Perfluorcarbone

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Perfluorhexan, ein Perfluorcarbon
Verschiedene Darstellungen von Perfluordecalin

Perfluorcarbone (PFC) sind vollständig mit Fluor substituierte Kohlenstoffverbindungen. Einfache Kohlenstoffketten wie das perfluorierte Octanderivat Perfluoroctan (C8F18), sind ebenso verbreitet wie komplexe, cyclische Fluor-Kohlenstoffverbindungen. Der formal einfachste Vertreter ist das Tetrafluormethan.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwendung finden Perfluorcarbone als Kältemittel und als Isolationsmittel z. B. in Transformatoren.

Aufgrund ihrer sehr langen mittleren Verweilzeit in der Atmosphäre haben alle Perfluorcarbone, ähnlich wie die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), sehr hohe Treibhauspotenziale.[1] Nach Angaben des Umweltbundesamtes sind Per- und Polyfluorierte Chemikalien in der Natur kaum oder nicht abbaubar. Sie sind im menschlichen Blut und – in wesentlich geringerer Konzentration – in der Muttermilch nachweisbar.[2] Darüber hinaus wurden sie inzwischen in entlegenen Gebieten wie der Arktis und der Antarktis gemessen und gelten als klimarelevant.[3]

Medizinischen Einsatz finden PFC in der Augenheilkunde.[4] Des Weiteren können Perfluorcarbone zur Flüssigkeitsbeatmung eingesetzt werden. Viele Perfluorcarbone haben eine niedrige Oberflächenspannung und breiten sich aufgrund des hohen Ausbreitungskoeffizienten sehr leicht auf Oberflächen aus. Diesen Eigenschaften und dem großen Potential zum Transport von Gasen wie Sauerstoff, Kohlenstoffdioxid oder Stickstoffmonoxid verdanken Perfluorcarbone ihren Einsatz bei der Beatmung.[5]

Biologisch verhalten sich Perfluorcarbone bis auf wichtige Ausnahmen inert: wesentliches Charakteristikum für die biologische Unbedenklichkeit ist die fehlende Eigenschaft der Perfluorcarbone zur Bildung von Radikalen. Uneinigkeit besteht derzeit darüber, ob und in welcher Form inkorporierte Perfluorcarbone in der Lage sind, intra- und interzelluläre Signalwege direkt zu beeinflussen.

PFCs werden mitunter als Dopingmittel verwendet, da sie ähnlich wie rote Blutkörperchen den Sauerstoff transportieren. Sie können in Dopingtests beispielsweise gaschromatographisch nachgewiesen werden.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Piers Forster, Venkatachalam Ramaswamy et al.: Changes in Atmospheric Constituents and in Radiative Forcing. In: Susan Solomon et al. (Hrsg.): Climate Change 2007. The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2007, ISBN 978-0-521-88009-1, S. 212–213, (PDF; 7,67 MB).
  2. Per- und Polyfluorierte Chemikalien, Einträge vermeiden – Umwelt schützen. (PDF; 1,3 MB) Veröffentlichung des Umweltbundesamtes vom Juli 2009. Abgerufen am 2. Juni 2012.
  3. Das vergessene Treibhausgas. In: Bild der Wissenschaft, vom 3. Juli 2008. Abgerufen am 2. Juni 2012.
  4. Günter K. Kriegelstein (Hrsg.): Glaukom 2005. Ein Diskussionsforum. Springer, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-29677-8, S. 81.
  5. Sigrid Schäfer, Frank Kirsch, Gottfried Scheuermann, Rainer Wagner: Fachpflege Beatmung. 5. Auflage. Elsevier, Urban & Fischer, München u. a. 2009, ISBN 978-3-437-25183-2, S. 238.
  6. Neal E. Flomenbaum, Lewis R. Goldfrank, Robert S. Hoffman, Mary Ann Howland, Neal A. Lewin (Hrsg.): Goldfrank’s Toxicologic Emergencies. 8. Auflage, McGraw-Hill, New York u. a. 2006, ISBN 0-07-147914-7, S. 691.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]