Brigitte Bardot

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Dieser Artikel behandelt die Schauspielerin; zu dem nach ihr benannten Trimaran siehe Brigitte Bardot (Schiff)
Brigitte Bardot, 1968

Brigitte Anne-Marie Bardot (* 28. September 1934 in Paris) ist eine frühere französische Filmschauspielerin, ehemals auch Model, Sängerin und Sexsymbol, seit den 1960er Jahren vor allem als Tierschutzaktivistin und Symbolfigur der französischen Rechten bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bardots Eltern waren Anne-Marie „Toti“ Mucel (1912–1978) und Louis „Pilou“ Bardot (1896–1975), ein lothringischer Industrieller. Ihre Schwester Mijanou Bardot ist ebenfalls Schauspielerin. Während des Zweiten Weltkrieges bezog die katholisch geprägte Familie ein Appartement in der Rue de la Pompe in Paris.[1]

Bardot begann 1947 mit dem Balletttanzen, mit 15 Jahren wurde sie Model. Ihre natürliche Haarfarbe ist brünett; sie ist jedoch als Blondine bekannt.[2] In kürzester Zeit wurde sie zu einem der meistgefragten Mannequins von Paris. Dem Regisseur Marc Allégret fiel ihre sinnliche Schönheit, gepaart mit mädchenhafter Unschuld, auf. Mit Allégrets Mitarbeiter Roger Vadim (1928–2000) begann Bardot eine Liebesaffäre, am 21. Dezember 1952 heirateten sie.[3] Bardot wurde zu Vadims Lieblingsschauspielerin und Favoritin; er trieb ihre Karriere voran.

Nach der Scheidung von Vadim heiratete die schwangere Bardot 1959 den Schauspieler Jacques Charrier. 1960 wurde der gemeinsame Sohn Nicolas-Jacques Charrier geboren, der bei den Großeltern aufwuchs und heute in Norwegen lebt. 1963 ließ sich das Paar scheiden.

Filmkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1952 drehte Bardot unter der Regie von Jean Boyer ihren ersten Spielfilm Le Trou Normand. Der internationale Durchbruch kam 1956 mit Vadims erstem Film Und immer lockt das Weib, der auch in Amerika ein großer Erfolg wurde. In den 1960er Jahren folgten weitere große Erfolge wie Die Wahrheit (1960), Die Verachtung (1963) und Viva Maria (1965).

In den 1950er und 1960er Jahren war Brigitte Bardot eine der begehrtesten und meistfotografierten Frauen der Welt. Frankreich ehrte sie besonders, indem die Marianne, die Verkörperung der Republik in Frauengestalt, von 1968 bis 1972 nach ihren Zügen gestaltet war. Von 1966 bis 1969 war Bardot mit Gunter Sachs verheiratet. Sie trug maßgeblich zur Popularisierung des Bikinis sowie hochtoupierter Beehive-Frisuren und gemusterter Ginghamstoffen im Anklang an die Mod-Subkultur bei.

Brigitte Bardot betätigte sich auch als Sängerin von Chansons. Bekannt ist vor allem das Lied Harley Davidson (1967). Zunächst sollte auch Serge Gainsbourgs Titel Je t’aime … moi non plus mit ihr veröffentlicht werden, doch aus privaten Gründen zog sie ihre Zustimmung zurück, so dass der Titel zunächst mit Jane Birkin 1969 erschien. Bardots Fassung wurde erst 1986 veröffentlicht und 2006 im Internet weit verbreitet.

Brigitte Bardot 1963 in St. Tropez mit Sami Frey

Auf der Flucht vor Fotografen und Journalisten anlässlich ihres ersten Aufenthaltes in Rio de Janeiro lernte Brigitte Bardot 1964 das brasilianische Fischerdorf Búzios kennen. Mehrfach kam sie für längere Aufenthalte dorthin zurück. Der Film Privatleben greift einige Aspekte und Nachteile ihres großen Ruhms auf.

1973 beendete sie abrupt ihre Karriere als Filmschauspielerin und hat seitdem nie wieder einen Spielfilm gedreht.

