Paul Yorck von Wartenburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Paul Graf Yorck von Wartenburg (1835–1897)

Hans Ludwig David Paul Graf Yorck von Wartenburg (* 1. April 1835 in Berlin; † 12. September 1897 auf Schloss Klein-Öls, Landkreis Ohlau, Niederschlesien) war ein deutscher Jurist und Philosoph sowie Majoratsherr des Gutes Klein-Öls.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Yorck von Wartenburg

Paul Yorck war der Sohn Hans David Ludwig Graf Yorck von Wartenburgs und Enkel des königlich preußischen Generalfeldmarschalls Ludwig Graf Yorck von Wartenburg. Seine Mutter, Bertha Gräfin Yorck (1809–1845), war die philosophisch, literarisch und musisch hochgebildete Tochter des preußischen Generalmajors Johann Georg Emil von Brause. Paul Yorck heiratete am 3. Oktober 1860 in Berlin die Enkelin des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen, Luise von Wildenbruch (* 28. April 1838 in Berlin; † 20. Dezember 1918 auf Schloss Klein-Öls), die ältere Schwester des Schriftstellers Ernst von Wildenbruch (1845–1909) und Tochter des königlich preußischen Generalleutnants Louis von Wildenbruch (1803–1874), Generalkonsul in Beirut und dessen erster Ehefrau Ernestine von Langen (1805–1858), Hofdame der Fürstin Radziwill.

Seine Enkel waren die Widerstandskämpfer Peter Graf Yorck von Wartenburg (hingerichtet 1944) und Paul Graf Yorck von Wartenburg (1902–2002).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Klein Oels - Im Turmzimmer befand sich das Studierkabinett des Grafen Paul Yorck.
Mausoleum der Grafen Yorck im Schloßpark von Klein Oels
Sarkophag Paul Yorcks in der Gruft des Mausoleums

Nach seinem Abitur im Jahre 1854 am Maria-Magdalenen-Gymnasium in Breslau nahm er 1855 in Bonn das Studium der Rechtswissenschaft und Philosophie auf. Doch noch im gleichen Jahre wechselte er nach Breslau (Niederschlesien), um dort sein Studium fortzusetzen. 1857 unternahm er mit seinem Vater Ludwig seine erste Italienreise, an die er sich u.a. in seinem Italienischen Tagebuch erinnerte.

Im März 1858 legt er sein Examen ab. Nach seinem Referendariat in Breslau siedelte er mit seiner Familie 1861 nach Potsdam, wo er sich auf das Assessor-Examen vorbereitete. 1865 übernahm er nach dem Tod seines Vaters die Bewirtschaftung des Familienguts Klein-Öls sowie den erblichen Sitz der Familie im Preußischen Herrenhaus.

In den ausgehenden 1870er Jahren traf er auf den im Jahr 1871 nach Breslau berufenen Philosophen Wilhelm Dilthey. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine enge Freundschaft und wissenschaftliche Auseinandersetzung. 1891 reiste Yorck abermals nach Italien.

Wissenschaftliche Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wissenschaftlichen Texte, die aus seinem Nachlass publiziert wurden, waren zumeist in seinen letzten Lebensjahren entstanden. Yorcks wissenschaftliche Arbeiten wurden vom Gedankenaustausch mit Dilthey inspiriert, der seinerseits durch ihn beeinflusst wurde. Nach Yorcks Tod versicherte Dilthey gegenüber dessen Sohn Heinrich: Yorck sei die „genialste, größte Natur“ gewesen, die ihm neben Hermann von Helmholtz begegnet sei. „Welchen Wert soll, was ich noch schreiben könnte, für mich haben, da ich seine Beistimmung, seine Einwendungen, sein Urteil von jetzt ab niemals wieder vernehmen werde.“[1] Neben seiner Beschäftigung mit den griechischen Philosophen entwickelte Yorck eine hermeneutische Geschichtsphilosophie als „Psychologie der Geschichte“ und arbeitete die Bewusstseinsstellungen der Epochen heraus. Darüber hinaus unterzog er das Phänomen des Raumes und der Räumlichkeit einer psychologischen Analyse. Sein Denken war vor allem von Bedeutung für die Entwicklung des Begriffs Geschichtlichkeit und hatte Einfluss auf Heidegger und Gadamer.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Katharsis des Aristoteles und der Oedipus Coloneus des Sophokles, Berlin 1866 (Prüfungsarbeit für den höheren preußischen Verwaltungsdienst)
  • Briefwechsel zwischen Wilhelm Dilthey und dem Grafen Paul Yorck von Wartenburg 1877 - 1897, Halle 1923, Reprint Hildesheim 1995
  • Italienisches Tagebuch, Darmstadt 1927, 2. Auflage Leipzig 1939
  • Bewußtseinsstellung und Geschichte. Ein Fragment aus dem Philosophischen Nachlaß, Tübingen 1956, 2. Auflage Hamburg 1991

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Kaufmann: Die Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg, in: Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung, Band 9, Halle 1928
  • Friedrich Georg Jünger: Graf Paul Yorck von Wartenburg, in: Ders.: Sprache und Denken, Frankfurt/Main 1962, Seite 162-212
  • Karlfried Gründer: Zur Philosophie des Grafen Paul Yorck von Wartenburg, Göttingen 1970
  • Jerzy Krakowski (Hrsg.): Dilthey und Yorck: Philosophie und Geisteswissenschaften im Zeichen von Geschichtlichkeit und Historismus, Wrocław 1996
  • Francesco Donadio: L' albero della filosofia e la radice della mistica : Lutero, Schelling, Yorck von Wartenburg, Bibliopolis, Neapel 2002

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zitiert nach F. G. Jünger, Frankfurt/Main 1962, Seite 212.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]