getrennte Entwicklung“. Folgende Gesetz wurden in rascher Folge beschlossen:

Die neue Regierung erlaubte die zuvor verbotenen Burenorganisationen Afrikaner Broederbond, Ossewabrandwag und Nuwe Orde.[6] Der Ossewa Brandwag war während des Krieges der Kollaboration mit den Deutschen bezichtigt worden, Nuwe Orde war die rechtsradikale Partei von Oswald Pirow. Deutsche Nationalsozialisten, die die Vorgängerregierung ausweisen wollte, durften nun im Land bleiben.[6]

Mit dem Ziel einer wissenschaftlichen Basis für die Apartheidpolitik beauftragte die Regierung Malan 1950 die sogenannte Tomlinson-Kommission. In Form eines mehrbändigen Reports legte dieses Gremium weitgehende Empfehlungen und Analysen zur Ausgestaltung einer künftigen „Politik der getrennten Entwicklung“ vor.

Neben der Einschränkungen der Rechte der Nicht-Weißen wurden einige teils symbolische Rechte der britischstämmigen Weißen beschnitten. So wurde die britische Doppelstaatsbürgerschaft für Südafrikaner abgeschafft und die britische Nationalhymne durfte nicht mehr als Nationalhymne Südafrikas verwendet werden.[7] 1950 wurden im besetzten Südwestafrika sechs zusätzliche Abgeordnete in das südafrikanische Parlament gewählt, die alle der NP angehörten.

Unter dem Eindruck der weiter anwachsenden politischen Repression beschloss die ANC Youth League ein Aktionsprogramm (Programme of Action), mit dem vier Schwerpunkte in den Mittelpunkt ihres künftigen Handelns traten: ziviler Ungehorsam, Wirtschaftsblockaden, Entzug schwarzer Arbeitskräfte, keine Kollaboration mit der Regierung. Zu dieser Zeit war Ashby Peter Solomzi Mda Vorsitzender der ANC-Jugendorganisation. Dieses Aktionsprogramm wurde in der von Zachariah Keodirelang Matthews, Oliver Tambo, Moses Kotane und Selby Msimang nachbearbeiteten Fassung am 17. Dezember 1949 auf der Jahreskonferenz zum Programm des ANC bestimmt.[8]

Smuts starb 1950. Die HNP schloss sich 1951 mit der AP zusammen und firmierte fortan als „Nasionale Party“ bzw. „National Party“ (NP), die bis 1994 die Alleinregierung stellte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ohm Krüger redivivus. In: Der Spiegel. 23/1948 vom 5. Juni 2012. (Digitalisat)
  • Gleichschaltung in Südafrika. In: Die Zeit. 38/1948 vom 16. September 1948. (Digitalisat)
  • ISSA (Hrsg.): Dokumente der südafrikanischen Befreiungsbewegung. Bonn 1977, ISBN 3-921614-82-5 (formal falsche ISBN).
  • Gottfried Wellmer: Südafrikas Bantustans. Geschichte, Ideologie und Wirklichkeit. Bonn 1976, ISBN 3-921614-29-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Geschichte um 1948 bei sahistory.org.za (englisch), abgerufen am 26. November 2012.
  2. a b Wellmer, 1976, S. 36.
  3. ISSA: Dokumente, 1977, S. 31.
  4. Newell Maynard Stultz: Afrikaner politics in South Africa, 1934-1948. Berkeley 1974, ISBN 0-520-02452-4, S. 136.
  5. Wahlergebnisse bei sahistory.org.za, abgerufen am 26. November 2012.
  6. a b Gleichschaltung in Südafrika. In: Die Zeit. 38/1948 vom 16. September 1948. (Digitalisat)
  7. Geschichte der NP 1939–1950er Jahre bei sahistory.org.za (englisch), abgerufen am 26. November 2012.
  8. ISSA: Dokumente, 1977, S. 31–32.