1982 porträtierte der französische Journalist Allain Bougrain-Dubourg das Leben Bardots in der dreiteiligen Fernsehdokumentation Brigitte Bardot – So wie sie ist.[4]

Tierschutzengagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marguerite Yourcenar schrieb 1968 einen Brief an Bardot; damit gelang es ihr, diese für Kampagnen gegen die Robbenjagd in Kanada zu gewinnen.[5] Dass Bardot noch 1969 in einer legendären, auf Nordamerika beschränkten Anzeigenserie der amerikanischen Nerzzüchterorganisation Blackglama nackt in einem Pelzmantel aus Nerz posiert hatte, tat ihrem Einsatz für den Tierschutz keinen Abbruch.[5]

Chantal Nadeau zufolge spielte beim Erfolg Bardots über deren Funktion als nationalem Symbol Frankreichs auch der innerkanadische Konflikt zwischen dem französischsprachigen Quebec nach der Stillen Revolution und den englischsprachigen Landesteilen eine große Rolle.[5] Die Kampagne ermöglichte es Bardot, sich nach ihrem Rückzug aus dem Filmgeschäft in den 1970er Jahren als prominente Tierschützerin neu zu positionieren. Insbesondere prangerte sie Umfang und Methoden der Robbenjagd an und verbrannte Pelze bei einer Demonstration in Paris.[6] Sie ist aktive Unterstützerin der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd,[7] die 2011 ein Schiff nach ihr benannte (siehe Brigitte Bardot (Schiff)).

Verbindung zur französischen Rechten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1990ern steht Bardot der extremen französischen Rechten um den Front National und seinem ehemaligen Vorsitzenden Jean-Marie Le Pen nahe. Ihr Ehemann Bernard d’Ormale ist ein führendes Mitglied des Front National. Immer wieder beklagte sie eine „Überfremdung“ und „Islamisierung“ ihres Landes. So erklärte sie 1998 in der rechtsextremen Monatszeitschrift Nation & Europa, dass sie sich „fremd im eigenen Land fühle“.[8]

Im Mai 2011 wurde ein Schiff der Umweltorganisation Sea Shepherd ihr zu Ehren in Brigitte Bardot umbenannt.[9] Nadeau sah bereits in Bardots Tierschutzaktivismus, in dessen Parallelisierung von Anti-Abtreibungsrhetorik und Vermenschlichung der unschuldigen weißen Robbenbabys ein ebenso erfolgreiches PR-Schema wie ein im Grundsatz konservativ-reaktionäres Weltbild, das mit Bardots späterem Einsatz für den Front National konform gehe.[5]

Statue von Brigitte Bardot in Brasilien
Brigitte Bardot in Nizza, 2002

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2003 veröffentlichte sie das Buch Un cri dans le silence; eine deutsche Übersetzung erschien 2004[10] (Titel: Ein Ruf aus der Stille). Darin warnt sie vor einer Islamisierung Frankreichs; sie kritisiert die moderne Kunst, die Verweichlichung der Männer,[11] die schnellen Mahlzeiten (Fast Food) und die schlechte Ernährung der Franzosen. Sie zieht gegen die moderne Architektur zu Felde und schwärmt von dem „Frankreich von damals“ mit „menschlichen Dimensionen“. Ihr Verlag 'Éditions du Rocher' teilte mit, das Buch sei das erfolgreichste französische Buch des Jahres 2004 gewesen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb 2004 über dieses Buch: „Man erkennt die Sprache des Populismus – und man erträgt den Rundumschlag über weite Strecken, weil er mit der niemals zu ruinierenden, charmanten, geistvollen Frechheit des französischen Chansons vorgetragen wird.“[12]

Die Bewegung gegen Rassismus und für Völkerfreundschaft MRAP bezeichnete das Buch als „Lawine aus Schmutz und Hass“ und erstattete Anzeige.[13]

Verurteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrfach stand sie wegen Anstiftung zum Rassenhass vor Gericht. 1997 wurde sie in einem Fall freigesprochen, bei dem es um einen „Figaro“-Beitrag von Bardot ging.[14]

