Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit

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Die Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit ist eine seltene angeborene Erkrankung des zentralen Nervensystems. Bei dieser Erkrankung aus Gruppe der Leukodystrophien tritt eine Störung der Myelinisierung auf, durch die eine Vielzahl von Symptomen verursacht werden kann. Die Krankheit ist nach den Erstbeschreibern Friedrich Christoph Pelizaeus und Ludwig Merzbacher[1][2] benannt.

Genetik[Bearbeiten]

Der Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit liegt eine Mutation des Proteolipid-Protein (PLP) codierenden Gens auf dem X-Chromosom (Xq22) zugrunde, der zu einem Ausfall oder zur Unbrauchbarkeit der PLP-Produktion und nachfolgend zu einer inkorrekten Zusammensetzung der Myelinscheiden führt, die für eine normale Funktion der Nervenfasern notwendig sind. Der Erbgang der Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit ist X-chromosomal rezessiv, weswegen in der Regel nur Jungen bzw. Männer betroffen sind. Die bei der Erkrankung beobachteten genetischen Veränderungen des PLP-Gens sind mannigfaltig: Neben Deletionen wurden auch Duplikationen des PLP-Gens beschrieben.[3][4] Die Erkrankung wird zur Erkrankungsgruppe der hereditären spastischen Spinalparalysen oder spastische Paraplegie gezählt. Dort wird sie als SPG2 (spastic paraplegia gen 2) bezeichnet.

Symptome[Bearbeiten]

Die Leitsymptome der Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit sind eine Verzögerung der normalen geistigen und motorischen Entwicklung mit unkontrollierbaren, rhythmische Bewegungen der Augen (Nystagmus), Lähmungen der Muskulatur (wobei sowohl spastische als auch schlaffe Lähmungen mit Tonusverlust insbesondere der Rumpfmuskulatur auftreten können) sowie eine Stand- und Gangunsicherheit (Ataxie). Die Erkrankung beginnt in der Regel im Kleinkindes- oder Kindesalter, kann sich aber auch erst im Erwachsenenalter manifestieren.

Verwandte Erkrankungen[Bearbeiten]

Erkrankungen die der Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit ähneln, aber autosomal-rezessiv vererbt werden, sind:

  • Pelizaeus-Merzbacher like disease (PMLD) 1[5]: verursacht durch Mutationen in Connexin-47 (GJA12)-Gen auf Chromosom 1q41
  • Pelizaeus-Merzbacher like disease (PMLD) 2[6]

Eine Erkrankung die der Pelizaeus-Merzbacher-Erkrankung ähnelt, aber autosomal-dominant vererbt wird und deren Erkrankungsbeginn im Erwachsenenalter liegt, ist die

  • autosomal-dominante Leukodystrophie (ADLD).[7]

Diagnostik[Bearbeiten]

Neurologische Untersuchung und Anamnese können erste Verdachtsmomente ergeben. Biochemische Marker für die Erkrankung existieren jedoch nicht. Die Kernspintomographie des Gehirns belegt Störungen der Markreifung (Myelinisierung), die allerdings nicht für die Pelizaeus-Merzbacher-Erkrankung spezifisch sind. Eine Abgrenzung gegenüber Entmarkungskrankheiten kann unter Umständen mit Hilfe der Magnetresonanzspektroskopie erfolgen.[8] Beweisend ist der molekulargenetische Nachweis einer Mutation des PLP-Gens auf dem X-Chromosom (Xq22). Eine pränatale Diagnostik ist möglich.[9]

Behandlung[Bearbeiten]

Die Pelizaeus-Merzbacher-Erkrankung ist nicht ursächlich behandelbar. Unterstützende Pflege, einschließlich emotionaler Unterstützung der Familienmitglieder, wird nach Bedarf empfohlen. Eine krankengymnastische und ergotherapeutische Behandlung zielt auf die Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Kinder.

Prognose[Bearbeiten]

Die Schwere der Erkrankung variiert deutlich unter anderem in Abhängigkeit von der Art der PLP-Mutation und reicht von milden Verläufen bei der sich erst im Erwachsenenalter manifestierenden Erkrankungen bis hin zu schwersten Verlaufsformen mit Beginn im Kleinkindesalter und tödlichem Verlauf noch in der Kindheit.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pelizaeus: Ueber eine eigentumliche Form spastischer Lahmung mit Cerebralerscheinungen auf hereditarer Grundlage (multiple Sklerose). Arch. Psychiat. Nervenkr. 1885; 16: 698
  2. Merzbacher: Eine eigenartige familiärhereditäre Erkrankungform (Aplasia axialis extracorticalis congenita). Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie, 1910; 3:1-138
  3. Koeppen & Robitaille: Pelizaeus-Merzbacher disease. In: J Neuropathol Exp Neurol, 2002;61(9):747. PMID 12230321
  4. Garbern: Pelizaeus-Merzbacher disease: Genetic and cellular pathogenesis. In: Cell Mol Life Sci, 2007;64(1):50-65. PMID 17115121
  5. PMLD 1. In: Online Mendelian Inheritance in Man (engl.).
  6. PMLD 2. In: Online Mendelian Inheritance in Man (engl.).
  7. ADLD. In: Online Mendelian Inheritance in Man (engl.).
  8. Hanefeld et al.:Quantitative proton MRS of Pelizaeus-Merzbacher disease: evidence of dys- and hypomyelination. Neurology. 2005;65(5):701-6. PMID 16157902
  9. Garbern & Hobson: Prenatal diagnosis of Pelizaeus-Merzbacher disease. Prenat Diagn. 2002;22(11):1033-5. PMID 12424770

Weblink[Bearbeiten]