Passy (Paris)

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Nicolas Raguenet: "Quai und Dorf Passy" (um 1757)

Passy, früher eine eigenständige Gemeinde am rechten Ufer der Seine, die am 1. Januar 1860 gemeinsam mit anderen Randbezirken zu Paris eingemeindet wurde, gab dem 16. Arrondissement seinen Namen. Der heutige Stadtbezirk Passy, der weit über die Grenzen des früheren Dorfes hinausreicht, ist ein exklusiver Stadtteil, in dem vornehmlich das gehobene und wohlhabende Großbürgertum angesiedelt ist.

Bereits 1939 wusste der Schriftsteller Léon-Paul Fargue über diesen Teil von Paris zu berichten: „Passy ist eine große Provinz, wo die Familien sich kennen, sich beobachten und sich manchmal hassen, wenn nur eine bei ihrem wöchentlichen, monatlichen oder jährlichen Tee mehr Gäste, mehr Politiker oder Poeten hatte als die andere. Weder Proletarier noch Arme haben einen Platz in dieser ewigen Garden-Party, die jahrein, jahraus zwischen der Place Victor-Hugo und der Seine stattfindet.“ [1]

Bekannte Personen, die in Passy gelebt haben[Bearbeiten]

Blick vom Eiffelturm auf den nördlichen Abschnitt von Passy (Paris) mit dem Bois de Boulogne im Hintergrund.
Blick vom Eiffelturm auf den südlichen Abschnitt von Passy (Paris) mit der Seine im Vordergrund.
Alter Grenzstein in Passy

Passy war Wohnort von Benjamin Franklin während seines neunjährigen Aufenthalts in Frankreich (1777–1786) zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs, von wo aus er die französische Unterstützung des Unabhängigkeitskampfes am Leben erhielt. Seine kleine Druckerei, die so genannte Passy Press stellte Pamphlete her, aber auch Ausweise sowie die Abhandlung A Project for Perpetual Peace (1782). Diese bezog sich vor allem auf den Frieden in Europa. Franklin forderte einen gesamteuropäischen Rat, in dem die internationalen Themen diskutiert würden.

Als Franklin nach Amerika zurückkehrte, schrieb der neue amerikanische Botschafter in Frankreich, Thomas Jefferson: „When he left Passy, it seemed as if the village had lost its patriarch.“

Alexandre Le Riche de La Pouplinière (1693–1762) der Steuerpächter (Ferme générale) und Mäzen vieler bekannter Musiker und Künstler erwarb 1747 ein Schloss in Passy.

Gioachino Rossini (Opernkomponist, Der Barbier von Sevilla), bezog hier 1855 eine Villa, die er bis zu seinem Tod 1868 bewohnte. Hier schuf er 1863 auch seine letzte große Komposition, die Petite Messe solennelle.

Der französische Schriftsteller und Philologe François-Juste-Marie Raynouard verbrachte ebenfalls die letzten Jahre seines Lebens in Passy, ebenso der Historiker Joseph François Michaud.

Auch Victor Hugo war lange in Passy beheimatet, wo er 1885 in dem Haus Nr. 124 der heute nach ihm benannten Avenue verstarb.

Da Passy früher eine ländliche Idylle in Stadtnähe war und später eines der bevorzugten Wohngebiete der französischen Hauptstadt, haben sich hier – zumindest zeitweise – viele berühmte Persönlichkeiten niedergelassen. Bevorzugte Adressen waren hierbei:

In diesem Zusammenhang ist ebenfalls die Rue Berton erwähnenswert, die den Hinterausgang von Balzacs Anwesen an der Rue Raynouard bildet und über den der Schriftsteller die Flucht antrat, wenn seine Gläubiger ihm mal wieder zu Leibe rückten. Die frühere Rue du Roc erhielt ihren heutigen Namen, nachdem die benachbarte Rue Berton in die Rue d'Ankara umbenannt worden war. In dieser Straße befand sich einst die berühmte Nervenheilanstalt des Dr. Blanche, in der die Schriftsteller Gérard de Nerval und Guy de Maupassant – erfolglos – behandelt wurden.

Eine weitere begehrte Adresse im 16. Arrondissement war seit jeher die im alten Dorf Auteuil gelegene Verlängerung der Rue Raynouard, die Rue La Fontaine. Hier wurde unter anderem der Schriftsteller Marcel Proust geboren.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Place du Trocadéro auf dem höchsten Punkt des Chaillot-Hügels bietet zweifellos den schönsten Blick auf den jenseits der Seine stehenden Eiffelturm. Dort erhebt sich das Palais de Chaillot mit dem Marinemuseum (Musée de la marine), dem Völkerkundemuseum (Musée de l'homme) und einem Museum für Architekturgeschichte (Cité de l'architecture). Im Südosten ist dem Chaillot-Palast ein großzügig angelegter, von den beiden Grünflächen der Jardins du Trocadéro flankierter Springbrunnen vorgelagert. Der östliche Gartenteil birgt das versteckte unterirdische "Aquarium du Trocadéro".

An der Rue du Commandant Schœlsing Nr. 2 befindet sich ein Friedhof, der Cimetière de Passy, der im Südwesten an den Place du Trocadéro grenzt. Er birgt unter anderem die Grabstätten von Pearl White (amerikanischer Stummfilmstar), den Malern Édouard Manet und Berthe Morisot sowie den Komponisten Claude Debussy und Gabriel Fauré. Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Maison de Balzac in der Rue Raynouard Nr. 47 sowie das Musée du Vin in der Rue des Eaux unweit der Metrostation Passy, die von der Linie 6 bedient wird.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel von Marc Zitzmann in der Neue Zürcher Zeitung vom 20. Januar 2006