Zumeist im Zusammenhang mit Äußerungen zum islamischen Schächten wurde sie zu Geldstrafen von 9.000 DM sowie 5.000 Euro[15] und 15.000 Euro[16] verurteilt.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Chansons[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ah! Les petites femmes de Paris („Die hübschen Frauen von Paris“) – aus dem Film Viva Maria!, Duett mit Jeanne Moreau
  • Ay que viva la sangria („Es lebe die Sangria!“)
  • Bonnie and Clyde
  • Bubble gum („Bubbelgum“)
  • C’est rigolo („Es ist lustig“)
  • Ce n’est pas vrai („Es ist nicht wahr“)
  • Comic strip („Comicheft“) – mit Serge Gainsbourg
  • Danser („Tanzen“)
  • Écoute le temps
  • Faite pour dormir („Wie zum schlafen geschaffen“)
  • Flamenco – mit Manuel de Plata
  • Go west
  • Harley Davidson („Ich brauche niemanden außer Harley Davidson“)
  • Je t’aime ... moi non plus[17] („Ich liebe dich ... ich auch nicht“) – mit Serge Gainsbourg
  • Je reviens vers toi („Ich komme wieder zu dir zurück“)
  • L’appareil à sous („Die Musikbox“)
  • La bise aux hippies („Ein Küsschen für die Hippies“)
  • La fille de paille („Das Strohmädchen“)
  • La Madrague[18] („Die Madrague“)
  • Le soleil („Die Sonne“)
  • Le soleil de ma vie – mit Sacha Distel
  • Les amis de la musique („Die Musikfreunde“)
  • Maria ninguém („Maria l’Amour“)
  • Moi, je joue („Ich spiele“)
  • Noir et blanc („Schwarz und weiß“)
  • Nue au soleil („Nackt in der Sonne“)
  • Stanislas – mit Les Frères Jacques
  • Tu veux ou tu veux pas? („Willst du (es) oder nicht?“)
  • Un jour comme un autre („Ein Tag wie der andere“)
  • Une histoire de plage („Eine Strandgeschichte“)
  • Contact („Meine Liebe kehrt zurück in die Galaxie“)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Brigitte Bardot

  • Brigitte Bardot, Daniel Dollfus: Die kleine Robbe. Lentz, München 1978.
  • Brigitte Bardot: B.B. Memoiren. Lübbe, Bergisch Gladbach 1996, ISBN 3-7857-0798-3
  • Brigitte Bardot: Le Carré de Pluton. Mémoires. T. 2. B. Grasset. Paris 1999.
  • Brigitte Bardot: Ein Ruf aus der Stille. Rückbesinnung und Auflehnung. Langen Müller, München 2004, ISBN 3-7844-2946-7
  • Brigitte Bardot: Pourquoi? Rocher, Monaco 2006.
  • Brigitte Bardot, Henry-Jean Servat: Mein privates Leben. Interview mit Henry-Jean Servat. Langen Müller, LangenMüller, München 2007, ISBN 978-3-7844-3087-4.
  • Brigitte Bardot: Par amour… et c’est tout ! Emmanuel Bonini, Alphée 2009.

Über Brigitte Bardot

  • Simone de Beauvoir: Brigitte Bardot and the Lolita Syndrome. Arno Press, 1960, 52 S., ISBN 978-0-405-03912-6.
  • Françoise Sagan, Ghislain Dussart: Brigitte Bardot racontée par Francoise Sagan, vue par Ghislain Dussart. Éditions Flammarion, 1975, ISBN 978-2-08-010747-3, Neuauflage 1992, 122 S., ISBN 2-08-010747-X.
  • René Barjavel: Brigitte Bardot, amie des animaux. Éditions Fernand Nathan, 1976.
  • Brigitte Tast, Hans-Jürgen Tast (Hrsg.): Brigitte Bardot. Filme 1953-1961. Anfänge des Mythos B.B. Hildesheim 1982, ISBN 3-88842-109-8.
  • Raymond Boyer: Und immer lockt das Weib... Brigitte Bardot. Fotografiert von Sam Levin. (Lizenzausgabe des Verlags Love Me Tender, Paris, übersetzt von Jossette Cagli)
    PPV-Verlag, Zürich 1984, ohne ISBN.
  • Henri de Stadelhofen: Brigitte Bardot. Offizielle Biografie. 20 Abbildungen. Carussell communications, 1986, ISBN 3-922594-18-2.
  • Bernard de Eckardt: Brigitte Bardot. Ihre Filme – ihr Leben. Heyne, München 1989, ISBN 3-453-86050-0.
  • Chantal Nadeau: BB and the Beasts. Brigitte Bardot and the Canadian Seal Controversy. Screen, 1996.
  • Catherine Rihoit: Brigitte Bardot – un mythe français. Éditions Olivier Orban, 2003.
  • Nathalie Hillmanns: Simone de Beauvoir / Brigitte Bardot. Fischer Taschenbücher Allgemeine Reihe. Mit Fotos. Fischer Taschenbuch Verlag, 2000, ISBN 3-596-14734-4.
  • Christian Dureau: Brigitte Bardot. Et le Cinéma créa sa star. Carpentier, Paris 2008.
  • Dominique Choulant: Brigitte Bardot: le Mythe éternel. Autres Temps Editions, 2009.
  • Eddy Matalon, François Reichenbach, Brigitte Bardot, Serge Gainsbourg, Sacha Distel, Claude Brasseur: Brigitte Bardot, die Unbezähmbare. 2010.
  • Alain Delon: Les femmes de ma vie. Unter Mitarbeit von Philippe Barbier. D. Carpentier, Paris 2011.
  • Marc de Raemy, Brigitte Bardot, Léonard de Raemy: Brigitte Bardot. Vue par Léonard de Raemy. Carpentier, Paris 2011.
  • Alain Wodrascka, François Bagnaud: Bardot l’indomptable. Hugo, Paris 2011.
  • Julia Encke: Adieu, BB – Ein Nachruf zu Lebzeiten. In: Süddeutsche Zeitung, 19. Juni 2004
  • Katja Nicodemus: Mein Mythos, was ist das? In: Die Zeit, 9. Februar 2006
  • David Teboul: BB, eine Liebeserklärung, französischer Dokumentarfilm, 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brigitte Bardot – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Barnett Singer: Brigitte Bardot: A Biography. McFarland & Co., 2006, ISBN 0-7864-2515-6, S. 9
  2. Anne Verlahac: Blondinen, ISBN 978-3-89904-337-2.
  3. Ernst Probst: "B.B." - Das Sexsymbol der 1950-er Jahre, Grin-Verlag, S. 10
  4. Fernsehprogramm. In: Der Spiegel. Nr. 16, 1984 (online).
  5. a b c d Chantal Nadeau: Fur Nation: From the Beaver to Brigitte Bardot. Routledge, 2001, ISBN 0-415-15874-5.
  6. Richard Leakey: Wildlife – Ein Leben für die Elefanten. S. Fischer, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-10-043208-8, S. 13.
  7. open PR (PDF; 501 kB)
  8. Interview mit Brigitte Bardot: „ich fühle mich fremd im eigenen Land“. In: Nation und Europa, Heft 7, 1998, S. 56 und 57
  9. The Beast Transforms into a Beauty as Godzilla Becomes the Brigitte Bardot. Sea Shepherd Conservation Society, abgerufen am 6. Januar 2011.
  10. Langen Müller, ISBN 978-3-784-42946-5. Un cri dans le silence: ISBN 978-2-2680-4725-6
  11. Lorenz Jäger, in: FAZ, 24. März 2004
  12. Scheltworte der Schönsten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. März 2004 (aufgerufen am 9. Dezember 2011)
  13. Brigitte Bardot vor Gericht. In: Der Spiegel, 6. Mai 2005 (aufgerufen am 9. Dezember 2011)
  14. Freispruch für Brigitte Bardot. In: Berliner Zeitung, 24. Januar 1997 (aufgerufen am 9. Dezember 2011)
  15. Bardot fined for 'race hate' book, BBC News. 10. Juni 2004. Abgerufen am 3. Juni 2008. 
  16. Brigitte Bardot: Verurteilt wegen Aufrufs zum Rassenhass,FOCUS, 3. Juni 2008
  17. [sic] – 1966, 1986 veröffentlicht.
  18. Der Titel erinnert an den Namen von Bardots Anwesen in Saint Tropez („Auf dem verlassenen Strand, Muscheln und Krustentiere…“).